Radiologie und Nuklearmedizin

Kontrastmittel in der Radiologie

 

Viele Organe und Gewebe des Körpers sind in der radiologischen Diagnostik schwer voneinander zu unterscheiden. Durch den Einsatz von Kontrastmitteln ist eine Differenzierung zwischen einzelnen Strukturen sowie zwischen gesundem und krankem Gewebe häufig erst möglich. Die Gabe eines Kontrastmittels ist daher oft unumgänglich. Prinzipiell zu unterscheiden sind die Kontrastmittel, die bei Röntgenuntersuchungen eingesetzt werden (Röntgenkontrastmittel), und die, die bei magnetresonanztomografischen Untersuchungen verwendet werden (MR-Kontrastmittel).



1. Röntgenkontrastmittel:Bei Röntgenkontrastmitteln handelt es sich um in den Körper einzubringende Substanzen, die entweder zu einer vermehrten Absorption eintretender Röntgenstrahlen gegenüber dem umgebenden Gewebe führen (sog. positive Kontrastmittel) oder ankommende Röntgenstrahlen vermehrt ungehindert durchlassen (sog. negative Kontrastmittel).

Röntgenpositive Kontrastmittel sind Substanzen hoher Röntgendichte, die wiederum in wasserlösliche und wasserunlösliche (ölhaltige und bariumhaltige) unterschieden werden können. Röntgennegative Kontrastmittel sind Substanzen geringer Dichte (Luft oder Gase), die bei der Magen-Darm-Diagnostik (Kontrastdarstellung der Speiseröhre und/oder des Magen-Darm-Traktes) oder der Gelenkdarstellung (Arthrografie) zusammen mit einem positiven Kontrastmittel angewendet werden.


2. MR-Kontrastmittel:Obwohl die Unterscheidbarkeit verschiedener Gewebearten in der Magnetresonanztomographie (MRT) wesentlich besser ist als dies durch Röntgenstrahlen erreichbar ist, werden auch hier seit mehreren Jahren Kontrastmittel zur Einspritzung in Venen oder zur Kontrastierung des Magen-Darm-Traktes mit Erfolg eingesetzt. Diese Kontrastmittel beruhen allerdings auf ganz anderen Grundlagen als herkömmliche Röntgenkontrastmittel. Die in der MRT verwendeten Kontrastmittel bewirken – stark vereinfacht – eine Änderung des magnetischen Verhaltens der Gewebe.


Nähere Informationen zu den im klinischen Alltag am häufigsten verwendeten Röntgen- und MR-Kontrastmitteln:

  1. Injizierbare jodhaltige (wasserlösliche) röntgenpositive Kontrastmittel
  2. Nichtinjizierbare jodhaltige (wasserunlösliche) röntgenpositive Kontrastmittel
  3. Bariumhaltige (wasserunlösliche) röntgenpositive Kontrastmittel
  4. Röntgennegative Kontrastmittel
  5. Gadolinium
  6. Superparamagnetische Eisenoxidpartikel


1) Injizierbare jodhaltige (wasserlösliche) röntgenpositive Kontrastmittel

Diese Kontrastmittel werden in der radiologischen Diagnostik vielfältig eingesetzt. Insbesondere kommen sie bei Gefäßdarstellungen (Angiografie) und Phlebografie und bei der CT zur Anwendung. Sie enthalten Jod in hohen Konzentrationen. Die modernen Kontrastmittel (sog. nichtionische Kontrastmittel) sind in der Regel sehr gut verträglich und verursachen nur selten schwerwiegende Nebenwirkungen.

Vor einer Kontrastmitteluntersuchung erfolgt ein kurzes Gespräch mit dem untersuchenden Radiologen, um den Patienten über die Risiken einer Kontrastmittelgabe zu informieren und eventuell bestehende Risikofaktoren zu erfassen.

Nebenwirkungen:
Häufig verspüren Patienten während der Injektion ein zum Teil ausgeprägtes Wärmegefühl, seltener einen unangenehmen Geschmack. Diese Begleiterscheinungen verschwinden unmittelbar nach der Injektion und sind harmlos. In seltenen Fällen reagieren Personen jedoch überempfindlich, ähnlich einer Allergie. Die im Folgenden angegebenen Häufigkeitswahrscheinlichkeiten beziehen sich auf ältere Kontrastmittel, die heute verwendeten Mittel sind deutlich besser verträglich, so dass Überempfindlichkeitsreaktionen weitaus seltener (Faktor 2 - 6) zu erwarten sind.

Leichte Reaktionen
führen z.B. zu Übelkeit und Erbrechen (1:100). Als mittelschwere Reaktionen gelten Juckreiz, Hautauschlag mit Quaddeln und leichte Atembeschwerden (1:500). Bei schweren Reaktionen kann es zu einer Verkrampfung der Bronchien, einer gefährlichen Schwellung des Kehlkopfes und zum Schock kommen. Zwischenfälle, die eine Behandlung auf der Intensivstation erfordern, kommen mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1:10.000 vor. Selbst ein tödlicher Ausgang ist möglich (1:20.000).

