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Es klingelt im Ohr? Fakten statt Mythen bei Tinnitus

Nach einem lauten Konzert kennen viele Menschen das Gefühl: Die Ohren pfeifen oder rauschen. Meist verschwinden diese Geräusche nach einiger Zeit von selbst. Halten sie jedoch an, sprechen Fachleute von Tinnitus.

Doch was ist Tinnitus eigentlich?

Tinnitus bedeutet, dass Betroffene Geräusche wie Pfeifen, Klingeln, Summen oder Brummen hören, ohne dass eine äußere Schallquelle vorhanden ist. Oft tritt er zusammen mit einer Hörminderung oder einer erhöhten Geräuschempfindlichkeit auf. Wichtig zu wissen: Tinnitus ist keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom.

 

Wann sollte man zum Arzt?

Ein neu aufgetretener Tinnitus sollte ernst genommen werden. Halten die Ohrgeräusche länger als 24 Stunden an, sollte rasch eine HNO-ärztliche Untersuchung erfolgen. Besonders dringend ist eine Abklärung bei: plötzlicher Hörminderung, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und/oder neurologischen Auffälligkeiten. Dahinter kann sich unter anderem ein Hörsturz verbergen, bei dem eine frühe Behandlung wichtig ist.

 

Was hilft gegen Tinnitus?

Viele Betroffene suchen in der Apotheke nach einer schnellen Lösung. Allerdings ist die wissenschaftliche Evidenz für die meisten frei verkäuflichen Produkte begrenzt. Folgende Möglichkeiten können wir anbieten:

 

  • Ginkgo biloba

Ginkgo ist das bekannteste pflanzliche Mittel, das bei Tinnitus eingesetzt wird. Es verbessert die Mikro-Durchblutung im Innenohr. Einige Studien zeigen eine Verbesserung der Beschwerden, andere konnten keinen eindeutigen Nutzen nachweisen. Fazit: Ein Therapieversuch mit einem standardisierten Ginkgo-Präparat kann im Einzelfall sinnvoll sein. Eine gesicherte Wirksamkeit kann jedoch nicht versprochen werden. Wichtiger Hinweis: Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen. Vorsicht ist daher insbesondere bei der gleichzeitigen Einnahme von Blutverdünnern geboten. Auch ihr Arzt sollte daher Bescheid wissen, wenn sie Gingko-Präparate einnehmen.

 

  • Melatonin

Viele Menschen mit Tinnitus leiden unter Schlafstörungen. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das hauptsächlich in der Zirbeldrüse des Gehirns gebildet wird. Es steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und signalisiert dem Körper, dass es Zeit zum Schlafen ist. Melatonin kann daher helfen, besser ein- oder durchzuschlafen. Melatonin behandelt nicht den Tinnitus selbst, sondern kann die Schlafprobleme lindern.

 

  • Antioxidantien

Substanzen wie Alpha-Liponsäure oder Açaí werden ebenfalls diskutiert. Bisher gibt es jedoch zu wenig hochwertige Studien, um eine klare Empfehlung auszusprechen.

 

Warum sind die Studienergebnisse so unterschiedlich?

Tinnitus wird von jedem Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Außerdem beeinflussen folgende Faktoren die Beschwerden stark, weshalb es schwierig ist, die Wirksamkeit von Präparaten eindeutig zu beurteilen: Stress, Aufmerksamkeit, psychische Belastung und Schlafqualität.

 

Was empfehlen die Leitlinien?

Die aktuelle medizinische Leitlinie kommt zu einem klaren Schluss, dass es für chronischen Tinnitus derzeit keine medikamentöse Therapie gibt, deren Wirksamkeit eindeutig belegt ist. Deshalb werden weder frei verkäufliche Präparate wie Ginkgo oder Melatonin noch verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente ausdrücklich zur Behandlung der Ohrgeräusche empfohlen. Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder ausgeprägte Schlafprobleme sollten hingegen gezielt behandelt werden.

 

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