Wir Barmherzige Brüder legen nicht nur die klassischen drei
Mönchsgelübde - ehelose Keuschheit, Armut und Gehorsam - ab, sondern
auch ein viertes Gelübde, das der Hospitalität. Hospitalität lässt
sich, einfach ausgedrückt, mit dem Wort Gastfreundschaft übersetzen.
Man muss dieses Wort Gastfreundschaft jedoch biblisch interpretieren,
um zu verstehen, was Hospitalität im Geist der Tradition des heiligen
Johannes von Gott bedeutet.

Die Konstitutionen des Ordens der Barmherzigen Brüder sehen den
Ursprung dieses Gelübdes im Leben Jesu selber, der, vom Geist gesalbt
und gesandt, den Armen die Frohe Botschaft brachte und die Kranken
heilte (vgl. Lukas 4,18-19).
Die Konsequenz der gelobten Hospitalität
wird von den Konstitutionen mit drei knappen Sätzen umschrieben: sich
für die Rechte der Person einzusetzen und über sie zu wachen; der
Mensch hat das Recht, geboren zu werden und menschenwürdig zu leben; er
hat den Anspruch auf Pflege in seiner Krankheit und das Recht, in Würde
zu sterben.
Diese sehr knappen Aussagen müssen auf den jeweiligen Zweck
der Einrichtung hin interpretiert werden. Das geschieht zum Beispiel
durch die Leitbilder oder auch durch die Charta der Hospitalität. Maßstab für diese Interpretation
ist das Leben des Ordensgründers des heiligen Johannes von Gott.
Aus unserer Charta der Hospitalität:
Das Handeln des Johannes von Gott für die Armen und Kranken
überraschte und machte betroffen, wirkte aber zugleich wie ein
Lichtstrahl, der neue Wege zur Betreuung und zum humanen Umgang mit
ihnen wies. Er hat praktisch aus dem Nichts ein alternatives Modell
geschaffen, wie man Bürger, Christ und dem Schwächsten Bruder sein
kann. Diese prophetische Hospitalität hat wie ein Sauerteig im
Gesundheitsdienst und in der Kirche gewirkt. Das Modell des heiligen
Johannes von Gott hat auch als kritisches Gewissen gewirkt und neue
Wege für Hilfsinitiativen zum Wohle der Armen und Randgruppen
gewiesen.
Vergleiche auch den Artikel
"Hospitalität – Die Mitte unserer Spiritualität"