Trauer um Frater Ulrich Fischer OH

Schon mit 31 Jahren hatte er erstmals ein Leitungsamt im Orden übernommen, acht Jahre lang stand er als Provinzial an der Spitze der Österreichischen Ordensprovinz. Am 28. Jänner 2020 ist er nach langer schwerer Krankheit verstorben.

 

Als am 21. April 1946 Alois Fischer in Taufkirchen in Oberösterreich das Licht der Welt erblickte, war der Zweite Weltkrieg nur ein Jahr vorüber. Die Spuren, die der Krieg hinterlassen hatte, erforderten eine lange Phase der Aufarbeitung. Dass Alois zu einem Mitgestalter des Aufbruchs werden würde, war sicherlich niemandem bewusst. Seine berufliche Laufbahn begann bereits im Alter von 14 Jahren. Er wurde landwirtschaftlich tätig und legte dann als Maurer nicht nur in baulicher Hinsicht Grundsteine, nein, er legte hier auch Grundsteine für seine spätere Tätigkeit als Architekt und Baumeister innerhalb des Ordens der Barmherzigen Brüder.

 

Doch bis es soweit war, war der Weg des jungen Alois noch steinig und nicht linear. Der Kontakt zu den Barmherzigen Brüdern war zaghaft und als er sich entschloss, in den Orden einzutreten, war er, der nun Frater Ulrich hieß, einige Zeit mit einem Bein noch auf weltlichem Boden. Doch als er am 2. Mai 1976, dem Tag seiner feierlichen Profess, in St. Florian am Inn umso kräftiger und lauter Ja zum Ordensleben sagte, war nun ein Bruder im Orden, der die ihm von Gott verliehene Gestaltungskraft zu nutzen wusste.

 

Beim Spatenstich für das neue Altenheim in Kritzendorf im November 2016
Frater Ulrich als Provinzial der Österreichischen Ordensprovinz (2013)
Abendessen mit den Mitbrüdern des Wiener Konvents im Refektorium im Jahr 2015
Im Büro im Jahr 2015
Interprovinzielle Kommission in Wien mit dem Bayerischen Provinzial Benedikt Hau
In der Wiener Klosterkirche bei der Feierliche Profess von Frater Thomas im Jahr 2014
Beim Festakt zum 400-Jahr-Jubiläum des Wiener Brüder-Krankenhauses 2014 im Wiener Rathaus

 

Zunächst war er in Wien in der Spitalmeisterei tätig und brachte Ordnung in ein System, das in die Jahre gekommen war. Danach wurde er Prior von Kritzendorf und dort federführend für die Planung und den Bau des Alten- und Pflegeheimes, wie wir es bis 2017 kannten, verantwortlich. In Kritzendorf war er von 1977 bis 1983 im Amt. Am 13. Mai 1983 wurde er in das Amt eines Definitors und damit erstmals zu einem Teil der Provinzleitung berufen. Zudem wurde er Prior von Kainbach. Die „Pflegeanstalt“ war nach dem Krieg nicht so stark von einer Qualitätsverbesserung gesegnet gewesen, wie die Krankenhäuser in der Provinz und Frater Ulrich sah sich vor gewaltigen Herausforderungen. Gott hatte ihm gezeigt, dass hier etwas zu tun sei und er der richtige Mann wäre, der diese Verbesserungen nach und nach, mit großer Zähheit und gestärkt durch seine bisherigen Erfahrungen, auf den Weg bringen könne. Frater Ulrich nahm diese Herausforderungen an, legte diese Last auf seine Schultern und schritt voran.

 

Unter seine Führung wandelte sich die Anstalt in einen Ort, an dem die Menschen besser und würdevoller leben konnten. Er begann Strukturen einzuführen und bauliche Veränderungen vorzunehmen. Klug sammelte Frater Ulrich Liegenschaften der Umgebung, um ein Wachstum zu ermöglichen und die finanzielle Situation zu stabilisieren. Um den Brüdern auch die Möglichkeit für etwas Erholung vom schwierigen Arbeitsalltag im Pflegezentrum zu bieten, ließ er auf einem Hügel ein Konventgebäude errichten. In Kainbach blieb er bis Mitte 1995. Da er immer wusste, bis wohin seine Kräfte reichen würden, legte er aus eigenem Entschluss eine Pause in der Verantwortung ein, ehe er gestärkt ab 1998 Prior von Wien wurde.

 

Dort fand er ein neu errichtetes Gebäude, das unter Pater Prior Paulus entstanden war, vor und er sagte einmal den Satz: „Das Haus ist schön gerichtet, nun müssen wir an unserer inneren Organisation bauen.“ Selbstverständlich gingen die Bauarbeiten nicht zurück. Wir erinnern uns an die Phase der OP-Container im Innenhof, den Bau der Dialyse, die Etablierung der Ambulanz für Gehörlose und die Schaffung einer Inquisitenstation. Auch in Fragen der Strategie war Pater Prior Ulrich wieder weitsichtig unterwegs, indem er in schwierige Verhandlungen mit dem Eigentümer des Eckhauses Taborstraße 18 trat, der letzten Möglichkeit für eine bauliche Erweiterung des Krankenhauses. Gute persönliche Kontakte pflegte er auch zu jenen Damen und Herren, die als Wohltäter den Konvent Wien unterstützten. In ihm hatten sie stets einen wohlwollenden Gesprächspartner, der ihre Sorgen und manchmal auch Ängste sehr ernst nahm und half, wo er konnte.

 

Am 5. November 2007 wurde Frater Ulrich Fischer im 75. Provinzkapitel erstmals zum Provinzial gewählt und bereits zum Ende der Amtsperiode stand fest, dass die Taborstraße 18 auf die Barmherzigen Brüder übergehen würde. In sein Amt als Provinzial begleitete ihn auch weiterhin das Amt des Priors von Wien. In diese Amtszeit fiel die Eingliederung der Tschechischen Ordensprovinz in Form einer Provinzdelegatur in die Österreichische Ordensprovinz. Diese Veränderung war begleitet von vielen Ängsten, aber Frater Ulrich konnte auf brüderliche Weise beweisen, dass diese Vereinigung von gutem Willen getragen war. Bedeutend waren auch die Weichenstellungen hinsichtlich der Führungsstrukturen in allen apostolischen Werken der Ordensprovinz, nicht zuletzt durch die Einführung der Rolle des Gesamtleiters zur Unterstützung des Rechtsträgervertreters an jedem Standort.

 

Auf seine Initiative geht auch die zukunftsweisende Zusammenarbeit mit der damaligen Wiener Gebietskrankenkasse und dem Wiener Krankenanstaltenverbund im Bereich der Dialyseversorgung zurück, sodass 2009 in Wien Donaustadt das größte Dialysezentrum Europas eröffnet werden konnte.

 

Beim Seelsorgekongress zum 400-Jahr-Jubiläum des Wiener Brüder-Krankenhauses 2014
Beim Provinzkapitel 2014 mit dem damaligen Generalrat Rudolf Knopp (li.) und Generalprior Jesús Etayo Arrondo
Beim Provinzkapitel 2014 mit Generalprior Jesús Etayo Arrondo
Feierliche Profess von Frater Antonius im September 2011 in Graz
Diplomierungsfeier der Pflegeakademie im Jahr 2011
Frater Ulrich Fischer OH

 

Seine Wiederwahl zum Provinzial erfolgte am 25. März 2010 und schon einen Tag später feierte er sein 40. Professjubiläum (das immer ab der ersten einfachen Profess gerechnet wird). 2014, im Jahr des 400-Jahr-Jubiläums des Konventes Wien, wurde Frater Ulrich zum dritten Mal zum Provinzial gewählt und er nahm diese Wahl in großer Demut aber auch mit Sorge an. Wie bereits 1995 fühlte er, dass für ihn persönlich eine Pause von Oberen-Ämtern notwendig wurde. Nach den Jubiläumsfeierlichkeiten in Wien und Graz legte er am 20. Juni 2015 dem Generalprior Frater Jesús Etayo seinen schriftlichen Rücktritt vom Amt des Provinziales vor. Pater General nahm diesen Rücktritt im Wissen um die gesundheitlichen Herausforderungen, vor denen Frater Ulrich stand, an und betraute Frater Joachim Mačejovský mit dem Amt des Provinzials. Auf Bitte des neuen Provinzials nahm er die Rolle des Rechtsträgervertreters von Kritzendorf an und brachte sich bis zuletzt in der Planung und Konzeption des neu entstandenen Hauses in Kritzendorf ein.

 

Auf seinem Weg durch diese vielen Stationen, Aufgaben und Ämter war Frater Ulrich immer bereit, eingefahrene Muster querzudenken, Krusten aufzubrechen und mutig Pionierarbeit zu leisten. Er war dabei oftmals nicht nur leichtem Gegenwind, sondern auch großen Orkanen ausgesetzt. Standhaft wie eine solide gebaute Mauer blieb er für seine Überzeugungen stehen und navigierte so die Ordensprovinz auch durch unbequeme und überaus herausfordernde Situationen. Und das alles immer aus dem Blickfeld, was gut für die Patienten, Bewohner, Betreuten und die Mitarbeiter sein wird – also ganz im Geiste des Ordensgründers, des hl. Johannes von Gott.

 

Es war oft nicht vorhersehbar, in welcher Form und Ausprägung Frater Ulrich vorliegende Projekte querdenken würde und welche Überraschungen er seinem Gegenüber aufzubieten hatte. Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass er für seinen letzten Lebensweg eine Entscheidung getroffen hat, die ihm und seinen Wünschen entspricht und gleichzeitig für andere Menschen nützlich sein wird. Er beschloss, seinen Leichnam dem Anatomischen Institut für die Ausbildung von Jungmedizinern zu überlassen. Denn die Ausbildung war ihm immer wichtig. Das hat zur Folge, dass wir für ihn beten, uns an ihn erinnern, ihn im Gedenken um seinen Rat fragen können. Aber wir können ihn nicht begleiten und nicht in der Grabstätte der Barmherzigen Brüder beisetzen. So trägt der Abschied von ihm dieselbe gestalterische Handschrift, die vielen apostolischen Werken im Inneren und Äußeren zu Eigen sind: jene des Frater Ulrich Fischer.

 

Frater Ulrich Fischer ist am 28. Jänner 2020, versehen mit den Hl. Sakramenten, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien verstorben.

 

Orientieren wir uns an seinem gelebten Beispiel: dem Mut zum Wagnis, dem Mut zur Erneuerung, dem Mut, sich selbst zu hinterfragen und die eigenen Kräfte einzuschätzen. So können wir das Werk des hl. Johannes von Gott weiterführen.

 

 

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365 Zeugnisse
Der gelebten Gastfreundschaft

    

 


 

     
 

 Hand in Hand

 01/2020

 

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