Werdegang

 

Nach Jahren der Vorbereitungszeit konnte die Lebenswelt Schenkenfelden im Juli 1999 mit ihren ersten 12 KundInnen die Arbeit aufnehmen. Im September 1999 folgte die feierliche Einweihung des Gerstl-Hauses, im Juni 2000 jene des Wohnhauses.

 

Die Idee zu diesem Projekt entstand in der Gehörlosenambulanz, die 1991 gegründet worden war. Die tägliche Arbeit zeigte schon bald, dass mehrfachbehinderte Gehörlose und Taubblinde oft nur in einem für sie geeigneten Lebensraum mit adäquaten Betreuungsangeboten richtig gefördert werden können. Die Suche nach einem geeigneten Objekt für die Umsetzung begann.

 

Der Initiator der Lebenswelt Schenkenfelden, Prim. MR Priv.-Doz. Dr. Johannes Fellinger und seine Familie entschlossen sich, das Gerstl-Haus in Schenkenfelden für dieses Projekt entgeltlos zur Verfügung zu stellen.

 

Prim. Dr. Fellinger verbindet vieles mit der Gehörlosenwelt. Als Sohn des mit 16 Jahren ertaubten Künstlers Prof. Matthäus Fellinger wendete er sich schon während seines Medizinstudiums den Nöten der Gehörlosen zu. Sein Schwiegervater, Prof. Helmut Berger war ebenfalls ein ertaubter Künstler.

 

Erste konkrete Realisierungsschritte wurden gesetzt, als die Marktgemeinde Schenkenfelden 1995 beschloss das alte Gemeindehaus zur Verfügung zu stellen, damit dies nach Umbauarbeiten als Wohngebäude genutzt werden kann. Die Sozialabteilung des Landes OÖ unter Landesrat Josef Ackerl sicherte finanzielle Unterstützung zu. Der Spatenstich erfolgte 1997. Zu dieser Zeit begann auch die Ausbildung der künftigen gehörlosen und hörenden MitarbeiterInnen. Für die gehörlosen BetreuerInnen wurde eigens eine dreijährige Fachschule für Sonderbehindertenbetreuung mit Gebärdensprache als Unterrichtssprache, die heutige visCom, gegründet. Die visCom wird heute als Schule für Sozialbetreuungsberufe geführt, die nach 2 Jahren einen Abschluss als FachsozialbetreuerIn und nach 3 Jahren einen Abschluss als DiplomsozialbetreuerIn ermöglicht.

 

Durch Co-Finanzierung der Kulturabteilung und der Abteilung Ortsentwicklung war es möglich, das Gerstl-Haus in seinem historischen Bestand zu belassen und Teile davon auch als Museum („Krämereimuseum“) der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, womit für die Behinderteneinrichtung eine Brücke zur Außenwelt geschaffen werden konnte.

 

Die erste Erweiterung der Lebenswelt fand im Jahr 2005 mit der Eröffnung der Linz-Werkstatt als Außenstelle der Lebenswelt Schenkenfelden statt. Sie bietet vier weiteren KundInnen Raum für fähigkeitsorientierte Aktivität und arbeitet eng mit der Therapiewerkstatt des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie zusammen. Im Jahr 2008 wurden durch die Erweiterung in der Hintergasse 1 in Schenkenfelden neun weitere Wohnungen geschaffen.

 

Der hohe Bedarf der adäquaten Betreuung von Gehörlosen mit Mehrfachbeeinträchtigungen machte es möglich zu expandieren.

 

Im Juni 2011 wurde die zweite Lebenswelt in Pinsdorf feierlich eröffnet. In den therapeutischen Werkstätten der Arbeitswelt gibt es Platz für bis zu 20 KundInnen, 13 davon haben in der Wohnwelt ein Zuhause gefunden.

 

Die gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Volksschule brachte ein Projekt hervor, aus dem ein eigener Verein – die Lesewelt Pinsdorf – gegründet wurde. Der Verein setzt sich für das Miteinander von Hörenden und Gehörlosen im Ort ein und gewann bereits zahlreiche Sozialpreise.

 

Die Eröffnung der dritten Lebenswelt in Wallsee (Niederösterreich) folgte im Oktober 2014.

Hier gibt es Platz für bis zu 20 BewohnerInnen der Wohnwelt und 25 KundInnen der Arbeitswelt. Auch an diesem Standort war die Gemeinde ein wichtiger Partner und Unterstützer bei der Realisierung.

 

Die bei den Bauarbeiten der Wohnwelt freigelegten Mauern eines Römerkastells konnten erhalten bleiben und werden vom örtlichen Römermuseum der Bevölkerung zugänglich gemacht.

 

2017 konnte ein weiteres Gebäude im Ort Wallsee, das Schleckerhaus, angekauft werden. Dort entstand eine Werkstätte, die die beengten Räumlichkeiten der Arbeitswelt entlastet.

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LEBENSWELT
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