Tuesday 22. May 2012

Inhalt:

Prävention von Lese-/Rechtschreibschwäche

 

Eine frühzeitige und systematische Förderung kann den Kindern den Einstieg in das Erstlesen und Erstschreiben deutlich erleichtern und die Lese-/Rechtschreibleistungen lang anhaltend verbessern.

 

In der Förderung der Vorläuferfähigkeiten können 3 große Gruppen von unterschiedlichen Ansätzen gefunden werden:

  1. Training basaler Wahrnehmungsfunktionen:
    Darunter werden Trainingmethoden zur auditiven und visuellen Wahrnehmung verstanden. Ziel des Trainings von basalen, auditiven und visuellen Funktionen soll es sein, die zugrunde liegenden Schwächen bei Kindern mit einer Lese-/Rechtschreibschwäche zu behandeln und dadurch erst die Voraussetzung für die Schriftsprache zu ebnen. Bislang konnte noch keine dieser Methoden einen wissenschaftlichen Beleg für ihre Wirksamkeit nachweisen (siehe dazu auch Suchodoletz 2001)
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  2. Unspezifische Maßnahmen zur Erhöhung der allgemeinen Lernfähigkeit
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  3. Symptom-spezifische Trainingsprogramme (Rechtschreibregeltraining, Strategietraining, phonologisches Bewusstheitstraining)

Bislang konnten für symptomspezifische Trainings wie Förderprogramme zur phonologischen Bewusstheit und später Förderprogramme zu spezifischen Lese-/Rechtschreibregeln Erfolge in wissenschaftlich angelegten Studien nachgewiesen werden (siehe Küspert /Schneider 2001, Reuter-Liehr 1992, Scheerer-Neumann 1993, Grünke Matthias in Kindheit und Entwicklung).
 
Trainingsprogramme zur phonologischen Bewusstheit sind nach neueren Untersuchungen (Wimmer und Hartl 1991, Schulte-Körne 2001) besonders für den Einstieg in den Erstlese- und Schreibunterricht von besonderer Bedeutung. Zu einem späteren Zeitpunkt, Anfang der zweiten Klasse, würden Regeltrainings besonders effektiv sein, da sie den Übergang von lauttreuem zu regelgeleitetem Lernen erleichtern und die Kinder dazu bringen zu erkennen, dass Wörter nicht nur lauttreu verschriftlicht werden sondern auch durch die lautliche Struktur geleitet sind.
 
Das Programm „Hören-Lauschen-Lernen 1 und 2“ von Küspert & Schneider konnte in Trainingsstudien als effektiv in der Förderung befunden werden. Dieses Trainingsprogramm erstreckt sich über 20 Wochen und ist nach einem fixen Wochenplan mit täglich zehn Minuten Übung aufgebaut. Die täglichen Übungen bestehen jeweils aus 2 Spielen, welche dann jeweils fünf Minuten mit den Kindern durchgeführt werden. Kinder sollten hier in einer Kleingruppe bzw. einzeln gefördert werden. Wichtig ist es auch, nur auffällige Kinder in das Training miteinzubeziehen, d.h. nur Kinder mit Defiziten im Bereich der phonologischen Verarbeitung, da nur so ein Effekt in der Förderung bemerkt wurde.
Das Training beginnt mit Aufgaben und Spielen zur auditiven Aufmerksamkeit und Übungen zur phonologischen Bewusstheit im weitern Sinn (Silbensegmentieren, Wörter erkennen).
Übungen zur phonologischen Bewusstheit im engeren Sinn befassen sich dann mit Analysen von Einzelphonemen, Anlauten („Was hörst du am Anfang von ?“, „Wie  viele Laute hörst du im Wort?“...) und der Buchstabe-Laut-Verknüpfung.
 
Da sich ein kombiniertes Training in der Benenngeschwindigkeit und der phonologischen Bewusstheit als effektivste Förderung für den späteren Lese-/Rechtschreiberwerb erwiesen hat, werden bereits vorschulisch Buchstabenbilder für die Bewusstmachung der Verbindung von akustischen mit visuellen Merkmalen eingeführt. Damit soll die Aufmerksamkeit des Kindes nochmals auf das Zergliedern in Einzelphoneme und das jeweilige Zuordnen und Visualisieren des lautlichen Eindrucks gelenkt werden. 


Zusammenfassend kann der Stellenwert der phonologischen Bewusstheit im Schriftspracherwerb als gesichert angesehen werden. Auch die Effektivität der Förderung ist gegeben, d.h. phonologische Bewusstheit kann verbessert werden und verbessert den Einstieg in den Erwerb der Schriftsprache. Eine zusätzliche frühe Verknüpfung und ein frühes Training mit visuellem Buchstabenmaterial (Buchstabe-Laut-Verknüpfung) hat sich als effektivste Fördermethode herausgestellt.


