Schmerzmittel richtig anwenden: Welches Mittel ist das richtige?
Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Zahnschmerzen oder Beschwerden nach einer Verletzung: Schmerzmittel gehören zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten. Viele davon sind rezeptfrei erhältlich. Dennoch sollten sie nicht als harmlose Alltagsprodukte betrachtet werden.
Jedes Schmerzmittel hat seine Stärken, aber auch Risiken und Anwendungsgrenzen.Die gute Nachricht: Das "beste" Schmerzmittel gibt es nicht. Entscheidend sind die Art der Schmerzen, Begleiterkrankungen und andere Medikamente, die bereits eingenommen werden. In dieser Übersicht sind die Schmerzmittel der „Klasse 1“ angeführt, es gibt daneben weitere stärkere Substanzen (Klasse 2 und 3), die allesamt streng rezeptpflichtig sind und hier keine Erwähnung finden.
Paracetamol: Gut verträglich, aber nicht für jeden geeignet
Paracetamol ist eines der bekanntesten Schmerzmittel und rezeptfrei erhältlich. Es wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, besitzt jedoch praktisch keine entzündungshemmende Wirkung. Es eignet sich besonders bei Kopfschmerzen, Erkältungsbeschwerden und Fieber oder Zahnschmerzen. Auch für Kinder wird Paracetamol verwendet, es gibt Zäpfchen oder Säfte. Im Gegensatz zu vielen anderen Schmerzmittel ist Paracetamol bei bestehenden Vorerkrankungen von Herz, Niere, Lunge oder Magen-Darm-Trakt nicht problematisch.
Wichtig ist jedoch die Wirkung auf die Leber: Eine Überdosierung kann schwere Leberschäden verursachen. Vorsicht ist insbesondere geboten bei Lebererkrankungen, regelmäßigem Alkoholkonsum und bei der gleichzeitigen Einnahme anderer paracetamolhaltiger Arzneimittel, wie sie in vielen Grippe- und Erkältungsmitteln enthalten sind.
Ibuprofen: Der vielseitige Klassiker
Ibuprofen gehört zu den sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und ist auch rezeptfrei erhältlich. Es wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend, dadurch eignet es sich besonders bei Gelenkschmerzen, Sportverletzungen, Muskelbeschwerden, Menstruationsbeschwerden oder Zahnschmerzen. Auch für Kinder gibt es Ibuprofen als Zäpfchen oder Saft.
Allerdings kann Ibuprofen den Magen reizen und die Nierenfunktion beeinträchtigen. Menschen mit Magengeschwüren, schwerer Niereninsuffizienz oder bestimmten Herz- und Lungenkrankheiten sollten es nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
Besondere Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern, Entwässerungstabletten, Blutdruckmedikamenten (ACE-Hemmern oder Sartanen) und Kortisonpräparaten, denn dann kann das Risiko für Blutungen und Nierenschädigungen zunehmen.
Diclofenac: Stark bei Entzündungen
Diclofenac wird häufig bei Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt. Als Gel für die äußere Anwendung ist es auch rezeptfrei erhältlich, Tabletten sind verschreibungspflichtig. Besonders geeignet ist Diclofenac bei Rückenschmerzen, Arthrose, Gelenksentzündungen, Sehnen- entzündungen oder Sportverletzungen.
Es gilt als eines der wirksamsten entzündungshemmenden Schmerzmittel. Gleichzeitig weist es jedoch unter den NSAR ein vergleichsweise ungünstiges Herz-Kreislauf-Profil auf. Bei folgenden Erkrankungen sollte die Einnahme von Diclofenac daher möglichst vermieden werden: Herz-Kreislauferkrankungen, Nierenschwäche, Magengeschwüren. Vorsicht ist geboten bei Asthma und chronischen Darmerkrankungen. Genauso wie bei Ibuprofen sollte keine gleichzeitige Einnahme mit blutverdünnenden Medikamenten stattfinden.
Naproxen: Längere Wirkung, weniger Einnahmen
Naproxen ist rezeptpflichtig. Sein Vorteil liegt in der langen Wirkdauer von bis zu zwölf Stunden.
Besonders geeignet ist es bei Menstruationsbeschwerden, Gelenksschmerzen, chronischen Schmerzsyndromen, Beschwerden über Nacht. Nachteilig ist, dass Naproxen am meisten Magen-Darm-Beschwerden verursacht. Dafür geht davon das geringste Risiko für Nebenwirkungen des Herz-Kreislauf-Systems aus.
Acetylsalicylsäure (ASS): Nicht nur zur Blutverdünnung
ASS ist rezeptfrei erhältlich und wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. Die entzündungshemmende Wirkung wird nur in sehr hohen Dosen erreicht und spielt daher keine Rolle. Typische Einsatzgebiete sind Kopfschmerzen, Erkältungsbeschwerden oder Zahnschmerzen. Durch seine hemmende Wirkung auf die Blutgerinnung kann ASS Blutungen begünstigen. Deshalb sollte es insbesondere vor Operationen oder bei Patienten unter zusätzlicher Gerinnungshemmung nur nach Rücksprache verwendet werden.
ASS ist außerdem ungeeignet bei Magengeschwüren, erhöhter Blutungsneigung und bei Kindern unter 12 Jahren strikt nur nach ärztlicher Anordnung zu verwenden.
Metamizol: Stark wirksam, aber rezeptpflichtig
Metamizol ist in Österreich verschreibungspflichtig und gehört im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich zu den häufig verwendeten Schmerzmitteln. Es eignet sich besonders bei starken Schmerzen, Tumorschmerzen, Krämpfen und hohem Fieber, wenn andere Mittel nicht ausreichend wirken.
Im Gegensatz zu den NSAR belastet Metamizol die Magenschleimhaut kaum und hat nur geringe Auswirkungen auf die Nierenfunktion. Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung ist jedoch die sog. Agranulozytose, eine gefährliche Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen. Patienten sollten bei Fieber, Halsschmerzen oder Entzündungen während der Behandlung ihren Arzt kontaktieren.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Auswahl eines Schmerzmittels hängt nicht nur von der Schmerzstärke ab, sondern auch vom Patienten/von der Patientin selbst.
Unser Tipp aus der Apotheke
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, an Herz-, Nieren-, Leber- oder Magenerkrankungen leidet oder über 65 Jahre alt ist, sollte vor der Einnahme eines Schmerzmittels Rücksprache mit dem Arzt oder der Apotheke halten. Oft entscheidet nicht die Stärke des Schmerzmittels über den Behandlungserfolg, sondern die richtige Auswahl für den individuellen Patienten. Wir unterstützen Sie gerne dabei, Nutzen und Risiken abzuwägen und mögliche Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen.