Schmerzfreies Waidmannsheil!

Ein/e JägerIn kennt keinen Schmerz – oder doch? Zahlreiche Outdoor-LiebhaberInnen leiden unter Rücken-, Hüft-, oder Kniebeschwerden und auch PirschgängerInnen bleiben davon nicht verschont. 

Bei der Jagd entstehen Beschwerden im Bewegungsapparat häufig durch Defizite in der Beweglichkeit der Brustwirbelsäule und der Rumpfstabilität. Mit einer gezielten Vorbereitung auf den Jagdausflug kann man den Schmerzen entgegenwirken, weiß Orthopäde und Traumatologe Erster Oberarzt Dr. Matthias Leitner, MSc, stellvertretender Abteilungsvorstand am a.ö. Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt am Wörthersee. Der Spezialist für den Bewegungsapparat ist selbst passionierter Jäger. 

 

hunter at sunset

 

Welche gesundheitlichen Vorteile bringt ein Pirschgang mit sich? 

EOA Dr. Matthias Leitner, MSc: 

Bewegung im Freien ist grundsätzlich gesund. Doch der Höhenunterschied, verwurzelte Waldwege und bewegliche Geröllmassen haben es in sich. Im Gegensatz zur, in unseren Breiten eher gebräuchlichen Ansitzjagd, ist der Bewegungsumfang beim Pirschen um ein Vielfaches größer. GebirgsjägerInnen pirschen deutlich mehr als WaidkameradInnen in Stadtnähe. Neben dem Herzkreislauf-System brauchen auch unsere Gelenke regelmäßig Bewegung, um in Form zu bleiben. 

Doch Gelenke allein reichen noch nicht aus um gut pirschen zu können, es braucht auch einen gut trainierten Muskelapparat. Dieses Zusammenspiel ergibt, nebst anderen Komponenten unseres Bewegungsapparats, wenn man so will, den idealen „Pirschapparat". 

 

Mit welchen gesundheitlichen Problemen haben JägerInnen häufig zu kämpfen? 

Prinzipiell kämpfen WaidwerkerInnen mit denselben Erkrankungen und Problemen wie Jedermann/frau. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Herzkreislaufprobleme, Gelenksprobleme und die Zuckerkrankheit etc.. 

Zusätzlich erleiden JägerInnen häufiger ein Knalltrauma durch fehlenden Gehörschutz. Außerdem führen Outdoor-Aktivitäten zu einer Häufung bei Hautkrebs (Melanome). Die Verwendung von Sonnenschutz-Cremes ist daher notwendig. 

 

Was raten Sie DiabetikerInnen beim Jagen? 

Bei DiabetikerInnen ist es ratsam, den Blutzucker vor der jagdlichen Ausübung zu messen und einen Traubenzucker im Rucksack mitzunehmen. 

Sobald Diabetes-PatientInnen erste Anzeichen einer Unterzuckerung bemerken, sollten sie rasch Traubenzucker zu sich nehmen. Glukose und langsam ins Blut gehende Kohlenhydrate gehören aus diesem Grund auch zur Jagdausrüstung. 

 

Wie bereitet man seinen Körper auf längere Pirschgänge vor? 

Dazu muss man zuallererst verstehen, dass Pirschen nicht Wandern bedeutet. Wandern heißt, sich eine Karte zur Hand zu nehmen, das Wetter zu beachten, gutes Schuhwerk zu tragen und ggf. Jause mit sich zu haben etc. Wandern kann ein gutes Training für das Jagen an sich sein. 

Beim Pirschen muss das Wetter v.a. hinsichtlich des Windes beachtet werden, es gibt auch keine Wegmarkierungen und oftmals muss ein Umweg gemacht werden. Das Gepäck kann mitunter schwerer sein und manchmal muss alles ganz schnell gehen. Für das Jagen benötigt man Zeit und der Genuss soll stets im Vordergrund des möglichen Jagderlebnisses stehen. Es macht wenig Sinn, sich gestresst abzukämpfen und mit viel zu hohem Puls einen Schuss zu versuchen. 

 

Gerade beim Klettern auf den Hochsitz wird der gesamte Bewegungsapparat stark beansprucht – worauf sollte man hier besonders achten? 

Hier rate ich den JägerInnen sich Zeit für die richtige Vorbereitung zu nehmen. Wichtig beim Ansitzen auf dem Hochsitz sind eine sichere Leiter mit einem korrekten Sprossenabstand. Beim Besteigen des Hochsitzes immer auf die Dreipunkt Fixierung mit Händen und Füßen achten und auf schweres Gepäck lieber verzichten. Achten Sie auch auf einen stabilen Sitz mit guter und trockener Sitzmöglichkeit. 

