Kloster und Ordensleben sind im allgemeinen Sprachgebrauch wohl
untrennbare Begriffe und werden oft auch synonym verwendet. In der
Regel sind sie mit Adjektiven belegt wie abgeschlossen, nicht
zugänglich, von Mauern umgeben, idyllisch, Bier brauend.

Diese Attribute passen nicht ganz zur Geschichte der Barmherzigen
Brüder und ihrem Selbstverständnis. Die Häuser, die der Orden errichtet
hat, dienten nie nur den Ordensmitgliedern, sondern waren und sind für
Menschen bestimmt, die der Hilfe bedürfen. Dieser Notwendigkeit wurde
auch das bauliche Konzept unterworfen. Lediglich ein Teil des Hauses
diente den Brüdern als Wohnraum und wurde als
Konvent (die lateinische
Wortwurzel bedeutet „zusammenkommen“) oder
Klausur (die lateinische
Wortwurzel bedeutet „eingeschlossen/abgeschlossen“) bezeichnet. Das
bestätigt auch das Bild unseres Krankenhauses in Graz-Eggenberg, wo
sich der Konvent in einem Teil des fünften Stockwerkes befindet.
Beide Worte bringen die Bedürfnisse von Ordensleuten zum Ausdruck. Das
gemeinsame Leben braucht Orte des Zusammenkommens und Orte der Ruhe,
des Abgeschlossen-Seins für das geistliche Leben. In Gesprächen mit
Patienten und Besuchern fällt immer wieder auf, dass sie sehr
überrascht sind, dass die Barmherzigen Brüder in ihren Krankenhäusern
und Heimen wohnen und nicht in einem eigenen Kloster – mit Kirche und
Mauer. Ordensleute ohne „Kloster“, geht das? Ja, wenn die vorhandenen
Räumlichkeiten den Bedürfnissen des geistlichen Lebens angepasst sind.
Die Sprachverwirrung wird für den Laien perfekt, weil das Wort Konvent
nicht nur für die Räume von Ordensleuten benutzt wird, sondern auch für
die Gemeinschaft selber.
Für das Amt, die Aufgabe des Leiters eines Konventes gibt es bei den
Männerorden verschiedene Bezeichnungen: Prior, Guardian, Rektor und
Superior. Im Orden der Barmherzigen Brüder wird dieser Leiter Prior
genannt. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet das lateinische Wort
prior: der Erste, der Vordere, der dem Rang nach Höherstehende. In
seiner Bedeutung für eine Ordensgemeinschaft bedeutet es: der dem
Kloster vorsteht, der das Kloster leitet. Bei den Barmherzigen Brüdern
werden die Prioren mit „Pater Prior“ angesprochen, obwohl diese in der
Regel keine Priester sind. Diese Anrede ist ein Zeichen der Achtung vor
der Verantwortung, die der Leiter einer Gemeinschaft hat. Sie verweist
auf die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes pater :
„Vater“. Der Prior soll in väterlicher Sorge für die Gemeinschaft da
sein.