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Julián Sapiña Marin OH

Bruder
Spanien

Als ich darüber nachdachte, wie ich mein Zeugnis wohl am besten schreiben kann, wurde mir klar, dass ich es aus verschiedenen Blickwinkeln tun könnte: mit den Augen meiner Kindheit, meiner Jugend in Spanien, der Jahre in Afrika, der Zeit in Spanien... In all diesen Phasen meines Lebens gab es Momente einer Hospitalität, die ich in und aus der Freude einer Berufung lebte, von der man weiß, dass der Herr sie geschenkt hat.

 

Ich weiß nicht, wann meine Berufung begonnen hat. Ich sage immer, ich habe sie mit meiner „Muttermilch“ empfangen. Obwohl es Momente in meinem Leben gab, die schwer waren, bin ich mir sicher: Wenn ich noch einmal zur Welt kommen würde, würde ich wieder Barmherziger Bruder werden.

 

Nach 42 Jahren Ordensleben gibt es viel zu erzählen: aus dem Alltag mit den Kranken, mit meinen Mitbrüdern, mit den jungen Brüdern in der Ausbildung und jetzt an der Seite der alten und pflegebedürftigen Brüder, die uns mit ihrem Beispiel in der Berufung und im Charisma der Hospitalität vorangegangen sind...

 

Es gibt jedoch ein persönliches Erlebnis, das mich ganz besonders nahe zu Gott hingeführt und mich in meiner Berufung als Barmherziger Bruder bestärkt hat: Vor etwas mehr als zwei Jahren, in einer Zeit, in der ich rundum glücklich und zufrieden war, wurde ich plötzlich krank. Ich wechselte also die Seiten: Aus dem Krankenpfleger wurde ein Patienten. So erlebte ich zum ersten Mal, wie etwas nicht an jemand anderem diagnostiziert wurde, sondern an mir selber. Und die Diagnose war alles andere als gut: ein bösartiger Tumor, inoperabel.

 

Trotzdem war ich nie ruhiger in meinem Leben als in dem Augenblick, in dem man mir den Befund mitteilte. Ich war selbst verblüfft über die Gelassenheit, mit der ich mich in den Willen Gottes fügte. Meine Ruhe verdankte ich nicht rein menschlicher Kraft. Ich fühlte vielmehr, dass Gott an meiner Seite stand und zu mir sagte: „Lass dich nicht unterkriegen! Hab Vertrauen!“

 

Bis heute begleitet mich das Gefühl, dass Gott uns die notwendige Kraft schenkt, um anderen zu helfen, aber auch, um mit unseren eigenen Schwierigkeiten fertig zu werden.

 

Ich weiß nicht, was der Herr für mich noch bereit hält. Ich weiß nur, dass ich weiter auf dem Weg weitergehen will, den er mir zeigt. Ich vertraue mich ganz seinen Händen an, damit er mich wie ein Töpfer zu seinem Gefäß formt. Ich will weiterhin sein Zeuge sein unter den Kranken und meinen Mitbrüdern. Ich will weiterhin unsere alten Brüder pflegen, die sich im Dienst der Hospitalität aufgeopfert haben. Ihnen verdanken wir, dass wir heute dort stehen, wo wir sind, und von ihnen haben wir das Vermächtnis des heiligen Johannes von Gott empfangen.

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