Interviews: Distance Learning an der Pflegeakademie

Lehrer*innen  und  Studierende standen uns Rede und Antwort.

 

Befragt wurden drei Lehrer*innen für Gesundheits- und Krankenpflege an der Pflegeakademie:  Mag. Margaretha Fürbaß, DGKP (MF), Mag. Petra Hallermaier-Sterer (PHS), DGKP und Florian Waltner, BScN, DGKP (FW)

 

Welche Veränderungen gibt es an der Pflegeakademie aufgrund der COVID-19-Pandemie?

Eigentlich hat sich der gesamte Arbeitsalltag geändert. Besprechungen und Konferenzen finden virtuell statt, Student*innen lernen von zu Hause aus, viel Flexibilität und Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien werden gefordert, andererseits jedoch auch eingebracht. Wir halten Unterricht über ZOOM ab und machen unsere ersten Erfahrungen mit Distance und Blended Learning. (FW)

 

Wie hat sich Ihr Lehralltag geändert?

Dieser hat sich massiv verändert, wobei ich persönlich diese Veränderung nicht als negativ erlebt habe. Nach der ersten Umstellung, welche naturgemäß immer mehr oder weniger holprig ist, hat sich der Lehralltag sehr rasch den neuen Gegebenheiten angepasst. In der ersten Zeit nach dem 16.03. waren die Student*innen über die vielen Arbeitsaufträge verwundert und ich schätze auch überfordert. Daher war es mit wichtig, rasch Alternativen für das Distance Setting zu finden. Ich habe sehr von den guten Inhalten des Teaching Support Centers an der FH profitiert und mir viel Input vom Campus Connect geholt. So konnte ich Blended Learning entsprechend den hochschuldidaktischen Anforderungen in meine Vorlesungen integrieren. Die Student*innen haben sehr verständnisvoll auf die häufigen und zeitlich teils knappen Änderungen reagiert. Daher und Dank des theoretischen Inhalts konnte ich meine Inhalte auch im Distance Setting vermitteln. In der letzten LV waren dann sogar virtuelle Gruppenarbeiten und das Arbeiten an einem virtuellen Whiteboard kein Problem mehr. (FW)

 

Wie werden derzeit in Ihren Unterrichtsgegenständen der Unterricht und die Prüfungen abgehalten?

Die Umstellung des Unterrichts auf Distance Learning musste quasi über Nacht erfolgen. Der Unterricht wird per Fernlehre abgehalten. Das heißt, die Studierenden müssen neue Inhalte selbstständig erarbeiten. Sie bekommen nun Arbeitsaufträge in Form von gezielt konstruierten, gegenstandsbezogenen Fällen mit Leitfragen, Diskussionsforen in Moodle mit der Lehrperson und vertonte Powerpoint-Vorträge, um der Methodenvielfalt Rechnung zu tragen. Auch die Prüfungen wurden digitalisiert. Das heißt, statt der schriftlich/mündlichen Prüfungen im Lehrsaal musste nun auf Moodleprüfungen im Multiple-Choice Format oder ZOOM-Vidoekonferenzprüfungen umgestellt werden. Die Lizenzen für Videokonferenzprogramme mussten aber erst erworben werden, der Umgang damit erlernt werden und auch das Erstellen von Prüfungen im neunen Format wurde pädagogisch und auch technisch im Selbststudium der Lehrpersonen erarbeitet. (MF)

 

Gibt es etwas aus Ihrer aktuellen Lehrsituation das für die Zukunft auch in den regulären Studienbetrieb eingebaut werden sollte? Und wenn ja was?

Ja, Blended Learning bzw. Flipped Classroomkonzepte sollten weiter forciert werden - den Anstoß dazu hatten wir jetzt sehr spontan, aber es ist die Zukunft, dass auch in der Lehre mehr mit digitalen Medien gearbeitet wird. Diese Medien können aber nicht für den Erwerb von psychomotorischen Kompetenzen und sozio-kommunikativen Kompetenzen eingesetzt werden. Dafür ist der Präsenzunterricht sehr wichtig. (MF)

 

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Sicht der Gesellschaft auf Berufe in der Pflege durch die Corona-Epidemie verändert?
Die Sicht der Gesellschaft auf Pflegeberufe hat sich sicherlich geändert. Die mediale Berichterstattung trägt auch einiges positiv dazu bei, um die Pflege als systemrelevanten Beruf in der COVID-19-Pandemie wahrzunehmen. Ich glaube, dass es wichtig wäre, nach der COVID-19-Pandemie auch auf die Rahmenbedingungen in der Pflege zu schauen, um diese für junge Menschen als attraktive Ausbildungs- und Berufswahl zu gestalten. (PHS)

 

Befragt wurden zwei Studierende: Stefanie Binter, Bcs (SB) vom Universitätslehrgang Intensivpflege und ein Studierender des Bachelorstudiums Gesundheits- und Krankenpflege (GuK)

 

Welche Veränderungen gibt es in Ihrem Studium aufgrund der Corona-Epidemie?

