Briefe des heiligen Johannes von Gott an Gutiérrez Lasso

Erster Brief an Gutiérrez Lasso
Zweiter Brief an Gutiérrez Lasso


Erster Brief des heiligen Johannes von Gott an Gutierrez Lasso
1. Im Namen unseres Herrn Jesus Christus und unserer Herrin, der Unbefleckten Jungfrau Maria. Gott werde allen Dingen dieser Welt vorgezogen. Amen, Jesus. Gott behüte Euch, Gutierrez Lasso, mein Bruder in Jesus Christus, Euch, Eure Familie und wen immer Gott es gefällt. Amen, Jesus.

2. Dieser Brief soll Euch davon in Kenntnis setzen, dass ich, Gott sei Dank, gut ankam, und dass ich mehr als 50 Dukaten mitgebracht habe. Mit dem, was Ihr dort habt, und mit dem, was ich bekommen habe, bringen wir, so glaube ich, etwa 100 Dukaten zusammen. Wieder hier angekommen, habe ich mich bemüht, etwa 30 Dukaten oder noch mehr aufzutreiben, denn alles ist immer noch zu wenig. Ich muss immerhin mehr als 150 Personen versorgen; wenngleich Gott es ist, der sie täglich am Leben erhält. Wenn Ihr deshalb mit den 25 Dukaten, die Ihr dort noch habt, noch einiges mehr bekommen könnt, so wisst, alles ist nötig. Wenn es jedoch nicht sein kann, dann grämt Euch deswegen nicht. Schickt alle armen Verletzten, die es bei Euch gibt, zu mir.

3. Sendet mir bald die 25 Dukaten, denn diese und noch viel mehr bin ich schuldig, und meine Gläubiger warten schon ungeduldig. Als Zeichen diene ein Leinensäckchen, das ich Euch eines Abends gegeben habe, als wir beide in Eurem Orangenhain spazieren gingen. Ich hoffe auf unseren Herrn Jesus Christus, dass Ihr eines Tages im himmlischen Garten lustwandeln dürft.

4. Der Bote war in großer Eile, deshalb konnte ich keine Zeit auf den Brief verwenden; zudem habe ich soviel Arbeit, dass mir nicht einmal Zeit bleibt, ein Credo langsam zu beten.

5. Um der Liebe unseres Herrn Jesu Christi willen, schickt das Geld genau und zuverlässig, denn ich benötige es dringendst. Grüßt und empfehlt mich um der Liebe unseres Herrn Jesu Christi willen der edlen, tugendreichen und großherzigen Sklavin unseres Herrn Jesus Christus, Eurer Gattin, die sich so sehr im Dienst unseres Herrn Jesus Christus bemüht, und der Unbefleckten Jungfrau Maria, und die um der Liebe Gottes willen auch Euch, Gutierrez Lasso, ihrem Gemahl und Sklaven unseres Herrn Jesus Christus dient. Amen, Jesus.

6. Ihr sollt auch Euren Sohn, den Erzdiakon grüßen, der mit mir war und um dieses gesegnete Almosen bat, der der geringste Sklave unseres Herrn Jesus Christus und der Unbefleckten Jungfrau Maria ist, immer beflissen, ihm zu dienen und wohlzugefallen, ihm, unserem Herrn Jesus Christus und seiner gepriesenen Mutter, der Jungfrau Maria, unserer Herrin.
Sagt ihm, er möge mir mit der Hilfe Gottes bald schreiben.

7. Schreibt auch Ihr mir, guter Edelmann und Bruder in Jesus Christus. Grüßt Euere Söhne und Töchter und alle, die Ihr grüßen mögt. In Málaga sollt Ihr den Bischof grüßen und ihm von mir berichten und all die anderen, die Ihr gerne grüßen möchtet und die Ihr seht; denn ich bin verpflichtet, für alle zu beten.