 
 
Sinnvolle Förderprogramme für die Prävention:
 
Forster, M., Matschinke, S. (2001) Leichter Lesen und Schreiben lernen mit der Hexe Suse:
Das Nürnburger Trainingsprogramm zur phonologischen Bewusstheit.
Auer, Donawörth
 
Küspert, P., Schneider, W. (2001): Hören – Lauschen – Lernen 1, Sprachspiele für Vorschulkinder (3. Auflage). Höck und Ruprecht, Göttingen
 
Plumer, E., Schneider, W. (2004): Hören – Lauschen – Lernen 2, Spiele mit Buchstaben und Lauten für Kinder im Vorschulalter, Würzburger Buchstabe- Lauttraining Van den Höck und Ruprecht, Göttingen

Was zeichnet effektive Therapie aus?


Wenn ein „Mehr“ an den Übungen, die das Kind zu Hause und in der Schule machen soll, den Schriftspracherwerb nicht merklich verbessert und die Diagnose „Legasthenie“ ein Hauptgrund dafür ist, soll an eine spezifische Lese-Rechtschreibtherapie gedacht werden.
Leider ist der Dschungel an Therapieangeboten bereits so undurchschaubar geworden, dass es für Eltern oft schwer ist zu entscheiden, welche Therapie für das eigene Kind geeignet/leistbar/sinnvoll ist.
Aus diesem Grund sind hier einige wichtige Kriterien aufgelistet, die Eltern helfen sollen, selbst zu beurteilen, ob die angebotene Therapie grundsätzlich positiv erscheint.
Zu den einzelnen Punkten können Sie ausführlichere Informationen erhalten, indem Sie die Überschriften anklicken.
 
Unten finden Eltern eine kleine „Checkliste“ für wesentliche Fragen zu den einzelnen Bereichen. Durch das Stellen dieser Frage können Sie in kurzer Zeit viel wertvolle Information über Inhalt und zu erwartender Effizienz der Therapie erhalten. Eine effektive Therapie ist gekennzeichnet durch
 
1.  eine vorangegangene ausführliche Diagnostik
2.  das Erklärungsmodell des Therapeuten für das Lese-/Rechtschreibproblem
3.  Therapiemethoden und Transparenz für Eltern
4.  eine realistische Planung des Trainings
5.  Überprüfung des Fortschrittes (Verlaufsdiagnostik)
6.  den Ort der Therapie
7.  den Therapeuten selbst
 
 


Diagnostik

 

Der Ausgangspunkt für jede therapeutische Unterstützung ist eine differenzierte Diagnostik. Alles Wissenswerte dazu finden Sie hier. (siehe Diagnostik)
 

 


Erklärungsmodell

 

„Was verstehen Sie unter Legasthenie?“
oder
„Können Sie mein Kind mit der Therapie heilen?“
Dies sind Fragen, die Sie LRS-Trainern stellen können, um deren Erklärungsmodell für Legasthenie zu überprüfen. 

 
Es bestehen nämlich sehr viele verschiedene Erklärungsmodelle zur Legasthenie, oftmals sind diese wissenschaftlich nicht haltbar und das Ergebnis von „Einzelerfolgen“. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Therapie das Lesen und Schreiben tatsächlich verbessert, wären Antworten gut, die verstehen lassen, dass die Ursachen für dieses Störungsbild nicht vollständig geklärt sind. Daher  ist es sinnvoll, „symptomorientiert“ zu arbeiten, also direkt am Lesen und Schreiben anzusetzen. Wen jemand vorgibt, die Ursachen der Legasthenie vollständig erklären zu können und dass diese Störung mit dessen Methode heilbar wäre, sollte man vorsichtig sein. Viele Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten an der Ursachenforschung und sind bereits zu vielen wichtigen Erkenntnissen gekommen, jedoch völlig erklärt werden kann das „WIE“, „WARUM“ und „WANN“ noch nicht (siehe Ursachen).
 
Bei „Funktionsorientierten Trainings“ werden Funktionen, wie das Sehen oder bestimmte Reihenverarbeitungsprozesse trainiert. Durch das Training dieser der Schriftsprache zu Grunde liegenden Funktionen soll auch das Schreiben und Lesen verbessert werden. Diese Annahme ist jedoch zum aktuellen Zeitpunkt wissenschaftlich nicht haltbar. Zwar kann man diese einzelnen Funktionen erwiesenermaßen trainieren und auch verbessern, die Generalisierung, also der Übertrag auf das Schreiben und Lesen konnte bisher aber nicht objektiv gezeigt werden. (siehe eine genaue Zusammenfassung und Übersicht bei Suchodoletz 2001). Wie gesagt, gehen diese Theorien davon aus, den „einfachen Schlüssel zur Heilung“ bereits gefunden zu haben – leider entspricht dies nicht der Wahrheit.
 
