Gehorsam ist neben Armut, Ehelosigkeit und Hospitalität eines der vier
Gelübde, welches die Barmherzigen Brüder ablegen.
Mit unserem Eintritt bei
den Barmherzigen Brüdern entscheiden wir uns, Teil der Gemeinschaft zu
werden. Damit ordnen wir uns auch den Entscheidungen des Ordens unter.
Es ist ja letzten Endes wieder im Sinne des Einzelnen, dass
Entscheidungen im Interesse der Gemeinschaft und durch sie getroffen
werden. Deshalb hat dieser Gehorsam auch nichts mit Unterdrückung oder
Entmündigung zu tun. Vielmehr mit Verständnis füreinander und mit
Vertrauen zueinander.
Aus unseren Ordenskonstitutionen:
16. Unser Gehorsam gründet in unserem Willen, Christus, der durch
seinen Gehorsam die Erlösung vollbracht hat, gleich zu werden: Er kam
in die Welt, um den Willen des Vaters zu tun und erfüllte ihn im Dienst
an den Menschen. Er fügte sich ohne Vorbehalt in die göttlichen
Heilspläne ein und hat, „obwohl er der Sohn war, durch Leiden den
Gehorsam gelernt“ bis hin zum Tod.
Durch den Gehorsam bringen wir unseren ganzen Willen, als Opfer unserer
selbst, Gott dar. So vereinigen wir uns noch inniger mit dem
Heilswillen Gottes, der sich uns durch sein Wort, das Lehramt der
Kirche, die Regel, die Konstitutionen, das Eigenrecht des Ordens, die
Weisungen der Oberen, den Gedankenaustausch mit den Mitbrüdern und die
Deutung der Zeichen der Zeit kundtut.
So verkünden wir die Freiheit, die Christus uns erworben hat und zu der
wir berufen sind. Sie macht uns fähig, im Dienst anderer zu leben. Mit
ihr überwinden wir eine sklavische Unterwürfigkeit , ein falsches
Autoritätsdenken , den Egoismus, den Mangel an Gemeinschaftsgeist und
alle Situationen, in denen die Würde des Menschen beschnitten wird.
17. Unser Gehorsam ist ein persönliches Tun, das im Glauben und in der
Liebe verwurzelt ist. Solches Tun führt uns zur Freiheit der Kinder
Gottes und fördert unser ganzheitliches Reifen. Denn die
Autorität und der Gehorsam stehen im Dienst der Person, der
Gemeinschaft und der Sendung.
Unseren Gehorsam üben wir vor allem in der Treue zu unserem Charisma
und beim ehrlichen und gemeinschaftlichen Fragen und Suchen nach dem,
was Gott mit unserem Orden, unseren Gemeinschaften und jedem Mitbruder
vorhat. Aus unserer Verfügbarkeit wächst der Geist, der uns frei
erhält, um bereitwillig auf die Nöte des leidenden Menschen zuzugehen.
Ihm zu dienen, weihen wir unser Leben. Deshalb lassen wir uns überall
hinschicken und erfüllen die Aufgaben, die der Orden uns anvertraut.
18. Mit dem Gelübde des Gehorsams nehmen wir frei und bedingungslos den
Willen Gottes mit uns an. Wir verpflichten uns, zu erfüllen, was die
rechtmäßigen Oberen in Übereinstimmung mit den Konstitutionen des
Ordens anordnen.
Mit unserem Charisma und Apostolat nehmen wir in besonderer Weise am
Leben und an der Sendung der Kirche teil. Deshalb gehorchen wir dem
Papst, unserem höchsten oberen, auch kraft des Gehorsamsgelübdes. Er
steht der universalen Gemeinschaft der Liebe vor. Darum verbinden uns
die Liebe und der Gehorsam zu ihm ganz besonders mit dem Geheimnis der
Kirche.
Unsere Gegenwart in der Ort Kirche verlangt von uns, die Weisungen und Anordnungen der Bischöfe getreu zu befolgen.
Die Mitbrüder, die den Leitungsdienst versehen, geben nach dem Beispiel
Jesu unserem persönlichen und gemeinschaftlichen Wachstum Impulse
und helfen uns, den Willen Gottes zu erkennen; sie garantieren durch
die Treue zum Charisma die Einheit in der Vielfalt; sie fördern den
aktiven und verantwortungsbewussten Gehorsam; sie treffen, wenn
Umstände es fordern, die notwendigen Entscheidungen.
19. Vom Glauben erleuchtet und gestärkt, lässt uns der Gehorsam auf dem
Weg des offenen und brüderlichen Gedankenaustausches die apostolischen
Charismen der Gemeinschaft und ihrer Glieder erkennen. Mit diesen
Gnadengaben hilft der Heilige Geist dem Orden in der Erfüllung seines
Sendungsauftrages.
Dieses vom Dialog und gegenseitigem Verständnis geprägte Klima weckt
den Sinn der Mitverantwortung, die zur Einheit im Dienst an Gott und an
unseren armen und kranken Brüdern führt.