15 Jahre Teilhabe in Hart bei Graz
Die Tageswerkstätten Pedro Velasco und Antonio Martin sind ein lebendiger Teil des Gemeindelebens. Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen erfahren hier Teilhabe, Struktur und individuelle Förderung. Dabei steht die individuelle Förderung von Fähigkeiten im Vordergrund und die gemeinsame Alltagsgestaltung. Im Sinne des personenzentrierten Ansatzes erhalten die Klient*innen genau jene Unterstützung, die sie brauchen, um sie in ihrer Selbstständigkeit zu fördern und sich weiterzuentwickeln.
Die Tageswerkstätten setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte, orientiert an den Bedürfnissen der begleiteten Personen.

Nach einem kurzen Spaziergang schaut das Team der TWS Antonio Martin gerne auf einen kleinen Sprung in der Pizzeria Piero vorbei. ©Barbara Mang
Arbeit und Beschäftigung im Fokus
In der TWS Pedro Velasco steht die Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung im Mittelpunkt. Von Auftrags- und Industriearbeiten über hauswirtschaftliche Tätigkeiten bis zu kreativen Holzarbeiten. Einige Klient*innen übernehmen, unterstützt durch Mitarbeitende, auch Aufgaben in der Gemeinde: Bernhard arbeitet regelmäßig bei AUTO DEGEN und übernimmt dort die Innenreinigung der Autos. „Bernhard wurde vom Team super aufgenommen, das Miteinander bedeutet ihm viel", freut sich seine Bezugsbegleiterin Eva.

Alle zwei Wochen ist Bernhard in der KFZ-Werkstätte AUTO DEGEN anzutreffen und übernimmt dort die Innenreinigung der Fahrzeuge.
Vielseitige Alltagsgestaltung
In der TWS Antonio Martin wiederum liegt der Fokus verstärkt auf einer vielseitigen Alltagsgestaltung und Teilhabe am Gemeindeleben. Basale Stimulation, kreative Angebote, Bewegungsimpulse und lebenspraktische Tätigkeiten prägen den Tagesablauf. Unterstützte Kommunikation spielt eine zentrale Rolle, da viele Klient*innen sich mittels Mimik, Gestik, Symbolen oder Tastern verständigen.
Die Sozialraumorientierung ist hier besonders wichtig. Ein schönes Beispiel dafür ist Heider. Er besucht alle zwei Wochen die öffentliche Bibliothek in Hart. Dort leiht er Bücher aus, die später in der Gruppe gelesen werden und plaudert mit den Mitarbeitenden.

Heider besucht alle zwei Wochen die öffentliche Bibliothek um Bücher für die Gruppe und sich selbst auszusuchen. ©Barbara Mang
Teilhabe als innere Haltung
Diese Form der Teilhabe, im Sozialraum, in der Arbeitswelt, im Alltag, ist mehr als Beschäftigung. Sie ist Anerkennung, Sichtbarkeit und gesellschaftliches Miteinander. Beide Tageswerkstätten arbeiten dabei nach dem Normalisierungsprinzip. Die begleiteten Menschen werden in ihrer Entwicklung individuell gefördert.
Dass dieses Konzept in Hart bei Graz so gut funktioniert, liegt auch am Umfeld. Ob Bibliothekar*innen, Geschäftstreibende oder Spaziergänger*innen, sie begegnen den Teams der Tageswerkstätten mit Offenheit, Geduld und ehrlichem Interesse. Die Tageswerkstätten sind ein lebendiger Teil des Gemeindelebens. Das macht sie, auch nach 15 Jahren, zu Orten, an denen nicht nur gearbeitet und begleitet wird, sondern gelebte Inklusion stattfindet. Tag für Tag.
In diesem Sinne: auf viele weitere Jahre voller Begegnungen, Möglichkeiten und gemeinsamer Wege!

Das Team der TWS Pedro Velasco (zu sehen mit zwei Mitarbeitenden des Kooperationspartners Knapp) freute sich sehr über die gespendeten Paletten-Möbel der Firma.