Legasthenietraining beinhaltet also am besten nichts anderes als das Üben von Schreiben und Lesen (Symptomorientierung) – jedoch strukturiert, mit geeigneten Methoden und eingebettet in einen wohl überlegten Plan.
 

 


Therapiemethoden

 

Je nach Art der Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb kann aus verschiedenen Gruppen von Trainingsprogrammen ausgewählt werden. Nur bei wenigen wurde eine Evaluierung durchgeführt, also eine Überprüfung, die die Wirksamkeit dieser Methode bei vielen Kindern nachweisen soll. Im Folgenden werden jene Programme vorgestellt, die nach sinnvollen Prinzipien konstruiert wurden und symptomorientiert vorgehen. Anbei jeweils eine Bemerkung, für wen diese Programme gut durchführbar sind (Eltern, Lehrer, Schüler selbst, Therapeuten). 

 

Die Programme können  in folgende Bereiche eingeordnet werden :

  • Lauttreues Schreiben und Lesen

  • Rechtschreib-Regel-Aufbau (Orthographieerwerb)
    a.  SilbenorientierteTrainings
    b.  Morphemorientierte Trainings
    c.  „Regelansätze“

  • Flüssiges und sinnerfassendes Lesen

 

Lauttreues Schreiben und Lesen (Reihung willkürlich)

  • Carola Reuter-Liehr: „Lautgetreue Rechtschreibförderung“
    Umfassendes Programm mit detaillierter Stundenbeschreibung für einzelne Therapieeinheiten. Geeignet für LRS-Therapeuten (Einzeltherapie) und die schulische Förderstunde. Das Material ist in Mappen mit ausführlichen Übungsanleitungen und Übungszetteln sehr umfassend. Für die Ein- und Vorbereitung benötigt man viel Zeit.
    Inhalt: Systematischer Aufbau des lauttreuen Schreibens, in weiterführenden Mappen auch zum Aufbau des orthographischen Schreibens. 
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  • Klaus Kleinmann: Basistraining Rs
    Dieses Buch bietet einen strukturierten Aufbau zum lauttreuen Schreiben (Von Lautebene zur Silbenebene). Die Prinzipien sind einfach und gut aufgebaut, gut veranschaulicht, leider zu wenig Übungsmaterial.
    Geeignet für den LRS-Therapeuten (Einzeltherapie), passend als „Hausaufgaben“ für den Schüler innerhalb der Förderung.  
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  • Dummer-Smoch, Lisa & Hackethal, Renate: „Kieler Leseaufbau“
    Dieses Programm bietet einen guten Aufbau zur Steigerung der Lesegenauigkeit und Flüssigkeit, wenn die Buchstabe-Laut-Verknüpfung bereits gefestigt ist. Für Schüler ab der 2. Klasse bis hin zur Hauptschule. Gut strukturiertes Wortmaterial, langweilige Illustrierung.
    Geeignet für LRS-Therapeuten, schulische Leseförderung, in angeleiteter Form auch gut für das Üben zu Hause (Eltern).
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  • Lisa Dummer-Smoch & Renate Hackethal: Kieler Rechtschreibaufbau
    Analog zum Kieler Leseaufbau konstruiert zum Training des Orthographieerwerbs.
    Die Durchführung dieses Programms braucht viel an Vorbereitung, daher eher für die Einzeltherapie geeignet. 
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  • Gero Tacke: „Flüssig Lesen Lernen“
    Konsequent auf der Silbenebene aufgebautes Programm für Eltern (Elternhefte) und auch Schule (Lehrerhefte). Die schönen Illustrierungen animieren eher zum Lesen, gut geeignet für selbständige Übungen durch den Schüler (es gibt auch Schülerhefte). Das Programm ist in die Klassenstufen (ab der 1. Klasse) geteilt, der Wortschatz gut für Kinder geeignet.

 

Orthographieerwerb (Rechtschreibung)