Die wichtigste und gleichzeitig auch schwierigste Veränderung war die Isolation. Wir sind eine sehr aufgeweckte und liebenswerte Gruppe und es war eine Freude tagtäglich mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu sprechen, Kaffee zu trinken und gemeinsam zu lernen. Doch wir waren durch unsere WhatsApp Gruppe die ganze Zeit über gut miteinander verbunden. Jeder berichtete aus den verschiedenen Arbeitsstandorten und wir schickten Fotos. Ich denke, auch in dieser Zeit haben wir besonders gut als Gruppe zusammengehalten und Erfahrungen, Sorgen und Ängste miteinander geteilt. (SB)
 

Die Präsenzeinheiten wurden abgesagt und das Studium findet hauptsächlich über die E-Learning Plattform und Videokonferenzen statt. Die Anzahl der Arbeitsaufträge ist gestiegen und die eigene Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsstoff ist gefragt. (GuK)

 

Wie hat sich Ihr Studienalltag geändert?

Der Alltag hat sich für mich stark verändert. Die Lernzeiten zu Hause kann ich mir selbstständig flexibel einteilen, daher passiert es leider oft, dass ich zu erledigende Arbeiten oder Stunden, die ich für Prüfungen lernen muss, bequem auf den nächsten Tag verschiebe. Am Anfang hatte ich dadurch sehr viel Stress, da sich die Arbeit gestapelt hat und ich dann vieles an einem Tag erledigen musste. Ich brauchte knapp 2 Wochen, um einen Lern- und Arbeitsrhythmus zu finden, der für mich gepasst hat. (SB)

 

Es fällt mir schwer, mich zum Lernen und zum Ausarbeiten von Arbeitsaufträgen zu überwinden. Das liegt in erster Linie daran, dass es im Internet Unmengen von Fachartikeln, Studien, etc. zu einem Thema gibt. Die Fülle an Informationen einzugrenzen und das Wesentliche herauszufiltern ist eine Herausforderung und blockiert mich manchmal. Außerdem fehlt es mir in der Pflegeakademie zu sein und in einer Lehreinheit Fragen direkt an die*den Vortragende*n stellen zu können um einen besseren Überblick in der Materie zu bekommen. Der Unterricht in den Videokonferenzen ist nicht dasselbe. Für mich fehlt in manchen Lehrveranstaltungen ein guter, konstruktiver Input, der durch das Distance Learning nicht kompensiert werden kann. (GuK)

 

Gibt es etwas aus Ihrer aktuellen Studiensituation das für die Zukunft auch in den regulären Studienbetrieb eingebaut werden sollte? Und wenn ja was?

Ja definitiv- Distance Learning ist sicherlich anstrengender und herausfordernder, jedoch waren unsere Professoren immer greifbar und erreichbar, wenn Fragen oder Probleme aufgekommen sind. Es wäre möglich, nicht prüfungsrelevante Fächer in dieser Art Learning selbstständig zu erarbeiten- ich bin sogar davon überzeugt, dass dies auch einen sehr großen Lerneffekt hat. (SB)

 

Ich bin mit der Art des Studiums sehr zufrieden und habe mich auch bewusst für diese Studienrichtung entschieden. Nach fast zwei Monaten wünsche ich mir sehr, dass der normale Studienbetrieb mit Präsenzunterricht wieder aufgenommen wird. (GuK)

 

Hat sich Ihre Sicht auf Ihr Studium/Ihren Beruf durch die Corona-Epidemie verändert?

Ich denke, es wurde jedem Intensivpfleger gerade in dieser Zeit bewusst, dass wir ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind und dass es ohne uns nicht ginge. Diese Krise hat meine Entscheidung zu meinem Beruf und auch zu dem jetzigen Studium nochmals bestärkt. Ich bin froh und dankbar, dass ich ein Teil des ersten "Universitätslehrgangs Intensivpflege" in Wien sein darf und ich hoffe, dass sich noch viel mehr Gesundheits- und Krankenpfleger*innen dazu entscheiden werden diese Ausbildung zu machen. (SB)

 

Ja, das Studium ist schon bei normalem Studienbetrieb nicht einfach und zeitaufwendig, doch durch das Distance Learning wurde es noch herausfordernder. Es ist viel Disziplin und Eigenverantwortung gefordert. Ich schätze den Präsenzunterricht und die Kompetenz der Lehrenden noch viel mehr als zuvor. Meine Sicht auf die Pflege als Beruf hat sich nicht verändert, da mir schon vor der Corona-Epidemie bewusst war, welchen Stellenwert der Beruf in der Gesellschaft hat. (GuK)

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