Magenverkleinerung gegen Diabetes

Am 4. März ist der World Obesity Day („Welttag der Fettsucht“). Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit verfügt über eine langjährige Erfahrung mit Adipositas-Patienten. Jährlich werden rund 300 Operationen aufgrund von Fettleibigkeit durchgeführt.

 

Bei stark übergewichtigen Patienten mit Diabetes kommt es nach einer entsprechenden Magenverkleienerung mittels Magen-Bypass oder Schlauchmagen sogar zu einer massiven Verbesserung des Zuckerstoffwechsels. Chirurg und Erster Oberarzt Dr. Klaus Baumgartner spricht über den bahnbrechenden Therapieansatz am Ordenskrankenhaus in Kärnten, der es zuvor fettleibiger Diabetes- Patienten in den meisten Fällen sogar ermöglicht nach einer OP ohne Diabetes- Medikamente und Insulinspritzen zu leben.

 

In Österreich hat fast jeder Fünfte einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 und gilt daher als adipös (fettleibig). Bundesweit werden rund 3.500 Operationen aufgrund von Adipositas (Fettleidigkeit) durchgeführt. Für viele krankhaft Übergewichtige ist eine Magenoperation die letzte Hoffnung, ihr Gewicht zu reduzieren.

 

In den meisten Fällen geht Diabetes vom Typ 2 mit Übergewicht Hand in Hand. Jeder Zweite mit einem BMI ab 30 (das entspricht 97 kg oder mehr für eine 1,80m große Person) entwickelt irgendwann in seinem Leben Typ 2 – Diabetes. Unter Personen mit BMI-Werten ab 40 (mehr als 130 kg für eine 1,80m große Person) sind es bereits 9 von 10 Menschen.

 

 

Operationen zur Behandlung des Typ-2-DiabetesIn den letzten Jahren beobachtete man im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in St. Veit/Glan immer deutlicher, dass Magenverkleinerungen, ausgeprägte Effekte auf den Stoffwechsel ausüben. „Bei Diabetes Typ 2 kann eine Magen-Operation helfen, die Blutzuckerwerte deutlich zu senken“, so der Adipositas-Chirurg und Erste Oberarzt Dr. Klaus Baumgartner. „So belegen Studien, dass die sogenannte metabolische Chirurgie in 75 bis 95 Prozent der Fälle diesen "Anti-Diabetes-Nebeneffekt" erzielt. In manchen Fällen sinken die Werte sogar in wenigen Tagen so massiv, dass die Patienten überhaupt keine Insulinspritzen mehr benötigen.“ Diese Beobachtung löste in den letzten Jahren ein ausgeprägtes Forschungsinteresse aus. Auch die Adipositas-Experten des St. Veiter Spitals versuchen, u.a. durch die Teilnahme an internationalen Chirurgie-Kongressen, diese zu Grunde liegenden Mechanismen aufzudecken.

 

 

Pro Jahr werden am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan rund 300 Operationen aufgrund von Fettleibigkeit durchgeführt. Bei stark übergewichtigen Patienten mit Diabetes kommt es nach einer entsprechenden Magenverkleienerung mittels Magen-Bypass oder Schlauchmagen sogar zu einer massiven Verbesserung des Zuckerstoffwechsels. 

 

Zusammenhang mit dem Hormonstoffwechsel – im Magen-Darm-TraktSeit 25 Jahren ist Dr. Klaus Baumgartner Chirurg. Er beschreibt dazu: „Für die Normalisierung des Zuckerstoffwechsels sorgt die Entfernung eines großen Magenteils. Dadurch werden bestimmte Botenstoffe ausgeschaltet. Im Magen werden Hormone freigesetzt, welche die Ausschüttung und die Wirkungsweise von Insulin begünstigen. Dieses senkt den Blutzuckerspiegel.“

Mit der erfolgreichen OP sinkt auch das Risiko für gefährliche Diabetes-Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Augen-, Gefäß- und Nierenleiden.

 

 

Im Schnitt acht Jahre länger lebenOperationen zur Gewichtsabnahme reduzieren somit auch die Sterberate von schwer übergewichtigen, sprich adipösen Menschen. Aktuellen Daten zufolge kann damit die Lebenszeit um durchschnittlich acht Jahre verlängert werden.

 

 

Schlauchmagen und Magen-Bypass

In den letzten 15 bis 20 Jahren hat sich die Adipositas-Chirurgie enorm gewandelt. Operationen wie etwa das Magenband, das in den 1990er-Jahren oft verwendet wurde, werden am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit nicht mehr durchgeführt. Dafür sind andere Operationsmethoden in den Fokus gerückt: Die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation ist der Schlauchmagen (Sleeve-Resektion des Magens). Dabei wird der Magen schlauchartig verkleinert. Dadurch wird das Magenvolumen reduziert und es kann weniger Nahrung aufgenommen werden.

