Kunst im Spital VII

Noma - Das Gesicht der Armut

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Hilfseinsatz Noma
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Hilfseinsatz Noma

 

 

NOMA - Das Gesicht der Armut

Ein weit verbreitetes Krankheitsbild in den ärmsten Ländern der Welt

Im Kinderdorf in Niamey, Niger warten Kinder auf Hilfe. Ihre Gesichter, abgesehen von den offensichtlichen Problemen spiegeln Traurigkeit und Leid. Sie warten, lassen sich untersuchen, stehen ihren Behandlungen und Operationen tapfer gegenüber. Dieser Mut und das Vertrauen der kleinen Patienten berührt mich jedes Mal aufs Neue. Sie haben zumindest den ersten Kampf gewonnen, die NOMA-Erkrankung überlebt.

 

NOMA (auch: Stomatitis gangraenosa, Nekrotisierend-ulzeröse Stomatitis) ist eine schwere bakterielle Erkrankung. Ausgehend von Bakterien und Keimen der Mundflora kommt es bei einer entsprechend geschwächten Abwehrlage zu einer Infektion der Mundschleimhaut. Die Infektion breitet sich aus und zerstört das umliegende Weichteil- und Knochengewebe des Gesichts.

Besonders betroffen sind die ärmsten Länder der Welt, vorwiegend in Afrika, Länder der
Sahelzone südlich der Sahara, aber auch Länder in Asien und Südamerika. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich zwischen 80.000 und 90.000 Kinder an dieser Krankheit, jedoch gibt es bis heute keine gesicherten Erhebungen zur Prävalenz. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

NOMA befällt in der Regel Säuglinge und Kleinkinder, die, einmal abgekoppelt von der Muttermilch, nicht fähig sind ein ausreichendes Immunsystem zu entwickeln und Opfer dieser NOMA –Erkrankung werden. Die mütterliche Immunabdeckung entfällt und das Immunsystem wird weiter geschwächt durch die Fehl- bzw. Unterernährung (Mangel an Eiweiß, Vitaminen und Elektrolyten), Vorerkrankungen wie z. B. Masern, Mumps, Röteln und mangelnde (Mund-) Hygiene. Das Abwehrsystem kann ohne entsprechende Antibiotika - Therapie diese Infektion kaum bekämpfen und so verläuft diese Erkrankung meist tödlich (70 - 90%).

NOMA verläuft in vier Stadien. Beginnend mit Zahnfleischbluten und Entzündungen der Mundschleimhaut. Weiter kommt es zum Auftreten von Fieber und Schmerzen, schließlich zur Gewebezersetzung, begleitet von Durchfällen und einer zunehmenden Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Der Gewebeverlust schreitet weiter fort und kann neben dem Weichteilgewebe wie Lippe und Wange auch Kieferknochen, Gaumen, Nase, Augenhöhle oder alle Gesichtsteile zusammen betreffen. Eine Antibiotika-Therapie zur rechten Zeit bringt die Infektion zum Stillstand. Die Medikamente sind jedoch den Menschen in vielen Wüstendörfern der Sahara nicht zugänglich, sodass der Kampf zu oft mit Sepsis und Tod der Betroffenen endet.

Überleben diese Kinder, müssen sie oft mit schweren Entstellungen und Funktionseinschränkungen weiterleben. Die Entstellung des Gesichts führt oftmals zu sozialer Ausgrenzung und Isolation. Obwohl nach Abheilung der Erkrankung wieder gesund, sind die Kinder für eine normale soziale Entwicklung und Lebensführung verloren.

Eine Verbesserung der Nahrungssituation, bessere hygienische Umstände, sauberes Trinkwasser sowie die Zugänglichkeit zu Antibiotika würden dieser Krankheit Einhalt gebieten.

Das Engagement des österreichischen NOMA –Hilfsverein, besteht zum einem in der Aufklärungsarbeit und Prävention (Durchführung der Antibiotika - Therapie, Hilfe bei Unterernährung), aber vor allem in der Durchführung von Operationen zur Rekonstruktion der Defekte und Wiederherstellung der Funktionen wie kauen, trinken und sprechen.

1997 wurden Prof. Dr. Jürgen Holle und sein Team nach Regensburg an die Universität für Hals-Nasen-Ohrenerkrankungen gerufen und erstmals mit NOMA - Patienten konfrontiert. Anschließend erfolgte die Gründung des Österreichischen Vereins zur Unterstützung von NOMA-Kranken in Kooperation mit dem bereits bestehenden NOMA Hilfsverein Deutschland.

Mittlerweile hat Prof. Holle die verantwortungsvolle Aufgabe der Vereinsleitung sowie der Planung und Durchführung der Einsätze an Dr. Harald Kubiena, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, übergeben. Seit Beginn mit dabei ist OP- Schwester Ulli Nothegger, Herz und Seele der Organisation. Andere Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger schlossen sich an, so dass es mittlerweile möglich ist, bis zu 3 Einsätze pro Jahr in Niger und auch in Guinea Bissau durchzuführen. In diesen beiden Ländern wurde je eine Klinik als fixer Stützpunkt zur Hilfe für NOMA - Erkrankte eingerichtet.

