„Stroke-Card“: Weniger Risiko für weitere Schlafanfälle

Behandlungskonzept „Stroke-Card“ steigert Lebensqualität und zeigt, dass die Rate der kardiovaskulären Folgeerkrankungen zurückgegangen ist.

Während die Nachbehandlung bei einer Krebserkrankung oder eines Herzinfarktes klar geregelt ist, fehlt ein solches standardisiertes Verfahren bei Patienten mit Schlaganfällen bisher. Aus diesem Grund wurde das „Stroke-Card“-Konzept ins Leben gerufen, das nun die Nachsorge von Schlaganfallpatienten optimal gewährleisten soll. Die wissenschaftliche Evidenz liefert eine Studie, die von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien initiiert worden ist. Insgesamt wurden 2.149 Patienten in die Untersuchung eingeschlossen.
 

Was funktioniert die Stroke-Card?

Das „Stroke-Card“-Konzept sieht vor, dass das multidisziplinäre Stroke-Team des Akutkrankenhauses für die Patienten auch nach stationärer Entlassung für weitere drei Monate neben dem Hausarzt Ansprechpartner bleibt. Diese Teams bestehend aus Pflegern, Therapeuten und Ärzten haben sich in der Akutbehandlung, die in Österreich durchschnittlich neun Tage dauert, bereits bewährt. Nach der Entlassung können die Patienten mit einer personalisierten App ihre Risikofaktoren überwachen. Mittels Fragebogen werden Daten zur Lebensqualität und Folgeerkrankungen erhoben. Nach drei Monaten kommen die Patienten einmalig für eine umfassende, ambulante Nachsorgeuntersuchung durch das Stroke-Team ins Krankenhaus.
 

"Um eine optimale und individuelle Nachbehandlung bei Schlaganfallpatienten zu ermöglichen und um weiteren Komplikationen und Rezidiven vorzubeugen, ist das neuen Behandlungskonzept der Stroke Card weltweit einzigartig . Wir sind konsequent unterwegs mit dem Ziel einer wirklich individualisierten Schlaganfall-Nachsorge.  In Österreich hat hier die Zukunft bereits begonnen", erläutert Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Lang, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung (ÖGSF) und Vorsitzender der Expertenkommission des Österreichischen Schlaganfall-Registers  sowie Vorstand der Abteilung für Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Wien.

 

Eindeutige Studienergebnisse

2.149 Patienten sind von Jänner 2014 bis Dezember 2017 in die Untersuchung eingeschlossen worden. 1.438 wurden nach dem Behandlungskonzept „Stroke-Card“ behandelt und 711 erhielten die Standardbehandlung. Neben einer gesteigerten Lebensqualität zeigte sich, dass auch die Rate der kardiovaskulären Folgeerkrankungen zurückgegangen ist. Das Risiko konnte von 8,3 Prozent auf 5,4 Prozent, also um etwa ein Drittel, reduziert werden. Basierend auf den guten Erfahrungen durch die Studie, wird im Krankenhaus Wien das neue Behandlungsmodell als Standard eingeführt.

 

Lücke in der Schlaganfalltherapie wird geschlossen

In Österreich erleiden rund 25.000 Menschen einen Schlaganfall pro Jahr. 800 bis 900 Patienten werden in der Abteilung für Neurologie, Neurologische Rehabilitation und Akutgeriatrie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien pro Jahr nach einem Schlaganfall behandelt. Das„Stroke-Card“-Konzept schließt dabei eine wichtige Lücke in der Therapie.

 

"Es geht um die Entwicklung und möglichst breite Umsetzung integrativer, "ganzheitlicher" Konzepte, die von einer Prävention des Schlaganfalls über die schnellst- und bestmögliche Akutbehandlung über die frühe und individualisierte Neurorehabilitation bis hin zur optimalen Nachbetreuung reichen. Darunter versteht man das optimale Zusammenspiel aller Partner wie Neurologen, Allgemeinmediziner,  Reha, etc. in der Schlaganfall-Versorgung in sämtlichen Phasen der Krankheit: vom akuten Auftreten des Schlaganfalls bis zur Nachsorge in den eigenen vier Wänden", so Univ.-Prof. Dr. Wilfried Lang.

 

„Stroke-Card“ aus Österreich könnte weltweit eingesetzt werden

Das „Stroke-Card“-Konzept hat gute Chancen in Österreich und anderen Ländern zum Einsatz zu kommen. In der Behandlung von Schlaganfällen hat Österreich einen international anerkannten, sehr guten Ruf und hohen Qualitätsstandard, wie Univ.-Prof. Dr. Johann Willeit, Univ.-Klinik für Neurologie Medizinische Universität Innsbruck betont. „Mit den Schlaganfallpfaden, wie es sie in Tirol und in anderen Bundesländern gibt, erreichen wir eine der weltweit höchsten Raten für die Thrombolysetherapie“, sagt Willeit. „Mit dieser jüngsten Studie setzen wir einmal mehr einen deutlichen Akzent.“

 

Publikation: https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2020.100476

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