Donnerstag 15. November 2018

Die Entwicklungen von 1900 bis 1950

 

 

 

Der Erste Weltkrieg stellt eine schmerzliche Zäsur in der Entwicklung der Grazer Provinz dar. Die Abtrennung der Gebiete, die zum neuen SHS-Staat (später Jugoslawien) kommen, bewirken einen gewaltigen Aderlass.

 

Einer von vielen Gönnern und Förderern in dieser Periode ist der steirische Dichter Peter Rosegger (1843 – 1918). Er setzt sich mit seiner Reputation beim Hofstaat dafür ein, den Plan einer großen Krankenanstalt und eines Feldlazaretts in der Nähe von Graz umzusetzen.

 

Er schreibt unter anderem: „ …Und neuerdings besteht eine einzigartige Absicht der Barmherzigen Brüder, die einem das Herz höher schlagen macht. Das Kloster will in der Nähe von Graz eine große, moderne Heilanstalt gründen, für das allgemeine ärmere Volk, besonders aber auch für unsere Soldaten, die verwundet oder sonst krank aus dem Felde zurückkehren. …“

 

Die steigende Zahl der Verwundeten und die sinkende Zahl der Patres (sie sinkt in der Zwischenkriegszeit auf etwa 40) und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten stellen eine enorme Herausforderung dar.

 

Die Aufnahme von Laien (Reinigungspersonal, Bäcker, Schneider, aber bereits auch Pflegepersonal usw.) erweist sich als dringend notwendig. Haussammlungen, wöchentliche Brotsammlungen und viele andere soziale Aktivitäten helfen über die bitteren Zwanzigerjahre hinweg.

 

Ein Indiz für die langsame Konsolidierung der wirtschaftlichen Situation der Grazer Provinz ist 1925 die Errichtung eines Krankenhauses mit Männer- und Frauenabteilung (bis 1938 wurden nur männliche Patienten aufgenommen) im Kurort Kreckelmoos bei Reutte am Lech mit 60 Krankenbetten.

 

Ein weiterer Einschnitt folgt: Während der Zeit des Nationalsozialismus versuchen die Machthaber, den Konvent genauso wie den Gesamtstaat Österreich zu liquidieren. Das Krankenhaus wird unter eine Treuhandverwaltung gestellt, was allerdings noch nicht den Verlust des Ordenshauses bedeutet. Bald aber werden die Brüder zur Wehrmacht eingezogen. Anfang Jänner 1940 werden die Hospitäler enteignet und die verbliebenen Brüder vertrieben; exiliert leben sie in Wien, Bayern und Schlesien.

 

Nur Pater Anton Pichler kann in dem in ein Lazarett umgewandelten Grazer Spital bleiben und Kontakt mit den ausgewiesenen Brüdern halten. Nur etwa die Hälfte der Patres überlebt den Zweiten Weltkrieg, viele verlieren ihr Leben an der Front bzw. durch Bombenangriffe an ihren Exilorten. Bruder Adalbert Stikar kam am 14. 11. 1942 im Vernichtungslager Auschwitz ums Leben.

 

Gegen Kriegsende wird das Grazer Spital in das Stift Admont verlegt. Damit ist dieses obersteirische Stift Ausgangspunkt des Wiederbeginns des Ordenshauses und des Spitals in Graz Annenstraße. Die Besatzer lassen das gesamte Areal in einem desolaten Zustand zurück, das Krankenhaus ist geplündert worden, die Gebäude weisen durch die Luftangriffe schwere Schäden auf.

 

Die Aufbruchsstimmung unter den Barmherzigen Brüdern ist aber gewaltig, und schon 1946 versehen 20 Fratres an den neu eingerichteten 50 Patientenbetten ihren Dienst an der Nächstenliebe. Die erstmals 1933 eingesetzten geistlichen Schwestern sind wieder vor Ort und betreuen eine eigene Frauenabteilung.

 

Allerdings beschließt die Generalkurie 1947 die Zusammenlegung der beiden österreichischen Ordensprovinzen, und der verdiente Provinzial Pater Leonhard Schweiger tritt zurück, weil die Grazer Reformprovinz in die Wiener Provinz einverleibt wird, die unter der Leitung von Pater Alanus Neulinger stand.

 

Postkartenansicht

Postkartenansicht des Krankenhauses um 1938

 

Darstellung:
https://www.barmherzige-brueder.at/