  • Klaus Kleinmann: „Die Wortbaustelle“
    Morphembasiertes Übungsbuch mit viel Übungsmaterial (großer Wortschatz und zahlreiche Spielideen). Gut geeignet, wenn sich Eltern mit dem Buch auseinandersetzen und mit Schülern systematisch vorgehen. Für Schüler ab der 3./4. Klasse Volkschule bis in die Hauptschule/ins Gymnasium.
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  • Katharina Leeman Ambroz: „Grundbausteine Rechtschreibung“
    Übungsbuch für den schulischen Einsatz oder in der LRS-Therapie, auch geeignet für „Hausübungen“, die der Schüler selbständig erledigen kann. Wie „die Wortbaustelle“ morphemorientiert (Zergliederung und Zusammensetzen von Wörtern in Wortbausteine, Sammeln von Wörtern in der Wortfamilie).
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  • Schulte-Körne: „Das Marburger Rechtschreibtraining“
    Umfassendes und gut geplantes Programm für die Einzeltherapie oder gut vorbereiteten schulischen Förderkurs (auch kleingruppentauglich) zum systematischen Aufbau des orthographischen Wissens und der Automatisierung. Es wird regelorientiert (für jeden Rechtschreibbereich werden Merksätze und Algorithmen zur Anwendung vorgegeben) geübt, das Übungsmaterial ist schön gestaltet, jedoch nicht ausreichend für eine langfristige LRS-Therapie. Nur für Schüler, die bereits völlig lauttreu schreiben können! 

Übungsmaterial zu den Programmen:

  • Durchstarten in Deutsch 5. und 6. Klasse
  • Deutsch mit Fred: Rechtschreibung

In diesen beiden Büchern finden sich unzählige zusätzliche Übungen zu den Prinzipien in den oben genannten Rechtschreibprogrammen.
 
 
Flüssiges Lesen, Sinnerfassendes Lesen

  • Gero Tacke: Flüssig Lesen Lernen: Textbände
    Der Autor hat nicht nur für die Erstleser Material zusammengestellt sondern auch für Schüler, die bereits silbierend lesen können und die Lesegeschwindigkeit durch Übung noch verbessern wollen. Relativ spannende Textbände in großer Schrift und adäquatem Wortschatz können auch das leseschwache Kind zum Lesen animieren und dabei auch unterstützen.
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  • Chavanne, Verena: Lustige Leserätesel
    Diese kleinen Hefte für die Klassenstufen 1-5 sind tatsächlich für Kinder lustig zu bearbeiten. Ziel ist das Lesen von Sätzen zur Bearbeitung von witzigen Aufgaben (Zählen, Suchrätsel, …) um auf spielerische Art das Leseverständnis/Instruktionsverständnis zu trainieren.
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  • Karin Pfeifer: „Lustiges Lesetraining“
    Für jene Schüler, für die die „Lustigen Leserätsel“ entweder zu kindisch oder zu einfach sind. Anspruchsvollere Texte und Geschichten mit Verständnisfragen im Anschluss. Für Schüler, Eltern, schulische Förderung.


Therapieplanung

 

Eine häufig gestellte Frage ist: „Wie lange dauert denn ein Training? Wann passt das denn mit der Rechtschreibleistung endlich?“
Seriöse Antworten werden keine „Das geht sehr schnell“-Versprechungen beinhalten, denn der Erfolg der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Schweregrad der Störung (wie weit ist der Entwicklungsstand des Kindes von den zu erreichenden Klassennormen und –Leistungen entfernt)
  • Mulitmorbidität (wenn gleichzeitig auch andere Probleme wie Aufmerksamkeitsdefizite einwirken)
  • Frequenz der Übungseinheiten zu Hause (Wie oft wird geübt?)
  • Qualität des Co-Therapeuten (= Person, die mit dem Kind regelmäßig die in der Trainingsstunde bearbeiteten Übungen und Prinzipien wiederholt)
  • Mitarbeit und Motivation des Kindes
  • Alter des Kindes
  • Ressourcen des Kindes (wenn zusätzliche Übungen und Hausübungen bereits sehr viel an Energie und Zeit des Kindes beanspruchen, kann eine außerschulische Maßnahme nicht mehr so effizient sein)
  • Kooperation durch die Schule

Alle diese Punkte sind miteinzubeziehen, wenn ein Therapieplan erstellt wird – diese Punkte beeinflussen auch maßgeblich die zu erwartende Dauer und die Art und Frequenz der Therapie.
Gut geplante Therapien geben vorerst einen kurzfristigen Plan vor. Dieser enthält wesentliche Aspekte,  wie –
 
„was ist als allererstes wichtig, wo beginnen wir und wann sollten Veränderungen dieses Bereichs sichtbar sein“?
 
Dieser Plan - im Ausmaß von ca. 15-20 Einheiten - wird auf Erfolg kontrolliert, mit standardisierten Verfahren oder zusätzlich mit qualitativen Überprüfungen des Geübten (siehe Verlaufsdiagnostik).
 
Inhaltlich versucht eine gut geplante Therapie strukturiert aufzubauen – Schritt für Schritt werden für das Lesen und Schreiben wichtige Teilsaspekte erklärt, eingeübt und automatisiert. Erst ein Beherrschen einer Stufe führt zur nächsten.
Für die Erhöhung der Lernmotivation kann es jedoch sinnvoll sein, jene Bereiche in der Therapieplanung vorzureihen, die das Kind besonders belasten (z.B.: die Groß- und Kleinschreibung -  Hat ein Kind den Wunsch, diese endlich zu verstehen und gut zu können, um mit den Klassenkameraden mithalten zu können, wird es vom Therapeuten vorgezogen, obwohl linguistisch andere Themen zu bearbeiten wären. So könnte das Kind erleben, dass zusätzliches Üben zwar energieaufwändig, aber effizient sein kann – die Misserfolgsspirale könnte einen Wendepunkt erhalten!)
 
