Die Ehelosigkeit
Ehelosigkeit ist neben Armut, Gehorsam und Hospitalität eines der vier
Gelübde, welches die Barmherzigen Brüder ablegen. Die Bindung an einen
Partner und die Verantwortung für eine Familie würde unseren Freiraum,
unsere Zeit und die Einsatzbereitschaft für den Dienst an den Kranken und Bedürftigen
erheblich einschränken.
Trotzdem ist die Ehelosigkeit nicht mit einem
Singleleben zu vergleichen. Denn wir leben nicht allein, sondern in der
Gemeinschaft mit unseren Brüdern. Dieses Zuhause gibt uns Halt für
unsere gemeinsame Aufgabe und unser Leben.
Aus unseren Konstitutionen:
Die gottgeweihte Keuschheit ist eine überaus hohe Gnadengabe. Die Liebe
Gottes, „die durch den Heiligen Geist in unseren Herzen ausgegossen
ist“, drängt uns, nach dem Beispiel Jesu und auf sein Wort hin,
unsere ganze Person mit ihrer Liebesfähigkeit dem Vater zu weihen.
Mit dem Gelübde der Keuschheit verpflichten wir uns zu einem ehelosen
Leben in voller Enthaltsamkeit. So verweisen wir auf die Einheit der
Liebe zwischen Christus und seiner Kirche. Wir sind so freier und
fähiger, alle Menschen zu lieben.
Die Nachfolge des keuschen Christus in seiner Ganzhingabe der Liebe an
den Vater und an die Brüder, ist Quelle und Nahrung unserer
Gemeinschaft. Diese hat ihren Ursprung nicht im Blut und nicht im
Wollen des Fleisches, sondern in der Liebe Gottes.
Durch die Keuschheit, wie wir sie als Barmherzige Brüder leben,
erfahren und bezeugen wir die Fruchtbarkeit unseres Lebens im Apostolat
der Liebe. Denn mit ihr erfüllen wir unsere Sendung, dem Leben zu
dienen und es zu fördern und betonen die Würde und den Wert des
Leibes.
Die Keuschheit um des Himmelreiches willen ist Anruf und Gabe Gottes.
Sie ist auch freie Antwort. Nur in der Kraft des Heiligen Geistes
können wir sie geben und immer zu ihr stehen.
Dies verlangt von uns, die empfangene Gabe durch unsere vertrauten
Freundschaftsbeziehungen mit Christus im Gebet und in der Feier der
Sakramente zu pflegen. Aus demselben Grund wollen wir in Einfachheit
und Freude unsere Bruderschaft leben und die freundschaftlichen Bande,
die der Herr unter uns entstehen ließ, schätzen.
Darüber hinaus halten wir die Anwendung aller, durch die Erfahrung
bewährter, natürlicher und asketischer Mittel und die Erkenntnisse über
die menschliche Wirklichkeit für bedeutsam. Sie helfen uns auf dem Weg
zur inneren Ausgewogenheit und Reife. So wird unsere Treue zu diesem
Gelübde bestärkt.