Fest des Heiligen Johannes von Gott

Rundschreiben unseres Generalpriors

Heiliger Johannes von Gott: Die Macht der Liebe

 

An alle Brüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Mitglieder der Johannes von Gott-Familie

 

Anlässlich des Festes des heiligen Johannes von Gott am 8. März möchte ich mich mit der gesamten Hospitalfamilie herzlich beglückwünschen. Ich lade Sie ein, das Fest mit Schlichtheit, Freude und Tiefe unter Einhaltung der immer noch durch die Pandemie bedingten gebotenen Vorsichtsmaßnahmen zu feiern und dabei des 450. Jahrestages der Anerkennung unserer Ordensfamilie durch die Kirche zu gedenken, welche mit der Bulle Licet ex debito von Papst Pius V. 1572 erfolgte.

 

Wie Sie wissen, ist am 28. Dezember in Saragossa (Spanien) P. Pascual Piles verstorben, der von 1994 bis 2006 Generaloberer des Ordens war. Johannes von Gott, seine Person, der Heilige, der Mann der Hospitalität, waren seine große Leidenschaft. P. Pascual sagte zu Lebzeiten, er spreche häufig mit Johannes von Gott im Gebet und spüre ständig seinen Geist in seinem Leben. Nun wird er direkt im Himmel mit unserem Ordensgründer sprechen. So bitten wir die beiden, weiterhin ihre schützende Hand über unsere Familie zu halten, die sie so sehr lieben und für die sie ihr Leben gegeben haben, besonders in diesem Jahr, in dem die Provinzkapitel stattfinden.

 

Aufgrund des Scheidens von P. Pascual Piles aus unserer Mitte, hielt ich es in diesem Jahr für angebracht, uns allen zum Fest des heiligen Johannes von Gott die Botschaft in Erinnerung zu rufen, die er am 8. März 1995 anlässlich der Eröffnung der Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag des heiligen Johannes von Gott mit dem Titel “Die Macht der Liebe” an den Orden gerichtet hat.

 

Das Herz befehle.

"El cor mande" – Das Herz befehle
 

 

1. Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben (1 Joh 3, 16)

 

Das ist die Interpretation, die der heilige Johannes von Jesus Christus gibt. Er definiert ihn als die LIEBE und der tiefste Beweis seiner Liebe ist die Tatsache, dass er für uns sein Leben hingegeben hat. Der heilige Johannes sieht darin zugleich eine Aufforderung an das Leben des Christen. Jesus hat uns dieses Zeugnis gegeben; deswegen sollen auch wir wie er handeln und bereit sein, das Leben für unsere Brüder hinzugeben.

 

Diese Botschaft hat bei vielen Menschen Eingang gefunden. Zahllos sind diejenigen, die aus Christus heraus die Hingabe an den Nächsten zu ihrem Lebensprogramm gemacht haben und sich mit allen Kräften in mannigfaltigen Formen und Tätigkeiten für das Wohl ihres Nächsten eingesetzt haben.


Zu ihnen gehört Johannes v. Gott, ein Montemorenser, der zwischen dem XV. und XVI. Jahrhundert lebte und sein Leben aus Christus heraus rückhaltlos in den Dienst des Nächsten stellte. Er vernahm den Ruf Christi, als er einer Predigt des Meisters Johannes v. Avila in der Märtyrerkapelle in Granada am 20.Januar 1539, dem Festtag des heiligen Sebastian, zuhörte. Seine Antwort auf das Rufen Gottes nahm unter der Anleitung von Johannes v. Avila, den er sich zum Seelenführer wählte, nach und nach konkrete Gestalt an, bis sein Leben zu einer wahren Inkarnation der Liebe, Barmherzigkeit und Güte Gottes zu den Menschen wurde.


Johannes v. Gott wollte an den Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen die Liebe Gottes sichtbar machen. Er begann für sie ein Werk, ohne auf fremde Hilfe und Unterstützung zählen zu können. Vielmehr musste er anfangs erst einmal das Misstrauen seiner Umwelt überwinden. Durch seine aufrichtige Sorge um den Nächsten gewann er bei seinen Mitbürgern zunehmend an Glaubwürdigkeit, sodass sein Werk schließlich nicht nur in der Stadt Granada, sondern in ganz Andalusien und Spanien unterstützt wurde.