Dauer
der Therapie:

Letztendlich ist der Abschluss einer Therapie nicht im Vorhinein kalkulierbar, zu viele Einflussfaktoren (siehe oben) sind am Werk! Aus der Erfahrung von Therapien mit Kindern verschiedener Altersgruppen weiß man aber, dass zumindest ein ganzes Jahr notwendig ist, um deutliche Veränderungen zu erzielen. Bei komplexeren Fällen (Multimorbidität, schwerer gradiger Ausprägung der Störung) ist eine Therapiezeit von 2 Jahren auch keine Seltenheit!
 
Abstände zwischen den Therapien:
Grundsätzlich kann gesagt werden, dass am Beginn der Therapie kürzere Abstände (mindestens wöchentlich) sinnvoll sind. Nach einer Verlaufsdiagnostik kann entschieden werden, ob ein Zweiwochenrhythmus geeignet ist. Kriterien dafür sind: positiver Trainingsverlauf, selbständiges Üben des Schülers möglich, Alter (je älter der Schüler desto mehr Selbstverantwortung möglich), Co-Therapeuten.  


Verlaufsdiagnostik

 

Unter diesem Begriff wird eine Überprüfung der Lese- /Rechtschreibleistung nach einem im Vorhinein vereinbarten Zeitraum verstanden. Das Ergebnis dieser Teildiagnostik soll wesentlich für die Entscheidung sein, wie weiter verfahren werden soll, ob die angewendeten Methoden sich bewährt haben, ob die Art der Co-Therapie geeignet ist und ob das Ausmaß der Übungen für einen angemessenen Fortschritt passen – kurz – es soll eine kleine „Bilanz“ gezogen werden.
 
Über das Ergebnis der Verlaufsdiagnostik sollen Eltern und selbstverständlich auch das Kind in Kenntnis gesetzt werden. Optimal ist eine graphische Erklärung, die zeigt, wie sich die Leistung verändert hat. Hierzu sind eine fortwährende Aufzeichnung des Therapeuten sowie die Daten aus standardisierten Verfahren notwendig.
Positive Erfahrungen kann das Kind auch für den schulischen Bereich sammeln, wenn die Verlaufsaufzeichnungen auch der Lehrerin/dem Lehrer gezeigt werden. Dadurch wird ersichtlich, dass sich das Kind zusätzlich zu den schulischen Übungen auch noch in einer Therapie bemüht und dass hier eventuelle Verbesserungen sichtbar werden. Oftmals ist dies eine der wenigen Möglichkeiten, in denen das Kind über Verbesserungen in diesem Bereich berichten kann, weil die „kleinen Verbesserungen“ in der Klasse/der Klassennorm nicht auffallen.
 


Ort

 

Seriöse LRS-Therapie wird nicht in Nachhilfeinstituten angeboten, sinnvoller Weise auch nicht in der Gruppe. LRS-Therapie ist nicht gleich Nachhilfe!
 

Auskunft über Therapieplätze erhalten Sie bei jenen Instituten und Stellen, die auch Diagnostik anbieten. Einige davon bieten auch LRS-Therapie vor Ort an. Andernfalls bekommen Sie hier Auskunft, wo vielleicht in Ihrer Gegend Therapeuten ihre Praxis haben. Lohnenswert ist auch ein Blick auf die Homepage des Berufsverbandes der akademischen LRS-Therapeuten.

 


Therapeut

 

Schließlich ist die Person, die den Schüler und den Co-Therapeuten anleitet selbst ein Wirksamkeitsfaktor.
Folgende Aspekte können von Eltern vor Therapiebeginn hinterfragt werden:
 
„Passt das Temperament des Therapeuten zu dem meines Kindes“
„Welche Ausbildung hat die Person?“
„Kann die Person eine Vernetzungsstelle zur Schule darstellen?“
 
LRS-Therapeut ist kein geschützter Titel, es kann sich also jeder selbst so bezeichnen, auch wenn keine (sinnvollen) Ausbildungen nachgewiesen werden.
LRS-Therapeuten- und Trainer finden sich oft in linguistischen, psychologischen, ärztlichen oder pädagogischen Berufsgruppen und Fachbereichen. Eine einschlägige Aus- oder Weiterbildung im Bereich Legasthenie sollte nachgewiesen werden können – fragen Sie einfach nach!
 
