Flavien Ruthmann OH

Flavien Ruthmann OH

Bruder
Frankreich

Meine Schwächen zu akzeptieren bedeutet, das Wagnis der Hospitalität einzugehen!

60 Jahre im Dienst der Hospitalität! 60 Jahre, in denen ich das Wagnis eingegangen bin, Christus mit der Fragilität meines Lebens nachzufolgen. 60 Jahre, in denen der hl. Johannes von Gott mein Vorbild war ...

 

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Ja. Mir scheint fast, es wäre gestern gewesen. Ich habe darüber meditiert und bin zum Schluss gekommen, dass Ja zu sagen bedeutet, den Mut zu haben, unsere Menschlichkeit in Fülle zu leben – nicht nur unseren Schwächen zum Trotz, sondern gerade auch durch sie.

 

Wahrscheinlich hat es in meiner Kindheit ein Ereignis gegeben, das meinen Entschluss, im Dienst der Armen leben zu wollen, genährt hat. War es die Rührung angesichts dessen, was einem Verwandten widerfuhr? War es ein Lebensbericht aus meiner Familie, vielleicht von einem Geistlichen? War ich von einem besonders markanten Gesicht beeindruckt worden, oder war es das Gefühl der Empörung angesichts von Situationen, die ich unakzeptabel fand, weil die Würde des Menschen auf dem Spiel stand? Ich kann es nicht sagen. Jedenfalls verlangt eine solche Empörung gegenüber den Schwierigkeiten anderer Menschen vor allem, dass man sich den Betroffenen zugewandt hat.

 

Auf den Hilferuf des Schwächeren zu antworten, ihm zur Seite zu stehen, setzt voraus, dass uns Gottes Gnade zuteil geworden ist. Dazu gehört aber auch, dass der Kranke oder Arme uns berührt.

 

Die Lehre des barmherzigen Samariters ist interessant: Man muss zu allererst des anderen Nächster werden! Dies war die Haltung des hl. Johannes von Gott. Mitzuleiden mit jemandem bedeutet ja nicht, an die Stelle des anderen zu treten – das ist ja auch gar nicht möglich! –, sondern vielmehr, in seinen Prüfungen bei ihm zu sein, sein Weggefährte zu werden – wie der barmherzige Samariter oder der hl. Johannes von Gott.

 

Die eigene Schwäche zu zeigen bedeutet so gesehen, Hospitalität zu ermöglichen. Vom anderen empfangen und aufgenommen zu werden, einen echten Austausch haben, all das setzt meistens voraus, dass ich mich selbst als arm und verletzlich erkenne.

Taborstraße 16
1020 Wien

ÖSTERREICHISCHE ORDENSPROVINZ

des Hospitalordens des
heiligen Johannes von Gott

"Barmherzige Brüder"

Taborstraße 16

1020 Wien

 

Tel.: 0043 1 21121 1100

Fax: 0043 1 21121 1120

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