 

Zu Beginn der Feierlichkeiten zu seinem 500. Geburtstag hier in Montemor-o-Novo wollen wir vor aller Welt sein Leben mit lauter Stimme als eine Hymne an die Liebe preisen. Wir tun dies im Namen der Stadt Montemor-o-Novo und aller Gläubigen, die aus der Umgebung zu dieser Feier zusammengeströmt sind. Wir tun dies im Namen der ganzen Ordensfamilie: der Mitbrüder und Mitarbeiter, der ehrenamtlichen Helfer, der Wohltäter, Freunde und Betreuten. Wir tun dies im Namen der ganzen Kirche und Welt. Ja, das Leben des hl. Johannes v. Gott war eine Hymne an die Liebe. Er hat das Zeichen Christi erkannt und sein Leben wie Christus für die anderen hingegeben. Auch wenn sich sein Tod nicht unter denselben blutigen Vorzeichen vollzog, so ist die Ursache seines Todes doch darin zu suchen, dass er sich für den Nächsten aufgezehrt hat.


Wenn wir heute seiner gedenken, so tun wir das, um ihn zu ehren. Er verdient es wirklich. Am besten ehren wir ihn aber, wenn wir ihn im praktischen Leben nachahmen. Ein jeder auf dem Platz, den er in der Gesellschaft einnimmt, ein jeder aus der Identität, die ihm in der Kirche zukommt. Wie er sollen wir gestaltgewordene Liebe, Barmherzigkeit und Hospitalität sein.


Wir fühlen uns eins mit der Kirche, die von Jesus Christus zur Erfüllung des Werkes der Liebe gegründet wurde; eins mit der Kirche, die Johannes v. Gott liebte und als deren treuer Sohn er sich betrachtete; eins mit der Kirche, die seine Heiligkeit anerkannte und ihn uns als Vorbild hingestellt hat; eins mit der Kirche, die heute bei der Eröffnungsfeier zu seinem 500. Geburtstag durch den Abgesandten des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II., Kardinal Fiorenzo Angelini, vertreten ist, den wir als unseren Bruder bezeichnen dürfen, weil er als Ehrenmitglied des Ordens und Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst unserem Orden besonders verbunden ist.


Unsere Gesellschaft braucht Leitbilder, die ihre Verankerung in der Liebe haben. Politiker, Berufstätige, Bürger, Gläubige und Nicht-Gläubige, für uns alle gilt die Aufforderung, am Aufbau einer Gesellschaft ohne Gewalt, Ausgrenzung, Rivalität und Manipulation mitzuwirken, die im Zeichen der Liebe auf den Werten der Gerechtigkeit, Solidarität, Achtung und Würde gründet.


In diesem Sinn hat unser Orden die Aufgabe, am Aufbau einer Gesellschaft mitzuwirken, die imstande ist, auf die wahren Bedürfnisse der menschlichen Person einzugehen. Wie Johannes v. Gott soll er alternative Gesundheits- und Sozialstrukturen mit Signalcharakter für die Umwelt führen, in denen der kranke, arme und hilfsbedürftige Mensch human, professionell und liebevoll behandelt und so in seiner unumstößlichen Würde bestätigt wird.


Johannes v. Gott war kein Mann großer Worte, sondern ein Mann der Tat, der mitten im Leben stand. Trotzdem hatte er eine eigene Lebensphilosophie und -theologie. Diese fand nicht nur in seinem praktischen Leben Niederschlag, sondern auch in seinen Briefen. Aus ihnen sind, als Botschaft für uns heute, die Zitate entnommen, die wir nachstehend im Einzelnen untersuchen wollen .