 

Die Magen-Bypass-Operation zur Behandlung des Diabetes ist dem Schlauchmagen etwas überlegen. Ein Magen-Bypass gilt als besonders effektiv und schnell wirksam. Von der Methode profitieren Diabetiker langfristig am meisten. Der Magen wird stark verkleinert, zusätzlich wird weiter unten der Dünndarm durchtrennt und durch eine feste Naht mit dem Magen verbunden. Die Nahrung wird über eine Umleitung (Bypass) verwertet. Dadurch verändert sich die Hormonaktivität im Magen-Darm-Trakt. „Dadurch stellt sich ein früheres Sättigungsgefühl ein“, so Dr. Baumgartner.

Beide OP-Methoden werden minimal-invasiv durchgeführt. „Dem Operateur reichen als Zugänge fünf kleine Schnitte mit Durchmessern von fünf bis zwölf Millimetern. Der Krankenhaus-Aufenthalt beträgt in der Regel fünf Tage“, weiß der Erste Oberarzt.

 

Portrait EOA Dr. Klaus Baumgartner

Chirurg und Adipositas-Experte EOA Dr. Klaus Baumgartner vom
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan

 

 

Aufwändige Abklärung - Gesamtkonzept „Magen-OP“So gut sich Magenverkleinerungen bewähren – Wundermittel sind sie keine. "Eine Adipositas-Operation ist immer nur ein Puzzleteil in einem Gesamtkonzept. Zurzeit müssen Betroffene den Eingriff per Einzelfallentscheidung vom Chefarzt der Krankenkasse bewilligen lassen. Daher beinhaltet die Indikationsstellung zur Operation eine aufwändige Abklärung durch ein interdisziplinäres Experten-Team, Chirurgen, Anästhesisten, Internisten sowie einer Psychologin und einer Diätberaterin.

Dazu gehören die internistische Durchführung einer Colo- und Gastroskopie (Magen- und Darmspiegelung). Eine psychologische Begutachtung durch das psychologische Team des Krankenhauses St. Veit ist ebenfalls notwendig, da für die Nachsorge einer Adipositas-chirurgischen Operation ein hohes Maß an Compliance der Patienten erforderlich ist.

 

 

Nährstoffmangel vorbeugenNeben den chirurgischen Komplikationen, die in der Regel sehr selten vorkommen, können im Verlauf auch Probleme in der Nährstoffversorgung auftreten. Durch die veränderte Anatomie werden eine Reihe von Nährstoffen wie Vitamine und Spurenelemente nicht mehr so gut in den Körper aufgenommen. „Der Magen-Bypass kann beispielsweise nicht alle zugeführten Kalorien und Vitamine resorbieren“, so Dr. Baumgartner. Dies macht die lebenslange Einnahme von Nährstoffsupplementen wie beispielsweise Calcium notwendig. Es sind regelmäßige Laboruntersuchungen anzuraten, um der Entstehung von Mangelerscheinungen frühzeitig und gezielt entgegenwirken zu können. Wird dies alles vernachlässigt, so können Probleme wie eine vermehrte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) oder Nervenschädigungen auftreten.

 

Strukturierte Nachsorge durch Experten auch nach der OperationÜblicherweise werden daher Personen, die sich einer Operation am A.ö. Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit unterzogen haben, in ein strukturiertes Nachsorgeprogramm aufgenommen. Der Facharzt für Chirurgie, Dr. Klaus Baumgartner verweist auf die enge Zusammenarbeit mit den diplomierten Diätologinnen im Krankenhaus.

Infoabend und Adipositas-Ambulanz: Anlaufstelle für BetroffeneEinmal pro Monat findet im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan eine Infoveranstaltung statt, die sich an alle Patienten vor einem chirurgischen Eingriff richtet und in der die Experten des Spitals sämtliche OP-Verfahren erklären und die Fragen der Teilnehmer beantworten. Vor rund zehn Jahren wurde eine eigene Adipositas-Ambulanz eingerichtet, die Betroffenen jeden Freitag ab 8.30 Uhr (nach telefonischer Voranmeldung unter der Nummer 04212/499-494) zur Verfügung steht.

 

 

Krankheitsbild AdipositasBei Adipositas handelt es sich um eines der weltweit am häufigsten verbreiteten Krankheitsbilder, das stetig zunimmt. Laut den aktuellen Zahlen der WHO sind in Europa 50 Prozent aller Menschen übergewichtig (BMI >25kg/m²) und 20 Prozent adipös (BMI >30kg/m²). Laut Ernährungsbericht 2017 sind 10,7 Prozent der Frauen und 13,4 Prozent der Männer in Österreich von Adipositas betroffen.

In den Leitlinien der österreichischen Gesellschaft für Adipositaschirurgie, besteht die derzeitige Indikation für einen Eingriff zur Gewichtsredktion ab einem Body Mass Index (BMI) von ≥40kg/m² oder einem BMI von ≥35kg/m², wenn mindestens eine der genannten Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen besteht.

Kontakt: Anlaufstelle für Betroffene

 

Adipositas-Ambulanz
am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan

Jeden Freitag ab 8.30 Uhr

(nach telefonischer Voranmeldung unter 04212/499-494)

 

KRANKENHAUS

der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan

Spitalgasse 26
9300 St. Veit/Glan

Telefon: 0043 4212 499 0
Fax: 0043 4212 499 222

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