 

Wichtig beim Ansitzen auf dem Hochsitz sind eine sichere Leiter mit einem korrekten Sprossenabstand.

 

Jagen macht Freude, hält fit und beschert uns viele bleibende Eindrücke - manchmal aber auch Nackenverspannungen und das „Kreuz mit dem Kreuz“. Wie kann man sein Kreuz vor Schmerzen schonen? 

Wählen Sie für die Jagd einen Rucksack in einer passenden Größe. Wenn das ausgewählte Modell zu groß ist, wird der Rücken falsch belastet und es kommt zu Schmerzen. 

Richtig fixiert trägt man das meiste Gewicht auf dem Beckenkamm und der Rücken wird entlastet. Beim Packen des Rucksacks achten Sie darauf, schweren Proviant möglichst nah am Rücken zu platzieren und immer nur das Nötigste mitnehmen. Ich rate hier den PatientInnen, die in unserer Abteilung vorstellig werden, zu neueren Modellen mit Brustgurten und Lendenstütze. Verschwitzte Bekleidung unter dem Rucksack sollte man unbedingt vermeiden. Daher rate ich, die Kleidung zeitnah zu wechseln, um eine Verkühlung im Rücken- und Nierenbereich zu vermeiden. 

 

Bewegungsexperte und selbst Jäger: Der Orthopäde und Traumatologe EOA Dr. Matthias Leitner, MSc kennt die Beschwerden der JägerInnen an den Knien, den Hüften und dem Rücken

 

Notfall im Revier – was tun? 

Wie reagiert man richtig, wenn es zu einem Sturz von einem Hochsitz kommt oder z. B. Erste Hilfe bei Schnitt- oder Schussverletzungen notwendig ist? 

Während Messerverletzungen häufig, in der Regel aber nicht kritisch verlaufen, sind Stürze von Hochständen oder Ansitzleitern oft Ursache von Querschnittverletzungen des Rückenmarkes. 

 

Wichtig hierbei sind folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen: 

  • Notruf absetzen, sofern es einen Handyempfang gibt 
  • Waffe sichern und sich nicht selbst in Gefahr begeben. 
  • Abwarten auf Einsatzkräfte 
  • Das Geschehen schildern 
  • Selbstständige Bergung nur wenn möglich (bei Wirbelsäulenverletzung keinesfalls selbst bergen) 
  • Schnittwunden gehören medizinisch versorgt und der Tetanusimpfschutz kontrolliert. 

 

Bei einem Herz-Kreislaufstillstand infolge eines Unfalls oder medizinischen Notfalls wie etwa einen Herzinfarkt, gilt es die ABC Regel zu beachten: 

 

Das ABC Schema besteht aus den folgenden Schritten: 

 

Airway (Atemwege) 

Die Atemwege müssen freigelegt werden: der Kopf wird leicht nach hinten gelegt und wenn nötig der Mund geleert. Zudem werden enge Kleidungsstücke (Krawatte, Hemd, Kette), die die Atmung erschweren könnten gelockert. 

 

Breathing (Atmung) 2 Atemstöße Mund-zu-Nase-Beatmung 

 

Circulation (Kreislauf) 

Falls die Atmung nach 2 Atemstößen nicht wieder einsetzt, muss sofort mit einer Herz-Druck-Massage im 30/2 (Kompressionen/Beatmungen) Rhythmus begonnen werden. Falls ein Defibrillator zur Verfügung steht, sollte dieser verwendet werden. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung und Defilibration werden solange fortgeführt, bis der/die PatientIn dem/der SanitäterIn übergeben werden. 

 

Welche Gefahren gibt es im Zusammenhang mit Schussunfällen? 

Ein wesentliches Problem bei der Verhütung dieser Unfälle liegt in dem zum Teil häufig mangelhaften Sicherheitsbewusstsein von JägerInnen. 

Schussverletzungen sind relativ seltene, aber häufig tödliche Unfälle, wobei falscher Waffengebrauch, falsche Lagerung sowie das Verwechseln von Jägern und Treibern mit dem Wild die häufigsten Ursachen sind. Ein besonders gefährlicher – weil dem/der Schützen/In in der Regel nicht bewusster – Modus tödlicher Schussverletzungen bei der Jagd geht von durchschlagenden Projektilen aus, welcher besonders bei der Schwarzwildjagd auftritt, da hier Patronen mit hoher Durchschlagenergie auf kurze Distanzen eingesetzt werden. 

 

In diesem Sinne, Waidmannsheil! 

A.ö. Krankenhaus der Elisabethinen Klagenfurt GmbH
Völkermarkter Straße 15-19
9020 Klagenfurt am Wörthersee

 

Tel. 0043 463 5830 0
Fax: 0043 463 5830 2060

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