 

Johannes von Gott, Glasfenster in der Wiener Krankenhauskapelle

Johannes von Gott hilft Armen und Kranken (Glasfenster in der Kapelle des Wiener Krankenhauses)

 

 

2. Bleibt immer in der Liebe, denn wo keine Liebe herrscht, ist Gott nicht – wenngleich Gott überall ist (Brief an Luis Bautista 15)

 

Dieser Aussage nach ist die Liebe für Johannes v. Gott ein Element, das die Gegenwart Gottes in der Realität möglich macht. Dabei handelt es sich um einen biblischen Gedanken, der sich sowohl im Matthäusevangelium (vgl. 25, 39-40) als auch im ersten Johannesbrief (vgl. 4, 20) findet. Von der Theologie wissen wir, dass Gott überall ist und wir ihm in der Eucharistie und in seinem Wort wirklich begegnen. Wir begegnen ihm in unserem Nächsten, den wir deshalb als Bruder betrachten und behandeln sollen. Daraus können wir den Rückschluss ziehen, dass alle Bestrebungen, die im Zeichen der Hingabe an den Nächsten unternommen werden, selbst wenn sie nicht dieses Ziel haben, die Gegenwart Gottes sichtbar machen. Umgekehrt verhüllen alle Verhaltensformen, die auf Egoismus, Separatismus, Gewalt und Aggression gründen, die Gegenwart Gottes.

 

Das Wort des hl. Johannes v. Gott ist vor diesem Hintergrund Anfrage an uns: Trage ich dazu bei, die Gegenwart Gottes in meinem Leben sichtbar zu machen oder bin ich ein Mensch, der seine Gegenwart verhindert? Brüder und Mitarbeiter des Ordens, Bürger von Montemor-o-Novo und des ganzen Erdenrunds, machen wir wie Johannes v. Gott durch die Liebe die Gegenwart Gottes in der Welt sichtbar und spürbar.

 

 

3. Wenn wir recht bedenken würden, wie groß das Erbarmen Gottes ist, so würden wir nie unterlassen, das Gute zu tun (Erster Brief an die Herzogin von Sessa 13)

 

Ein Werk der Liebe wird durch die persönliche Erfahrung der Liebe Gottes bestimmend angereichert, denn diese Erfahrung ermutigt und gibt uns die Fähigkeit, uns den anderen zu schenken.

 

Erfahrene Gottesliebe öffnet die Tür zum Glauben. Der Glaube ist ein Geschenk; ein ebenso großes Geschenk ist, an sich persönlich die Liebe Gottes erfahren zu haben.

 

Wir wissen, dass wir stets offen für die anderen und empfänglich für ihre Nöte sein sollen. Doch manchmal hindert uns unser Egoismus daran. Johannes v. Gott verwandelte sich dagegen, nachdem er die Liebe Gottes an sich selbst erfahren hatte, in einen Motor der Liebe. Er konnte nicht mehr aufhören, Gutes zu tun. Allen, immerzu, weshalb auch immer. Sein Leben wurde durch die Erfahrung der Liebe Gottes von Grund auf umgestaltet.

 

Unser letztes Generalkapitel hat aus Anlass des 500. Geburtstages unseres hl. Ordensstifters dieses Jahr zu einem Jubeljahr erklärt, das allen Menschen, die sich dem Orden verbunden fühlen, die sich dem hl. Johannes v. Gott verbunden fühlen, zu echter spiritueller Erneuerung dienen soll. Ich wünsche uns, dass wir in diesem Jahr, wie Johannes v. Gott, erfahren, wie sehr Gott uns liebt, und ermutigt von dieser Erfahrung nie unterlassen, das Gute zu tun.

 

Unsere Programme zur Humanisierung, zum Aufbau einer Kultur der Hospitalität, zur Erkennung der Bedürfnisse der von uns betreuten Menschen und ihrer Angehörigen, zur Integration und Koordination von Initiativen für die Randgruppen, zur Anwendung ethischer Normen bei der Pflege, sind im Grunde nichts anderes als der Versuch, "nie zu unterlassen, das Gute zu tun ".

 

 

4. Wie das Wasser das Feuer zum Erlöschen bringt, genauso ist es mit der Liebe und der Sünde (Erster Brief an die Herzogin von Sessa 13)

 

Ein Lebensentwurf, der auf der Liebe gründet, lässt uns für alles andere freie Hand; er entspricht dem "Liebe, dann kannst du tun, was du willst" des hl. Augustinus (Traktat über den ersten Brief des hl. Johannes, VIII, 8); er kommt dem Klima der Liebe nahe, das nach Johannes vom Kreuz im entscheidenden Augenblick herrschen wird: "Am Ende des Lebens werden sie dich in der Liebe prüfen" (Sprüche des Lichts und der Liebe, 59).