Aufgrund der raschen und fortschreitenden Erkenntnisse der Wissenschaft muss ein Therapeut sich ständig fortbilden um diese Entwicklung wahrzunehmen und das Wissen in der Therapie umsetzen zu können. 


 

Checkliste

Hier können Sie die schon oben erwähnte Checkliste downloaden. (pdf-File, 7 KB) 

Spezielle Tipps für Eltern


Häufig wirken sich Probleme, die durch die Lese-Rechtschreibschwäche entstehen, auch auf die Beziehung zwischen Eltern und betroffenem Kind aus. Die Kinder schämen sich für schlechte Note in Ansagen und versuchen, diese vor den Eltern zu verbergen. Manche Eltern werfen ihrem Kind Faulheit vor und Krisen beim Erledigen der Hausübungen sind vorprogrammiert.
Aus diesen Gründen ist es notwendig, dass Eltern und Kinder über die Diagnose Legasthenie genau aufgeklärt werden und sich so besser auf diese Problematik einstellen können. Für die Eltern ist damit eine große Aufgabe verbunden, denn ihnen kommt eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des legasthenen Kindes zu.

 

 

Dem Kind den Rücken stärken
Die wichtigste Aufgabe der Eltern liegt darin, ihren Kindern den Rücken zu stärken und sie positiv zu unterstützen. Die Eltern sollen Verständnis für schlechte Noten in der Schule zeigen, anstatt das Kind zu bestrafen oder als faul abzustempeln. Für die Kinder ist dieser Rückhalt besonders wichtig, da sie sich selbst meist mehr über schlechte Noten ärgern als die Eltern. Die Eltern sollen in jedem Fall vermeiden, das legasthene Kind wegen der Lese- und Rechtschreibproblematik unter psychischen Druck zu setzen. Vielmehr kann das Kind davon profitieren, wenn es merkt, dass die Eltern über die Gründe für schlechtere Noten Bescheid wissen und sensibel damit umgehen.

 

 

Gemeinsames Lesen
Eine gute Möglichkeit, um das Kind zu fördern, stellt gemeinsames Lesen in der Familie dar. Zwar kann dieses gemeinsame Lesen nicht eine spezifische Lese-Therapie ersetzen, es konnte aber in vielen Studien nachgewiesen werden, dass sich Lesen positiv auf den gesamten Schriftspracherwerb auswirkt.


Es ist aber natürlich, dass gerade leseschwache Kinder wenig Motivation zum Lesen aufbringen können. Deshalb muss besonders darauf geachtet werden, dass Bücher gewählt werden, die für das Kind spannend oder lustig sind. Auch Comics oder Zeitschriften können sich hierzu gut eignen.

 

Es erweist sich oft als hilfreich, wenn die Texte in großer Schrift und mit vergrößertem Abstand zwischen den Zeilen gedruckt sind. Auch Texte mit einer deutlichen Einteilung in verschiedene Absätze fallen den Kindern oft leichter. (Man kann auch Texte kopieren und diese dabei gleichzeitig vergrößern. Oft hilft es zusätzlich, wenn die einzelnen Silben eines Wortes durch Silbenbögen gekennzeichnet werden, die vom Anfang bis zum Ende der Silbe gezogen werden. Diese Aufgabe kann auch gemeinsam mit dem Kind erledigt werden).


Für das gemeinsame Lesen sollten noch ein paar weitere Grundregeln beachtet werden: Es sollte nicht einfach dann durchgeführt werden, wenn ein Elternteil gerade mal Zeit hat, sondern es sollte eine feste Zeit für diese gemeinsame Tätigkeit ausgemacht werden. So können die Kinder erkennen, dass das gemeinsame Lesen auch für Sie als Elternteil selbst eine Verbindlichkeit darstellt und Ihnen wichtig ist.

 

Beim gemeinsamen Lesen können sich Kind und Elternteil abwechseln, z.B. nach jedem Satz, vielleicht aber erst auch nach jedem Absatz oder jeder Seite. Wichtig ist dabei, dass das Kind nicht auf seine Fehler fixiert wird, sondern dass diese eher nebenbei korrigiert werden und das Kind Zeit bekommt, seine Fehler selbst auszubessern. Am Ende sollte mit dem Kind noch über den Inhalt des soeben Gelesenen gesprochen werden. Das Kind soll begreifen, dass das Verstehen des Textes den zentralen Aspekt des Lesens darstellt.


Was dabei natürlich nicht vergessen werden darf: Loben Sie Ihr Kind! Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es zu schätzen wissen, dass das Kind beim gemeinsamen Lesen mitmacht, obwohl ihm das so schwer fällt.  