8. Was Euren Sohn betrifft, den guten Edelmann – ich glaube, es ist der ältere –, so geschehe, was Gottes Wille ist. Möge es unser Herr Jesus Christus sein, der die Dinge, Werke und Taten leitet und lenkt. Mir scheint, wenn Gott es will, wäre es besser, ihn bald zu verheiraten, wenn er zu heiraten wünscht. Wenn ich Euch auch sage, sobald wie möglich, so sollt Ihr Euch deshalb nicht beunruhigen, denn Eure ganze Unruhe soll darauf gerichtet sein, Gott darum zu bitten, ihm eine gute Frau zu schenken, denn er ist ja jetzt noch sehr jung.
Nach der Güte unseres Herrn Jesus Christus sei er an Weisheit jedoch schon gereift.

9. Jeder muss den Stand erwählen, den Gott ihm zuweist. Die Väter und Mütter sollen sich jetzt nicht zu große Sorgen und Mühen deswegen machen, sondern Gott bitten, er möge den Kindern den Stand der Gnade schenken, ganz wie es ihm gefällt.
Einer wird sich verheiraten, ein anderer wird Messe lesen. Und so sage ich, dass ich nichts weiß, sondern dass Gott es ist, der alles weiß.

10. Möge der Herr Jesus Christus Eure Wünsche erfüllen, und zwar auf die Weise, wie ihm, unserem Herrn am meisten gedient wird. Er allein weiß besser, was mit Euren Söhnen und Töchtern geschehen soll. Und alles, was unser Herr tut, sollt Ihr als gegeben annehmen, und zwar als etwas Gutes.

11. Bekennen wir unsere Sünden und tun wir deshalb Buße, denn alles Gute, das die Menschen tun, ist nicht ihr, sondern Gottes Verdienst.
Gott sei die Ehre und die Herrlichkeit, denn alles ist sein. Amen, Jesus.
Es möge unserem Herrn Jesus Christus gefallen, dass alles, was Ihr tut und alles, was Eure Söhne und Töchter tun, zum Dienst unseres Herrn Jesus Christus und unserer Herrin, der Jungfrau Maria, gereiche.
Unser Herr Jesus Christus möge nicht zulassen, dass Ihr etwas tut, was ihm missfällt.

12. Euer geringer Bruder Johannes von Gott, der, wenn Gott es verfügt, sterben, immer aber schweigen und auf Gott vertrauen möchte, und der das Heil aller ersehnt wie sein eigenes. Amen, Jesus.


Download der Briefe an Gutiérrez Lasso

 



Zweiter Brief des heiligen Johannes von Gott an Gutierrez Lasso

 

1. Dieser Brief soll dem edlen, tugendreichen und großherzigen Ritter unseres Herrn Jesus Christus, Gutierrez Lasso, überreicht werden, dem Sklaven unseres Herrn Jesus, immer darauf bedacht, ihm zu dienen. Amen, Jesus.

 

2. Im Namen unseres Herrn Jesus Christus und unserer Herrin, der Unbefleckten Jungfrau Maria. Gott werde allen Dingen dieser Welt vorgezogen. Amen, Jesus. Gott sei mit Euch, mein vielgeliebter Bruder im Herrn Jesus.

 

3. Dieser gegenwärtige Brief soll Euch wissen lassen, in welch großer Sorge und Notlage ich bin; Dank sei unserem Herrn Jesus Christus für dies alles; denn Ihr sollt wissen, mein innigst geliebter Bruder in Jesus Christus, dass es der Armen, die hierher kommen, sehr viele sind, so dass ich selbst oft verwundert bin, wie sie erhalten werden können.

 

4. Aber unser Herr Jesus Christus sorgt für alles und gibt uns zu essen; da ja allein für Holz täglich 7 oder 8 Reales ausgegeben werden müssen, und, da diese Stadt sehr groß und sehr kalt ist, besonders jetzt im Winter, sind die Armen, die zu diesem Haus Gottes kommen, zahlreich; insgesamt – Kranke und Gesunde, Hilfskräfte und Pilger eingerechnet – sind es mehr als einhundertzehn.