 

Der Mensch, der liebt, der aus der Tiefe liebt, kann nicht in der Sünde leben. Das eine schließt das andere aus. Liebe und Sünde können nicht miteinander leben, Liebe und Egoismus sind zwei gegensätzliche Realitäten, die unmöglich gleichzeitig miteinander bestehen können.

 

Seien wir bereit, wie Johannes v. Gott zu lieben. Problematisch wird es, wenn wir zur Liebe nur ein halbes Ja sagen. Machen wir uns deswegen die Einstellung des hl. Johannes v. Gott zu eigen und nähern wir uns dem Leben ohne Angst, mit Mut, Hoffnung und der Zuversicht, dass wir an einem Plan beteiligt sind, für den es sich lohnt, sich einzusetzen. Seien wir überzeugt, dass wir in dem Maß, in dem wir lieben, verhindern, dass die Sünde und der Egoismus von uns Besitz ergreifen, sondern vielmehr zum Aufbau der Brüderlichkeit beitragen und zu gestaltgewordener Hospitalität werden.

 

 

5. Habt immer die Liebe; sie ist die Mutter aller Tugenden (Dritter Brief an die Herzogin von Sessa 16)

 

Dieser Aufruf ist meiner Meinung nach von den vier bisher zitierten der weitreichendste. Er fordert, dass wir immer die Liebe haben, immer lieben sollen, dass die Liebe eine Grundhaltung unseres Lebens sein soll. Da die Liebe bewirkt, dass auch alle anderen Tugenden in Erscheinung treten, ist sie die Mutter aller Tugenden. Wo die Liebe ist, ist Fülle, wo die Liebe nicht ist, ist Nichts.

 

Deshalb wünsche ich Euch ein Leben in Liebe, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit. Die Eröffnungsfeier zum 500. Geburtstag unseres hl. Ordensstifters soll für uns ein Tor sein, durch das wir in das innige Klima seiner Spiritualität eintreten. Wir werden die Feierlichkeiten nächstes Jahr in Granada, der Stadt, in der er wirkte, an dem Tag, an dem er starb, beschließen. Unsere Verpflichtung soll jedoch sein, in alle Zukunft sein Liebeswerk fortzuführen.

 

Möge diese Fünfhundertjahrfeier uns alle in besonders tiefer Form die Macht der Liebe erfahren lassen (Schluss der Botschaft von P. Pascual Piles aus 1995).

 

 

Wie immer um diese Zeit, darf ich Ihnen hiermit das Ergebnis des Spendenaufrufs bekannt geben, den wir im Vorjahr unter dem Titel “Hilfsaktion für das Krankenhaus des hl. Johannes von Gott in Batibo in Kamerun” durchgeführt haben. Insgesamt ist es uns gelungen, 375.715,61 Euro zu sammeln. Für dieses beeindruckende Zeichen der Solidarität ein herzliches Vergelts Gott an alle.


Zugleich möchte ich Ihnen mitteilen, dass der Spendenaufruf dieses Jahres unseren Werken in Kuba zugutekommen soll. Dabei handelt es sich konkret um zwei Projekte:

  1. Sanatorio San Juan de Dios in Havanna: Renovierung der Abteilung Santa Ana für alte chronisch kranke Frauen mit 21 Betten;
  2. Hogar San Rafael in Havanna: Schaffung einer Palliativabteilung für terminal kranke Menschen.

In Kürze werden wir Ihnen nähere Einzelheiten zukommen lassen. Schon jetzt bitte ich Sie, auch dieses Projekt mit derselben Großzügigkeit wie immer zu unterstützen. Auch dafür schon im Voraus ein herzliches Dankeschön.


Möge die Macht der Liebe des heiligen Johannes von Gott und das Zeugnis der Hospitalität von P. Pascual Piles unsere Familie inspirieren, mit derselben Leidenschaft und Freude die Berufung zur Hospitalität im Dienst am kranken und hilfsbedürftigen Menschen zu leben.

 

Mit brüderlichen Grüßen

 

Frater Jesús Etayo

Generalprior 

Taborstraße 16
1020 Wien

ÖSTERREICHISCHE ORDENSPROVINZ

des Hospitalordens des
heiligen Johannes von Gott

"Barmherzige Brüder"

Taborstraße 16

1020 Wien

 

Tel.: 0043 1 21121 1100

Fax: 0043 1 21121 1120

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