Radiogottesdienst aus Schärding

Zu Christi Himmelfahrt wurde der Feier­tags­gottes­dienst aus der Kur­haus­kirche der Barmherzigen Brüder in Schärding am Inn übertragen.

 

Dem Gottesdienst stand FraterSaji Mullankuzhy, Provinzal der Österreichischen Ordensprovinz und Prior der Barmherzigen Brüder in Schärding. Hier dokumentieren wir seine Predigt:

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

In den letzten Wochen stand unser Leben ganz im Zeichen der Corona-Krise. Sie hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Alle, die gedacht haben, wir haben alles in der Hand und können alles kontrollieren, wurden eines Besseren belehrt. Für viele war das sehr schmerzhaft und mit großen Einbußen verbunden. Andere haben plötzlich ganz neue Facetten in ihrem Leben entdeckt: mehr Zeit daheim, mehr Zeit mit den Kindern und dem Ehepartner. Und manche haben auch Gott ganz neu gefunden: Die Zeit des social distancing wurde für sie eine Zeit der besonderen Gottesnähe.

 

Papst Franziskus hat die ganze Welt eingeladen, für ein Ende der Epidemie zu beten. Es war ergreifend, wie viele Menschen dieser Einladung am 14. Mai Folge geleistet haben. Ja, Jesus Christus, der heute in den Himmel auffährt, hört nicht auf zu sagen: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33) So dürfen wir darauf vertrauen, dass diese Krise des Jahres 2020 letztlich zu einer Reinigung unserer Herzen führen wird, zur Erneuerung unseres Lebens.

 

In den letzten Wochen haben wir immer wieder lesen und hören können: „Schau auf dich, schau auf mich. So schützen wir uns!“ Sicher haben auch Sie diesen Aufruf noch in lebendiger Erinnerung. Ich finde, diese österreichweite Infokampagne hat etwas Befreiendes und passt auch sehr gut zu unserem Kurhaus Schärding.

 

Denn wenn unser Kurhaus zu Pfingsten wieder seine Pforten öffnet, kommen Menschen hierher, um sich zu regenerieren und zu erholen. Sie schauen auf sich - und vertrauen darauf, dass wir auf sie schauen. Dass wir ihnen mit unserem dreifachen Angebot der Traditionellen Europäischen Medizin (Kneipp), der Traditionellen Indischen Medizin (Ayurveda) und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eine ganzheitliche Therapie anbieten. Und dass es hier auch ein Angebot für ihr geistiges und seelisches Wohlbefinden gibt, ist klar: die Gottesdienste, das Rosenkranzgebet und auch die Kirchenmusik hier in unserer schönen Kurhauskirche.

 

„Schau auf dich, schau auf mich.“ Liebe Brüder und Schwestern, als Jesus nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, sagt er: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Schau auf Dich, schau auf mich. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“ (vgl. Mk 12,28-31)

 

Der Werbeslogan, der uns daran erinnern soll, dass wir uns selbst und die anderen vor Corona schützen sollen, kann uns auch daran erinnern, was im Leben wirklich zählt: Wer auf sich schauen will, der tut gut daran, auf Gott zu bauen. Nicht halbherzig, sondern voll und ganz. mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft, sagt Jesus. Und gesundes Gottvertrauen befähigt uns zur Nächstenliebe. „Schau auf dich, schau auf mich“ ist ein lautes Ja zum Geschenk des Lebens, das ein immerwährendes Abenteuer ist. Ein lautes Ja zum Wagnis der Liebe - täglich will sie erneuert werden. Ein lautes Ja zu Gott und zu unserem Nächsten!

 

Es ist schön zu erleben, wie in den Tagen der Corona-Krise die Nachbarschaftshilfe zugenommen hat! Ich hoffe, dass Sie das auch erleben durften. Viele wurden achtsamer, lebten bewusster im Hier und Jetzt, mit offenen Augen für sich und den Nachbarn. Schau auf Dich, schau auf mich! Not muss nicht unbedingt zur Abschottung von anderen führen, zu Egoismus und Unmenschlichkeit, nein, sie kann sogar zu einem Mehr an Menschlichkeit, zu einem Mehr an Gerechtigkeit Anlass geben!

 

Christi Himmelfahrt erinnert uns daran, dass Christus uns auch inmitten unserer Not nicht verlässt: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“, heißt es im Evangelium. Ohne ihn blieben alle unsere Anstrengungen fruchtlos. Ohne die Gegenwart des Herrn und ohne die Kraft seines Geistes ist unsere auch gut organisierte Arbeit wirkungslos. Und so gehen wir hin, um den Leuten zu sagen, wer Jesus ist.

 

Denn Jesus ist auch durch die Kirche gegenwärtig, die seine Sendung fortsetzen soll. Das letzte Wort Jesu an die Jünger ist der Auftrag aufzubrechen: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Ist das nicht ein klarer Auftrag an uns alle? Die christliche Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft „im Hinausgehen“, „im Aufbruch“. Brechen wir auf und beginnen wir ganz neu, auf uns und auf die anderen zu schauen. Amen!

Taborstraße 16
1020 Wien

ÖSTERREICHISCHE ORDENSPROVINZ

des Hospitalordens des
heiligen Johannes von Gott

"Barmherzige Brüder"

Taborstraße 16

1020 Wien

 

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