 

5. Da dies ein Haus für alle ist, werden alle Arten von Kranken aufgenommen und auch alle Arten von Menschen. Es gibt hier deshalb Versehrte, Verletzte, Aussätzige, Stumme, Verrückte, Gelähmte, mit Krätze Behaftete, sehr alte Menschen und viele Kinder; überdies viele Pilger und Reisende, deren Weg zu uns führt. Man gibt ihnen Feuer, Wasser, Salz und Kochgeschirr, um sich ihr Essen zu bereiten.

 

6. Für all dies brauchen sie nichts zu bezahlen, aber unser Herr Jesus Christus sorgt für alles; es gibt keinen Tag, an dem nicht für die Versorgung des Hauses viereinhalb und manchmal fünf Dukaten nötig sind; dies alles allein für Brot, Fleisch, Geflügel und Holz, ohne die Extra-Ausgaben für Medizin und Kleidung mitzurechnen.

 

7. An Tagen, an denen das Almosen nicht zur Deckung aller Kosten ausreicht, nehme ich Geld zu leihen, und an anderen Tagen wird gefastet.

Und so sorge ich mich hier allein um Jesus Christus, denn ich schulde mehr als 200 Dukaten an Ausgaben für Hemden, Mäntel, Schuhe, Leintücher, Decken und viele andere Dinge, die notwendig sind in diesem Haus Gottes, und auch für die Erziehung der Kinder, die man uns hier lässt.

 

8. Deshalb, mein vielgeliebter Bruder in Christus Jesus, da ich mich in solcher Not sehe, wage ich mich oftmals nicht einmal mehr aus dem Haus, wegen der Schulden, die mich bedrücken, während ich so viele Kranke, die doch meine Brüder und Nächsten sind, in Not sehe. In vielfältiger Qual des Leibes und der Seele gerate ich in große Traurigkeit, weil ich ihnen nicht helfen kann. Dennoch setze ich mein Vertrauen auf Christus Jesus, dass er mich von den Schulden befreien wird, denn er allein kennt mein Herz.

 

9. Und so sage ich Dir: verflucht sei der Mensch, der auf Menschen sein Vertrauen setzt und nicht auf Jesus Christus, denn von den Menschen wirst du früher oder später im Stich gelassen. Jesus Christus allein ist treu auf immer: er allein sieht alles vorher, ihm sei Dank gesagt für immer und ewig. Amen, Jesus.

 

10. Mein vielgeliebter Bruder in Christus Jesus: ich habe Euch von diesen meinen Mühsalen und Nöten berichten wollen, weil ich weiß, dass sie Euch Sorge bereiten, so wie auch mich Eure Leiden kümmern würden. Ich weiß, dass Ihr unseren Herrn Jesus liebt und die Schmerzen seiner Kinder, der Armen, nachempfindet; deshalb berichte ich Euch von diesen ihren Sorgen und Nöten und den meinigen.

 

11. Wir setzen alles auf eine Karte, obgleich jeder seinen Weg geht, so wie es Gott gefällt und er den Menschen führt; deshalb ist es recht, dass wir uns alle bemühen.

Deswegen, mein vielgeliebter Bruder in Jesus Christus, lasst nicht nach, für mich zu beten, dass er mir die Gnade und Kraft schenke, auszuharren und die Welt, den Teufel und das Fleisch zu besiegen, und dass er mir Demut, Liebe und Geduld mit meinem Nächsten schenke.

 

12. Er lasse mich meine Schuld bekennen und dem Beichtvater gehorsam sein, so dass ich fähig werde, mich meiner selbst zu entledigen und nur Jesus Christus allein zu lieben. Ich will alles so für wahr halten, wie es der Lehre der hl. Mutter Kirche entspricht, denn so glaube ich es wirklich und wahrhaftig. Hier fahre ich nicht weiter, sondern beschließe alles mit meinem Siegel und meinem Schlüssel.