„Das Durchführen, verfügbar Machen plastisch rekonstruktiver Behandlungen sowie die Unterstützung und Weiterentwicklung lokaler medizinischer Kräfte", wie es Dr. Kubiena ausdrückt, sind Inhalt der Hilfsarbeit. Die enge Zusammenarbeit mit dem deutschen Hilfsverein NOMA, der sich gemeinsam mit dem einheimischen Team vor Ort um die Infrastruktur, das Auffinden und die Nachbetreuung der Patienten kümmert, gewährleistet die Nachhaltigkeit der NOMA - Hilfe. Die Nachkontrolle, gegebenenfalls auch die Durchführung weiterer korrigierender Eingriffe bei den nächsten Einsätzen ist enorm wichtig und somit gegeben.

Seit 2016 bin ich Teammitglied der NOMA Hilfe Österreich. Seit Beginn meines Studiums war es mein festes Ziel, ein tiefer Wunsch, an Hilfsaktionen teilzunehmen. Helfen zu können, wo Hilfe gebraucht wird, in den ärmsten Ländern der Welt. Seit einem missglückten Einsatz im Jahr 2015 in Afrika mit einem anderen Team, weiß ich wie wichtig ein funktionierendes, harmonisches Team und vor allem die Organisation sind. Deswegen bin ich nun wirklich dankbar und glücklich, bei der NOMA - Hilfe Österreich meinen Platz gefunden zu haben. Die Kompetenz, Motivation und Herzlichkeit von Harald, Ulli und den anderen Teammitgliedern berühren mich immer wieder. Auch die Zusammenarbeit mit dem einheimischen Team vor Ort funktioniert hervorragend, sodass die so wichtige Nachsorge für unsere kleinen Patienten gewährleistet ist.

Die Eindrücke sind nur schwer zu beschreiben, kaum in Worten auszudrücken. Faszinierend ist jedoch immer wieder die Tapferkeit, die die kleinen Patienten zeigen. Es sind anstrengende Tage, bereits bei der Ankunft beginnt das Triagieren der Kinder: das Operationsverfahren für jedes einzelne Kind wird überlegt und die Operationen für die kommenden Tage geplant. Oft warten bei unserer Ankunft zu einem 10-tägigen Einsatz bis zu 50 Kinder. Leider müssen immer wieder kleine Patienten auf einen späteren Einsatz verschoben werden, da sie noch zu schwach sind, das Akutstadium der Krankheit noch nicht überwunden haben und das Operationsrisiko zu groß wäre. Es werden Sekundäreingriffe zur Optimierung der Ergebnisse durchgeführt, diverse lokale Lappenplastiken (Gewebeverschiebungen zur Defektdeckung und Narbenlösung im Gesicht) sind die häufigsten Eingriffe. Distraktoren zur Aufhebung der Kiefersperre werden gebohrt, aber auch aufwendigste Operationen, wie freie Lappenplastiken (Gewebetransfer von z.B. Oberschenkel mit eigener Blutversorgung ins Gesicht) werden durchgeführt.

Es sind anstrengende Tage, gefüllt mit Operationen, teilweise Rückschlägen wenn wieder einmal ein wichtiges medizinisches Gerät ausfällt, dann heißt es improvisieren. Schließlich fällt man nach einer letzten nächtlichen Visite müde, aber glücklich über das Geschaffte ins Bett. So vergehen die Tage bei einem Einsatz wie im Flug und ein neuerlicher Abschied steht bevor. Dieser jedoch gemildert von der Gewissheit über ein Wiedersehen und die Fortführung unserer Einsätze und dass die Kinder in der Zwischenzeit vom einheimischen Team gut betreut sind.

Schon jetzt freue ich mich auf unsere weiteren Einsätze, der nächste im August 2017 in Niger und dann im November in Guinea Bissau.

Meinen besonderen Dank möchte ich meinem Chef und Mentor, Prof. Dr. Gottfried Wechselberger aussprechen. Ich durfte und darf viel von ihm lernen und er ermöglicht mir somit,

 

diesen kranken Kindern zu helfen. Auch der Hausleitung, die mein Reisegepäck mit kostbaren Gütern wie Medikamente, Instrumente und Verbandsmaterial bestückt, gilt mein großer Dank.

„Man kann die Welt nicht retten, sagt der Hartherzige, und rettet niemand" lautet ein Sprichwort. Ich jedoch bin der Meinung, dass jedes Kind alles wert ist. Auch wenn es nur ein kleiner Tropfen im Ozean ist, so können wir doch einigen Kindern helfen, vielleicht eine Tür in ein besseres Leben öffnen und ihnen ermöglichen, wieder sprechen, essen, trinken und auch lachen zu können.


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