William E. A. Ekerum

Mitarbeiter
Afrika

Ebola ist kein Freund. Es ist eine Tragödie, die ich niemals werde vergessen können und an die ich mich nicht erinnern möchte, doch ich kann nicht anders! Ebola hat meine Brüder und Schwestern hinweggerafft und ebenso viele meiner Freunde.

 

An jenem schicksalsschweren Tag, dem 20. Juli 2014, stattete ich einen Besuch im St. Joseph’s Catholic Hospital in Monrovia, Liberia ab, ich wollte zur Sonntagsmesse. Da erfuhr ich, dass Frater Patrick Nshamdze erkrankt war. Dr. Senga Raphael war sein Arzt und Schwester Chantal seine besondere Pflegerin. Sie waren unnachgiebig: KEINE BESUCHE - das war der Hinweis, der jeden an der Tür seines Zimmers in der Kommunität empfing. Ich sprach aus der Entfernung mit ihm.

 

Am 27. Juli kam ich erneut zur Messe, doch ich erfuhr, dass Frater Patrick ins Krankenhaus eingeliefert worden war und wegen Malaria behandelt wurde. Es wurde allzu viel Zeit verloren, denn es waren schon 15 Tage vergangen, doch die Malariasymptome waren nicht zurückgegangen. Erst dann kam der Verdacht auf, es könne eine Ebola-Infizierung vorliegen. Unglücklicherweise hatten in der Zwischenzeit viele Menschen fast direkten Kontakt mit ihm, obwohl noch keine Untersuchung auf Ebola durchgeführt worden war.

 

Angeregt durch meinen vom hl. Johannes von Gott charismatisch bedingten Pflegeinstinkt, verbrachte ich fast den ganzen Tag mit ihm und bemühte mich, ihm alle erforderliche Hilfe und Unterstützung zu geben - ständig geschützt durch Gummihandschuhe. Es war schon fast 7 Uhr abends, als Schwester Chantal mich anrief: „Hallo William, mein Bruder“, sagte sie, „bade Bruder Patrick doch, es ist fast Gebetszeit und es wird noch eine Weile dauern, bis ich dort sein kann.“ Gerne tat ich, um was Schwester Chantal mich gebeten hatte. Dann ging ich heim. Zirka 73 Stunden später erfuhr ich, dass der Befund Ebola-positiv war. Ich begann zu zittern, denn ich wusste nicht, wie es mir ergehen würde, vor allem als Frater Patrick knapp fünf Tage später starb.

 

Auf den Wunsch von Frater George packte ich meine wenigen Sachen und zog ins Haus der Brüder; mit der Genehmigung von Pater Miguel half ich den Brüdern und Schwestern, die auch schon die ersten Zeichen und Symptome des Virus aufwiesen. Ich blieb zwei Nächte, dann ging ich zurück in mein Haus und besuchte sie nur tagsüber. In dieser gespannten Atmosphäre wurden wir alle, drei Tage nach Frater Patricks Tod, auf das Virus getestet. Bei Fr. Miguel und Schwester Chantal war der Befund positiv. Es wurde alles vorbereitet, um den Pater nach Spanien zu evakuieren, Schwester Chantal dagegen wurde ins Ebola Treatment Centre (ETC) gebracht. Zwei Tage später wurden neue Befunde bekannt: Frater George und andere waren positiv.

 

Es war die schrecklichste Zeit meines Lebens. Ich erlebte, wie Schwester Chantal noch in der gleichen Nacht starb. Frater George wurde in das ETC eingeliefert, ich sah den Tod in seinen Augen und 48 Stunden später starb er in diesem Zentrum. Einige Laienmitarbeiter, die ebenfalls einen positiven Befund hatten, wurden in einem Zustand wie der von Frater George ebenfalls in das Zentrum eingeliefert: Mein Herz war von Trauer erfüllt, denn ich spürte den Hauch des Todes. Ich konnte nicht anders als mit Schmerz erfülltem Herzen weinen: so viele wunderbare Menschen starben vor meinen Augen. Was konnte ich Hilfloser tun? Nichts!

 

Dann musste ich in Quarantäne: das liberianische Gesundheitsministerium schickte einen Beauftragten, der mich täglich kontrollierte, ich bekam Essen aufs Zimmer gebracht; andere Einwohner verließen vorübergehend das Haus, die Leute in meiner Gemeinschaft sahen mich an, als wäre ich ein wandelnder Leichnam. Der Gedanke an den Tod hat mich nie verlassen. Die einzigen Telefonate die ich machte, waren Bitten um Gebete; die wenigen, die ich erhielt, waren Ermutigung und Gebet. Ich muss zugeben, 21 Tage lang habe ich gelitten: ich durfte niemanden besuchen und nicht besucht werden: Was für ein Schmerz! Dem Herrn sei Dank, denn ich habe das alles überwunden und habe in mir den Frieden wiedergefunden.

 

Euch allen meinen Dank für die Gebete und die Unterstützung.

 

Das Ebola-Virus ist kein Freund und eine Ebola-Infizierung sollte man auch dem ärgsten Feind nicht wünschen. Es hat Familien zerstört, geliebte Menschen, Ärzte, Beamte, Kinder, Geistliche und Frauen getötet. Es ist gnadenlos.

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