 

13. Mein Bruder in Jesus Christus, es gereicht mir zur Erholung, Euch zu schreiben, denn ich stelle mir vor, mit Euch zu sprechen und Euch an meinen Nöten teilhaben zu lassen. Ich weiß, dass Ihr sie ebenso empfindet, so wie ich es aus Euren Werken ersehen konnte, denn schon zweimal bin ich in dieser Stadt gewesen, und Ihr habt mich wunderbar aufgenommen und habt mir viel Zuwendung geschenkt. Unser Herr Jesus Christus vergelte Euch im Himmel das gute Werk, das Ihr um seinetwillen für die Armen und für mich getan habt. Jesus Christus vergelte es Euch. Amen, Jesus.

 

14. Mein Bruder in Christus, gebt meine Grüße an Euer ganzes Haus und die Euch teuer sind weiter, an Eure vielgeliebten Kinder, besonders dem Schulmeister, meinem geliebten Bruder im Herrn, ferner dem Bischof, meinem Bruder und Vater in Jesus Christus, an Doña Catalina, meiner Gastgeberin und Schwester im Herrn, und allen anderen, die Euch nahe stehen. Amen, Jesus.

 

15. Mein Bruder in Jesus Christus, ich schicke Euch diesen jungen Mann vorbei, der diesen Brief mitbringt, welcher sich bezieht auf einen aus Málaga gebürtigen jungen Mann, der in diesem Hospital gestorben ist, und der diesem Haus ein gewisses Erbe vermacht hat, und zwar in Form eines Weinbergs oder Pachtlandes, worüber er selbst Euch besser wird Auskunft geben können, denn er hat von Anfang an die Verhandlungen übernommen.

 

16. Ich möchte, dass alles verkauft wird, denn ich brauche dringend Geld, und jetzt wirft es pro Jahr nur wenig Zins ab. Deswegen, um der Liebe unseres Herrn willen, wenn Ihr von jemandem wisst, der am Kauf interessiert wäre, verkauft es dergestalt, dass derjenige, der es kauft, keinen Verlust dabei hat, dass aber auch die Armen nichts verlieren, und dass alles möglichst schnell abgewickelt werde, so dass derjenige, der jetzt diesen Brief zu Euch bringt, schon mit dem Geld zurückkommen kann. Es handelt sich um eine Person, zu der ich viel Vertrauen habe, und die meine ganze Vollmacht besitzt und alle Schuldverschreibungen.

 

17. Verzeiht mir, dass ich Euch so viel Mühe bereite; eines Tages wird Euch dies zur Ruhe im Himmel gereichen. Um der Liebe unseres Herrn Jesus Christus willen vertraue ich euch diesen Handel an, denn mit dem Geld, das er einbringen wird, werde ich einiges an Kleidung für die Armen kaufen können, damit jene Gott für die Seele des Spenders bitten, und um Fleisch und Öl bezahlen zu können. Man will mir keinen Kredit mehr gewähren, da ich schon so viel schulde. Ich kann die Gläubiger jedoch noch vertrösten, indem ich ihnen versichere, dass man mir bald von Málaga aus Geld schicken wird.

 

18. Ich will Euch jetzt nicht um Almosen bitten, denn ich weiß, dass dort auch viele Arme sind, denen man helfen muss, sondern ich bitte unseren Herrn, er schenke Euch das Heil der Seele, denn in diesem Leben voll Elend und Not, ist das rechte Leben der Schlüssel für jenen, der sich zu retten versteht, und alles darüber hinaus ist ein Nichts.

 

19. Euer ungehorsamer und geringer Bruder Johannes von Gott, der, wenn Gott es verfügt, im Sterben liegen, immer aber schweigen und auf Gott hoffen will, der das Heil aller wünscht wie sein eigenes. Amen, Jesus.

 

Granada, am 8. Januar 1550


 

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