Sollten Sie oben genannte Symptome verspüren, melden Sie sich bitte sofort! Bei allen Untersuchungen werden Sie durch ein Fenster oder eine Kamera überwacht, gleichzeitig ist eine Kontaktaufnahme über eine Gegensprechanlage und/oder eine Alarmglocke möglich.
Bei Auftreten einer Überempfindlichkeitsreaktion werden umgehend Medikamente über eine Armvene eingespritzt, die die Kontrastmittelreaktion unterbrechen. Bei schweren Symptomen wird eine stationäre Nachbeobachtung erforderlich sein.

Als weitere mögliche Kontrastmittelreaktion gilt das Erbrechen. Aus diesem Grunde sollten Sie am Tage der Untersuchung keine großen Mahlzeiten zu sich nehmen und die letzten vier Stunden möglichst nüchtern bleiben. Bei schwereren Verläufen kann hierbei der Schluckreflex ausbleiben. Ein Verschlucken des Erbrochenen kann dann zu schwerwiegenden Zerstörungen des betroffenen Lungengewebes führen.

Sind in früheren Kontrastmitteluntersuchungen Symptome einer Überempfindlichkeit aufgetreten, sollten erneute Kontrastmittelgaben möglichst unterbleiben. Ist eine Kontrastmittelgabe unvermeidbar, sollte diese nur unter vorheriger Injektion von allergieblockierenden Medikamenten erfolgen!

Gegenanzeigen:

  • Schlechte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz)
    Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kann die Kontrastmittelgabe zu einer weiteren Reduzierung der Nierenleistung führen. Alle Patienten sollten deswegen vor der Untersuchung ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen (ca. 1-2 Liter). Bei manchen Patienten ist die Gabe von Infusionen hilfreich. Sollten die Nieren bereits stark vorgeschädigt sein, muß die Untersuchung entweder ohne Kontrastmittel durchgeführt werden (reduzierte Aussagekraft), eine alternative Untersuchung (sofern möglich) durchgeführt werden oder eine einmalige Blutwäsche (Dialyse) im Anschluß an die Untersuchung erfolgen. Bei Dialysepatienten muß der Untersuchungstermin mit den Dialysezeiten abgestimmt werden.
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    Die Schilddrüsenhormone enthalten Jod. Bei Patienten mit bekannter Schilddrüsenüberfunktion und Patienten mit autonomen Anteilen, welche z.B. beim Kropf vorkommen können, kann eine übermäßige Zufuhr von Jod zur übersteigerten Produktion von Hormonen führen. Auch wenn das Jod der Kontrastmittel fest an Trägersubstanzen gebunden ist, wird ein Teil freigesetzt und kann dann zu den Symptomen (Herzrasen, Zittern, vermehrtes Schwitzen u. a.) einer Überfunktion führen. Eine akute Schilddrüsenüberfunktion kann eine stationäre Überwachung erforderlich machen! Sollten Sie entsprechende Symptome verspüren, melden Sie sich bitte umgehend bei Ihrem Hausarzt oder in unserem Krankenhaus.
Bei bekannter Überfunktion ist die Gabe eines "Schilddrüsenblockers" notwendig. Dieses Medikament wird in Tropfenform verabreicht. Die Gabe sollte 3 Tage vor der Untersuchung beginnen und mindestens eine Wochen nach der Untersuchung fortgesetzt werden.
Besteht bei Ihnen der Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung, die noch weiter abgeklärt oder sogar mit radioaktivem Jod behandelt werden soll, verbietet sich die Kontrastmittel-Gabe, da diese eine weitere Behandlung für mehrere Wochen unmöglich machen würde.
  • Plasmozytom / Immunozytom
    Bei dieser Form des Blutkrebses kann es neben einer Nierenschädigung zu Störungen der Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Die modernen Kontrastmittel sind hier zwar deutlich sicherer geworden, bis zu einem eindeutigen Unschädlichkeitsbeweis sollte jedoch bei diesen Erkrankungen auf die Einspritzung eines jodhaltigen Kontrastmittels verzichtet werden.
  • Ausgeprägte Allergieneigung
    Bei Patienten mit ausgeprägter Allergieneigung und/oder Asthma bronchiale besteht ein erhöhtes Risiko einer Kontrastmittel-überempfindlichkeit.
  • Diabetes mellitus
    Patienten mit Diabetes mellitus, die mit dem Medikament Metformin (z.B.Glucophage®) behandelt werden, haben unter Gabe eines jodhaltigen Kontrastmittels ein erhöhtes Risiko eine "Übersäuerung des Blutes" zu erleiden (Lactacidosen). Diese Reaktion kann unter Umständen tödlich verlaufen. Entscheidend scheint hierbei die Nierenfunktion der betroffenen Patienten zu sein. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kommt es zu einer vermehrten Anhäufung des Metformin, da dieses über die Niere ausgeschieden wird. Eine zusätzlich Gabe von Kontrastmittel kann hierbei über eine weitere Nierenschädigung die Blutübersäuerung auslösen. Sicherheitshalber sollten Patienten 2 Tage vor und nach einer Kontrastmitteluntersuchung Metformin absetzten, sofern die Blutzuckerwerte diese zulassen!


