Persönlicher Rückblick von Generaloberin Sr. Consolata Hassler

anlässlich des 300 Jahr Jubiläum (1710 - 2010)
 
Seit 1985 steht Schwester Consolata Hassler, gebürtig aus St. Veit an der Glan, dem Konvent der Klagenfurter Elisabethinen als Generaloberin vor. Lesen Sie im Folgenden das sehr persönliche Gespräch, das Karl Heinz Frankl mit der Führungspersönlichkeit des Klagenfurter Frauenordens führen durfte.
 
Mutter Consolata, das Entscheidende in einem Ordensleben sind die Gelübde. Wann haben Sie Ihre Profess abgelegt?
Ich habe am 9. Mai 1964 die ersten Gelübde abgelegt, nachdem ich am 20. Juni 1962 nach der Matura eingetreten bin. Ein Jahr Noviziat, und dann die Gelübde. Damals dauerte das Noviziat noch ein Jahr, heute sind es zwei Jahre.
 
Welche Ämter im Kloster und welche beruflichen Tätigkeiten haben Sie ausgeübt?
Während der Noviziatszeit wurde ich in allen Klosterbereichen eingesetzt, im Pflegedienst, in der Wäscherei, auch in der Kanzlei, im Garten, in der Sakristei, um mir ein Bild vom Orden machen zu können. Nach der Profess habe ich zunächst in der Patientenaufnahme, und anschließend in der Patienten-verrechnung gearbeitet. Von 1967 an war ich in der Lohnbuchhaltung des Krankenhauses tätig, am 29. Juni 1985 bin ich dann zur Oberin des Klosters gewählt worden.
 
Was bedeutet das Jubiläum des 300jährigen Bestandes des Klosters der Elisbethinen in Klagenfurt für Sie persönlich?
Ich freue mich, dass unser Orden in unserem Land 300 Jahre lang den kranken und hilfsbedürftigen Menschen beistehen durfte.
 
Warum sind Sie Ordensfrau geworden?
Nachdem ich mit circa 16 Jahren begonnen hatte, mich intensiver mit meinem Glauben zu beschäftigen, stellten sich bald Klostergedanken ein. Ganz für Gott da zu sein, das erschien mir als ein erstrebenswertes Ziel.
 
Was bewog Sie, in den Orden der Klagenfurter Elisbethinen einzutreten?
Der Orden der Elisbethinen sucht einerseits, die Leiden der Mitmenschen zu lindern, hat aber auch eine kontemplative Seite, wie etwa Klausur, Zeiten der Stille und gemeinsam gesungenes Chorgebet. Diese Kombination hat mich angeregt, hier in Klagenfurt einzutreten.
 
Worin sehen Sie das Besondere am Elisbethinenorden?
Das Elisabethinenkloster zu Klagenfurt ist ein Generalat. D.h. es hängt von keinem höheren Oberen ab, der einzige Vorgesetzte ist der Diözesanbischof.
Das bedeutet, dass die Schwestern nicht von einem in ein anderes Kloster versetzt werden können. Dadurch kann das klösterliche Leben besonders familiär gestaltet werden.
Ich denke dabei an die Namenstagsfeste, an die Erholungsstunden und Ähnliches. Dadurch wird auch eine intensivere Beziehung zu den Patienten geschaffen. Die meisten Krankenpflegeorden haben ihr Generalat in Rom, die Schwestern werden versetzt. Ich bin hier eingetreten, da ich nicht versetzt werden wollte. Mir ging es darum, etwas für die Menschen tun zu können und auch darum, dem Hang zur Einsamkeit etwas nachzugeben.
Die franziskanische Richtung ist im Elisabethinenorden erst später aktiver geworden. Bei meinem Eintritt vor über vierzig Jahren war noch nicht viel Rede vom heiligen Franziskus, da ist noch die heilige Elisabeth im Mittelpunkt gestanden. Erst in den letzen Jahrzehnten ist der heilige Franziskus wichtig geworden. Im Eingangsbereich des Spitals ist er auf einem großen Glasgemälde dargestellt.
 
Würdige Mutter, wie sieht denn Ihr typischer Tagesablauf an einem Wochentag aus?
Der Klosteralltag ist ein geregelter Alltag. Er ist ein Tag, der eingeteilt ist, und der es ermöglicht, Ordnung in sein eigenes, persönliches Leben zu bringen. Die Grundstruktur ist vorgegeben durch das Chorgebet, die heilige Messe, die Erholungsstunden usw.
 
Welche Klosterämter üben Sie aus?
Als Oberin des Konventes bin ich zuständig für das Wohlergehen der Schwestern, besonders der kranken Mitschwestern. Als Rechtsträger des Krankenhauses muss ich Besprechungen mit dem Geschäftsführer über die Weiterentwicklung des Krankenhauses führen und die Kontakte mit den Mitarbeitern pflegen. Als Organistin bin ich für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Kapelle des Konventes und in der Elisabethinenkirche verantwortlich.
 