 

 

Ermutigung zum Schreiben
Sie können Ihr Kind auch unterstützen, indem Sie Situationen schaffen, in denen das Kind ohne Druck Gelegenheit zum Schreiben bekommt. Sie können Ihrem Kind den Einkaufszettel schreiben lassen oder es dazu ermutigen, kleine Notizen oder Briefchen an Verwandte oder Freunde zu schreiben.

 

Sinnvolle Übungen

Wenn Sie etwas gezielter vorgehen wollen, können Sie mit Ihrem Kind gemeinsam eine Rechtschreibkartei anlegen. Das Kind soll dazu schwierige Wörter auf Karteikarten schreiben und diese in einer Karteikartenkasten einordnen. Es kann dabei unterstützend wirken, wenn die verschiedenen Wortarten auch durch verschiedene Farben gekennzeichnet sind und die Hauptwörter gemeinsam mit dem Artikel aufgeschrieben werden. Mit Hilfe dieser Lernwörter-Kartei können die schwierigen Wörter regelmäßig wiederholt werden. Wenn ein Wort fünf Mal hintereinander richtig geschrieben wurde, wird es in der Kartei nach hinten gestellt und somit erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder überprüft. Wird das Wort zu diesem späteren Zeitpunkt falsch geschrieben, kommt es in der Kartei wieder nach vorne, ansonsten bleibt es weiter hinten und wird nur mehr in größeren Zeitabständen überprüft.

 

Vorsicht vor falschen Tipps
Das Üben der Rechtschreibung ist aber schwieriger als häufig angenommen. Eltern müssen gut aufpassen, um keine falschen Tipps zu geben. So ist zum Beispiel der gut gemeinte Ratschlag „Du musst nur genau hinhören“ bei vielen Wörtern nutzlos oder sogar irreführend, da viele Wörter anders geschrieben als gesprochen werden.
Im Grunde kann man auch darüber nachdenken, selbst ein spezifisches Rechtschreib-Training mit dem Kind durchzuführen. Allerdings ist dies aus mehreren Gründen kritisch zu betrachten: Die Eltern sollen nicht zu Therapeuten werden, denn das kann zu einer angespannten familiären Situation führen. Oft fehlt den Eltern auch die nötige Kompetenz, um ein spezifisches Rechtschreib-Programm korrekt durchzuführen.

 

Falls Sie sich trotzdem dazu entscheiden, ein spezifisches Training mit Ihrem Kind durchzuführen, ist es auf jeden Fall sinnvoll, dieses Training von einem professionellen Therapeuten begleiten zu lassen.


 

Technische Hilfsmittel bei Legasthenie

 

Bevor die Frage behandelt wird, ob Legastheniker von technischen Hilfsmitteln profitieren können, ist Grundlegendes zu klären:
Es ist wichtig zu verstehen, dass die angeführten technischen Hilfsmittel nicht dazu helfen können, die Lesefertigkeit bzw. die Rechtschreibfertigkeit an sich zu verbessern. Vielmehr versuchen die angeführten Hilfsmittel, bestehende Defizite zu kompensieren, also das Lesen und Schreiben trotz der eingeschränkten Fähigkeiten zu erleichtern.

 

In diesem Kapitel werden folgende drei Themen angesprochen:

Technische Hilfsmittel zum Lesen


Unter technischen Lesehilfen versteht man Computer-Software, mit Hilfe derer geschriebene Texte vorgelesen werden können. Hier gibt es verschiedene Arten, unter anderem Programme, die den Text am Bildschirm (z.B. im Internet oder in Textverarbeitungsprogrammen) vorlesen können (auf dieser Homepage können Sie ein solches Programm ausprobieren – klicken sie einfach auf den Button „Readspeaker“ [in Vorbereitung].
Es gibt auch Hilfsmittel, mit denen gedruckter Text vorgelesen werden kann. Wenn gedruckter Text vorgelesen werden soll, müssen die betreffenden Seiten zuerst in den Computer eingescannt werden und können dann bearbeitet werden. Es gibt auch tragbare Hilfsmittel, die man direkt über Buchseiten ziehen kann, wobei dann einzelne Wörter vorgelesen werden (die sogenannte Reading Pen). Die Reading Pen erfasst mit dem Scanner an der Spitze gedruckte Wörter, welche dann entweder über Lautsprecher oder über Kopfhörer vorgelesen werden können.


Im Allgemeinen ist zu solchen Hilfsmitteln zu sagen, dass sie in bestimmten Fällen dazu beitragen können, den Inhalt besser erfassen zu können, vor allem von Personen mit gut entwickelten sprachlichen Fähigkeiten. Es muss jedoch immer beachtet werden, dass das Zuhören zu einem vorgelesen Text nicht automatisch bedeutet, dass dieser auch verstanden wird. Um die Reading Pen effektiv einsetzen zu können, ist zusätzlich viel Übung erforderlich, damit der Stift (mit dem eingebauten Scanner) auch so gleichmäßig bewegt werden kann, dass die gedruckten Wörter tatsächlich erfasst werden können.


