Donnerstag 15. November 2018

Die Entwicklungen seit 1950

 

Die Kriegsschäden sind bis in die 50er Jahre weitestgehend behoben, und man erkennt, dass eine grundlegende Neuorientierung notwendig ist, um der Entwicklung auf medizinischem Sektor und den damit verbundenen gestiegenen Anforderungen entsprechen zu können.

 

Das Krankenhaus Marschallgasse um 1965

 

Die kraftvolle Führung des 1946 gekürten Priors Anton Pichler leitet die Wiederherstellung und Modernisierung der Krankenhausanlagen mit der Errichtung neuer Abteilungen für Patientinnen, dem neuen Operationstrakt und der Aufstockung des Klassentraktes ein. Seine Nachfolger, besonders Prior Augustin Grubhofer, setzen diese Entwicklung fort, sodass zum 350-jährigen Jubiläum 1965 im Spital der Barmherzigen Brüder in Graz der Bevölkerung 330 Betten zur Verfügung stehen, die jährlich von fast 7000 Kranken in Anspruch genommen werden. Das Krankenhaus kann zu diesem Zeitpunkt allen Erfordernissen eines neuzeitlichen Spitalsbetriebes gerecht werden.

 

Äußeres Zeichen für dieses errungene Ansehen ist der Besuch von Kardinal Dr. Franz König (siehe Foto links) am 21. September 1966, der die Barmherzigenkirche zur Garnisonskirche, die sie schon 1838 – 1938 gewesen ist, erhebt. Die Bedeutung zeigt sich darin, dass es in Österreich insgesamt lediglich drei Garnisonskirchen gibt.

 

Wieder ist es Prior Anton Pichler, der 1973 einen großangelegten Neuausbau mit der neuen Röntgenstation und der HNO-Abteilung beginnt, der schließlich unter Prior Markus Wittmann 1977 mit einer Generalsanierung, Aufstockung, Erweiterung und vor allem mit der neuerlichen Modernisierung der medizinischen Einrichtungen vorerst abgeschlossen wird. Aus dem „Armenspital“ ist inzwischen längst ein allen Anforderungen entsprechendes Krankenhaus geworden.

 

Einen schweren Schlag hat der Konvent am Allerheiligentag 1977 zu verkraften. Ein Brand vernichtet das 1752/53 entstandene Hochaltarbild des italienischen Barockmalers Corrado Giaquinto und Teile des Altaraufbaus. Prior Markus Wittmann (1974 – 1980) und sein Nachfolger Prior Engelbert Raab (1980 – 1992) sind deshalb gezwungen, den gesamten Kirchenkomplex renovieren zu lassen. Über Jahre ziehen sich diese Arbeiten hin und finden erst am 8. März 1990 mit der Segnung des Hochaltarbildes durch Diözesanbischof Johann Weber ihren Abschluss. Der Diplomrestaurator Fritz Thaler hat das Gemälde von Giaquinto originaltreu wiederhergestellt.

 

Ein weiterer festlicher Anlass folgt wenige Monate später: Anlässlich des 375-jährigen Bestehens des Konvents werden die Barmherzigen Brüder in Graz am 8. Juli 1990 von der Steirischen Landesregierung unter der Führung von Landeshauptmann Dr. Josef Krainer mit der Verleihung des Steirischen Landeswappens ausgezeichnet - als Anerkennung für die Leistungen und der Bedeutung der Barmherzigen Brüder für Stadt und Land.

 

Prior Matthias Meczywor (1995 – 2014) obliegt wiederum die Aufgabe, die Planungen für den weiteren Ausbau des Standortes in der Marschallgasse vorzubereiten und umzusetzen. Dafür werden 2004 mit der Unterstützung des Provinzials Paulus Köhler, der derzeit das Amt des Priors in Graz ausübt, das Gebäude der Arbeiterkammer in der Kosakengasse und ein an die Minoriten grenzendes Grundstück erworben. Die Neugestaltung umfasst den Operations- und Intensivbereich, sämtliche Bettenstationen und vor allem den Neubau mit Bettentrakt, Küche und ambulanter Patientenversorgung im Bereich der vormaligen Gärtnerei.

 

 

Die Kooperation mit den anderen öffentlichen Grazer Spitälern, vornehmlich mit dem benachbarten LKH West und dem UKH Graz, besonders aber mit dem zweiten Krankenhaus des Ordens in Graz-Eggenberg wird verstärkt, um durch die Schwerpunktsetzung die Leistungen der einzelnen Abteilungen durch die intensivere Nutzung der medizinischen Apparaturen qualitativ hochwertig und effizient zu gestalten.

 

„Gutes tun und es gut tun – um der Liebe Christi willen!“ Diesem Leitsatz des heiligen Johannes von Gott fühlt sich die Österreichische Ordensprovinz auch heute, so wie schon vor 400 Jahren, zutiefst verpflichtet.

 

   

Mit 1. Jänner 2014 wurden die beiden Standorte der Barmherzigen Brüder in der Marschallgasse (links) und in Eggenberg (rechts) organisatorisch zusammengeführt. Bis zur geografischen Zusammenlegung in die Marschallgasse wird der Krankenhausbetrieb an beiden Standorten in gleicher Qualität weitergeführt.

Darstellung:
http://www.barmherzige-brueder.at/