Wo sehen Sie die großen Veränderungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil?
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich manches geändert durch Anpassung, ohne dass der Geist des Ordens verändert wurde: Unter "Armut" wird die Freiheit von egoistischen Interessen an unnötigen, überflüssigen Dingen verstanden. Berechtigte Ansprüche bei der Arbeit und im Alltagsleben (Erholung, ordentliche Kleidung usw.) werden selbstverständlich erfüllt. "Gottgeweihte Ehelosigkeit" bedeutet den Einsatz aller Kräfte für den Aufbau des Reiches Gottes mit freudigem Herzen. "Gehorsam" schließlich meint und verlangt engagiertes Mitdenken aller Schwestern im Einvernehmen mit der Oberin.
Die Vorschriften über die Klausur wurden angepasst, auch in Zusammenhang mit der Krankenpflege. Beispielweise durften die Schwestern früher das Kloster nur zu zweit verlassen. Es wird jetzt auch gewünscht, dass die Schwestern an geistlichen Veranstaltungen außerhalb des Klosters teilnehmen, etwa an Wallfahrten oder an Festgottesdienten.
An der Berufstätigkeit der Schwestern hat sich grundsätzlich nicht viel geändert. Nach wie vor steht die Betreuung kranker Menschen im Mittelpunkt der klösterlichen Aufgaben. Die Beziehungen zu den Mitschwestern wurden herzlicher, weniger zurückhaltend und offener. Wenn es gewünscht ist, wird gegenseitig geduzt. Die Haltung zwischen den Mitschwestern und der Oberin ist weniger förmlich, auftretende Probleme werden vertrauensvoll miteinander besprochen. Es wurde viel an Form abgebaut, die nicht notwendig war.
Die klösterliche Atmosphäre insgesamt wurde offener, herzlicher. Heute versuchen die Schwestern, einander zu verstehen, bei Notwendigkeit zu helfen, und auch, einander Freude zu bereiten. Das Zusammenleben von Schwestern mit slowenischer und deutscher Muttersprache funktioniert ohne Schwierigkeiten; ein Sprachproblem existiert in unserem Konvent nicht.
Nach längeren Überlegungen wurde die Ordenstracht nicht gravierend verändert, allerdings wurde sie für die Hygienevorschriften der heutigen Zeit angepasst. Bei neu eintretenden Schwestern kann die Ordenskleidung weitgehend modifiziert werden. Die Schwestern sollen jedoch als Ordensfrauen erkennbar sein.
Urlaub ist kein Fremdwort für die Elisbethinen von Klagenfurt: Der normale Urlaub beträgt vier Wochen sowie zusätzlich 14 Tage Heimaturlaub. Bei Notwendigkeit oder Dringlichkeit kann dieser Zeitraum beliebig erweitert werden. Kuraufenthalte der Schwestern werden nicht auf den Urlaub angerechnet.
Besuche von Familienangehörigen beziehungsweise Freundinnen und Freunden sind jederzeit im Kloster möglich, wenn nicht gerade Exerzitien gehalten werden. Es gibt auch ein Gästehaus mit kleinen Garconnieren zur Übernachtung. Außerdem kann jede Schwester 14 Tage pro Jahr bei Verwandten, eventuell auch guten Bekannten als Heimaturlaub verbringen. Der Urlaub sollte in einem klösterlichen Haus erfolgen.
Außer den dreimal in der Woche stattfindenden "Rekreationen", der Erholungsstunde, an denen wenn möglich alle Schwestern teilnehmen und bei denen gegenseitiger Austausch stattfindet und aktuelle Themen besprochen werden, besteht auch die Möglichkeit, sich bei freier Zeit im Fernsehraum etwas Passendes anzusehen oder sich im Klostergarten zu erholen.
 
Was ist Ihnen, würdige Mutter, im Rückblick auf die letzten 25 Jahre besonders wichtig?
Im Konvent hat sich das geistliche Leben der Schwestern trotz äußerer Schwierigkeiten immer mehr vertieft. Obwohl viele Schwestern bereits in einem höheren Lebensalter stehen, ist die Atmosphäre im Konvent ausgeglichen und voll heiterer Gelassenheit. Wir tun das Unsrige und überlassen die Zukunft der Vorsehung Gottes. Nicht ohne Schwierigkeiten erfolgte die Öffnung der Pflege auch für weltliches Personal. Auch dadurch hat sich unser Spital zu einem gut geführten und gerne aufgesuchten Krankenhaus entwickelt, das seine spirituelle Ausrichtung bewahrt hat. Unser Spital wird den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht, hat einige Schwerpunkte und erzielt durch die Kooperation mit dem Orden der Barmherzigen Brüder viele Synergie-Effekte. Trotz der veränderten Zeitumstände erfüllt das Elisabethinen_Krankenhaus die Anforderung, ein geistliches Krankenhaus mit "Mehrwert" zu sein.
Der Konvent der Elisabethinen blickt mit Zuversicht in die Zukunft, denn er hat in der wechselvollen Geschichte während dreier Jahrhunderte erfahren, dass Gott, dessen Wege wir nicht kennen, treu ist, und dass er das Vertrauen, das man in ihn setzt, nicht enttäuscht.
Konvent der Elisabethinen Klagenfurt
Völkermarkter Straße 15
9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: 0043 463 5830-0
Fax: 0043 463 5830-159

KONVENT

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9020 Klagenfurt

 

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