Diese hier nur kurz erwähnten technischen Lesehilfen stehen noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung und bisher gibt es nur wenige Belege über ihre Wirksamkeit. Einige Personen mit Beeinträchtigungen im Lesen werden aber von solchen „Werkzeugen“ profitieren können .

 


Technische Hilfsmittel zum Schreiben


Technische Hilfsmittel für das Schreiben sind mittlerweile sehr verbreitet. Beinahe jedes gängige Textverarbeitungsprogramm verfügt über Korrekturprogramme, die dabei helfen, falsch geschriebene Wörter auszubessern. Diese Programme werden heute von allen Personen verwendet, aber gerade für Personen mit Rechtschreibschwäche sind sie besonders hilfreich. Studien haben gezeigt, dass Personen mit Schwierigkeiten in der Rechtschreibung eine positive Einstellung gegenüber solchen Programmen haben, entspannter schreiben können und stolz auf ihre fertig gestellten Dokumente sind (Cochran-Smith 1991). Das wichtigste Nebenresultat ist, dass sich dadurch die Einstellung zum Schreiben verbessern kann und dass das Schreiben nicht mehr ausschließlich als Belastung sondern auch als normales Kommunikationsmittel angesehen wird. 


Personen mit Rechtschreibschwäche können bei Verwendung von Korrektur-Programmen  durchschnittlich 63 % ihrer Fehler entdecken, im Gegensatz zu 28 % entdeckten Fehler ohne Programm (MacArthur et al. 1996). Jedoch bleiben immer noch einige Fehler übrig, was bedeutet, dass zusätzliche Kontrollstrategien eingesetzt werden sollten. Für Personen, denen das Tippen auf der Tastatur erhebliche Schwierigkeiten bereitet, können auch Programme eingesetzt werden, die Wörter automatisch vervollständigen.


Personen mit sehr schweren Beeinträchtigungen im Rechtschreiben können auch Spracherkennungsprogramme benutzen, die gesprochene Texte automatisiert niederschreiben. Eine weitere Studie (MacArthur & Cavalier 1999) konnte zeigen, dass mit solchen Programmen bis zu 95 % Genauigkeit erreicht werden kann, wenn das Diktieren vorher entsprechend geübt wird. Allerdings bestehen bei verschiedenen Programmen deutliche Qualitätsunterschiede.


Auch für die technischen Hilfen zum Schreiben gilt: Einige der Technologien stehen noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung und müssen erst noch verbessert werden. Trotzdem können Personen mit Rechtschreibschwäche schon jetzt von einigen von diesen Hilfsmitteln profitieren.

 


Optische Hilfen


Bei der sogenannten Irlen-Therapie werden Farbfolien und farbige Brillengläser verwendet, da dadurch das Lesen erleichtert werden soll. Diese Methode hat vor allem in den USA, England und in Australien Verbreitung gefunden, aber auch in Kontinental-Europa gibt es immer mehr Irlen-Institute, die sich auf diese Therapie-Methode spezialisiert haben.
Es gibt allerdings keine sicheren wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit dieser Therapie (von Suchodoletz 2001). Nach Einschätzung des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands sowie mehrerer amerikanischer Fachgesellschaften kann die Irlen-Methode nicht als wirksame therapeutische Maßnahme betrachtet werden.


Von einigen Optikern wird für Kinder mit LRS das Tragen von Rasterbrillen empfohlen. Diese Brillen sind von einer dunklen Fläche überzogen, in die im Abstand von drei Millimetern kleine Löcher eingestanzt sind. Dadurch sollen Augenbewegungen trainiert werden und eine Verbesserung des Lesens soll sich einstellen.
Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit einer solchen Methode (von Suchodoletz 2001). Vielmehr warnt der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands vor diesen Rasterbrillen, da sie schädliche Wirkungen haben können.


Es gibt die Behauptung, dass ein latentes Schielen, auch wenn dieses nur minimal ist, die Ursache für Lese-Rechtschreibschwierigkeiten darstellen würden. Als Behandlung werden häufig Prismenbrillen empfohlen, wodurch Objekte an anderen Stellen auf der Netzhaut abgebildet werden.
Auch für diese Therapieform gibt es keine wissenschaftlich belegten Wirksamkeitsnachweise. Vielmehr wird von den Augenärzten Deutschlands davor gewarnt, Prismenbrillen zur Behandlung von Lese-Rechtschreibschwäche einzusetzen. Diese können auch zu einer Verschlechterung der Schiel-Problematik führen (Schäfer 1998), so dass schließlich eine Schieloperation als letzter Ausweg bleibt.

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