2) Nichtinjizierbare jodhaltige (wasserunlösliche) röntgenpositive Kontrastmittel

Diese wasserlöslichen Kontrastmittel werden bei Gegenanzeigen für Bariumuntersuchungen zur Darstellung des Magen-Darmtraktes verwendet.

Nebenwirkungen
Das größte Problem bei Anwendung dieser Kontrastmittel liegt in einem meist unangenehmen Geschmack und einer ausgeprägt abführenden Wirkung. Sollte das Kontrastmittel versehentlich in die Lunge kommen, kann es hier eine Wasseransammlung verursachen, die zu Atembeschwerden führen kann. Bei bekannter Jodallergie ist Vorsicht bei der Verwendung dieses Kontrastmittels geboten.

Gegenanzeigen
Wesentliche Einschränkungen im Einsatz dieser Kontrastmittel sind nicht bekannt.


3) Bariumhaltige (wasserunlösliche) röntgenpositive Kontrastmittel

Bariumhaltige Kontrastmittel sind Standardkontrastmittel für Untersuchungen des Magen-Darmtraktes. Die oben bereits erwähnten wasserlöslichen jodhaltigen Kontrastmittel für die Diagnostik des Magen-Darm-Traktes kommen bei bestehenden Gegenanzeigen gegen bariumhaltige Kontrastmittel wie Verletzungen der Wand von Speiseröhre, Magen oder Darm bzw. Fistelbildung zur Anwendung.

Nebenwirkungen
Gelangt bariumhaltiges Kontrastmittel durch Verletzungen der Magen- bzw. Darmwand in das Körperinnere, kann es hier zu ausgeprägten Entzündungsreaktionen kommen, die unter Umständen tödlich enden können. Deshalb darf es nach frischen Operationen im Magen-Darm-Bereich oder bei Verdacht auf einen Darmeinriß nicht verwendet werden. Wegen seiner mitunter langen Verweildauer im Darm sollte es auch nicht vor Operationen des Magen-Darmtraktes eingesetzt werden. Bei Patienten, die sich häufig verschlucken, sollte Barium sicherheitshalber nicht zur Anwendung kommen. Verschlucktes, aspiriertes Barium kann eine Fremdkörperreaktion in der Lunge verursachen.


4) Röntgennegative Kontrastmittel

Als negative Röntgenkontrastmittel dienen Luft, Methylzellulose und CO2.
Luft wird im Rahmen des Dickdarm-Kontrasteinlaufes zur Aufdehnung des Darmes verwendet. 
Methylzellulose wird im Rahmen der Dünndarmuntersuchung nach Sellink zur Aufdehnung des Darmes verwendet. 
CO2 kann im Gegensatz zu Luft in das Gefäßsystem injiziert werden. Es kommt in der Angiografie zur Anwendung, wenn jodhaltige Kontrastmittel nicht eingesetzt werden dürfen. Die Aussagekraft ist in der Regel jedoch deutlich schlechter als mit den üblichen Kontrastmitteln.


5) Gadolinium

Gadoliniumverbindungen sind die ältesten und am längsten verwendeten Kontrastmittel in der MRT. Sie verhalten sich ähnlich wie die jodhaltigen Kontrastmittel in der CT und werden wie diese über eine Armvene eingespritzt. Vermehrte Durchblutung, wie etwa bei entzündlichen Prozessen, oder vermehrte Gefäßneubildungen, wie etwa bei Tumoren, lassen sich dadurch nachweisen.

Nebenwirkungen
Die Verträglichkeit der gadoliniumhaltigen Kontrastmittel ist insgesamt ausgezeichnet. Unerwünschte Reaktionen kommen im Vergleich zu den jodhältigen Röntgenkontrastmitteln deutlich seltener vor. Besondere Vorsicht ist allerdings bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen (z.B. Dialysepatienten) oder vor Organtransplantationen geboten, da Gadolinium in der Haut und anderen Organen abgelagert wird und sich eine sogenannte „nephrogene systemische Fibrose (NSF)“ entwickeln kann.


6) Superparamagnetische Eisenoxidpartikel

Diese Kontrastmittel bestehen aus Eisenpartikeln und müssen langsam durch eine Tropfinfusion verabreicht werden. Durch spezialisierte Zellen in Leber und Milz werden diese Eisenpartikel aufgenommen. Dies führt auf den MRT-Aufnahmen zu einem deutlichen Signalabfall, und das Leber- bzw. Milzgewebe kommt dunkler zur Darstellung. Da dieses Kontrastmittel nur von den spezialisierten Zellen aufgenommen werden kann, ist hiermit z.B. eine Entdeckung von Fremdgewebe (Metastasen) innerhalb der Leber möglich.

Nebenwirkungen
Bei rascher Infusion können Knochenschmerzen, insbesondere im Bereich des Rückens sowie Übelkeit auftreten. Halten diese Beschwerden auch nach Reduzierung der Tropfgeschwindigkeit an, muss die Untersuchung abgebrochen werden.

 

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