Ein frohes Osterfest 2026!
“Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch” (Joh 14, 27)
An die Hospitalfamilie des hl. Johannes von Gott
Liebe Brüder, liebe Mitarbeitende, liebe Mitglieder der Hospitalfamilie! Die Feier des Osterfestes führt uns zum Kern des Geheimnisses unseres Glaubens. Ostern lädt uns ein, schon im Hier und Jetzt an der Auferstehung des Herrn und an seiner Herrlichkeit teilzuhaben. Für uns als Familie des heiligen Johannes von Gott bedeutet Ostern die Rückbesinnung auf unser ureigenes Charisma: Eine österliche Hospitalität, die Menschen den Weg zu neuem Leben ebnet.
Ich wünsche mir, dass alle Menschen, die in unsere Werke und Gemeinschaften kommen – sei es auf der Suche nach Heilung oder Unterstützung –, die Güte und Schönheit unseres österlichen Charismas spüren. Es ist ein Geschenk, das die Liebe Gottes in all ihren Facetten für die Menschen erfahrbar macht.
Am Ostersonntag singt die Liturgie: Mors et vita duello conflixere mirando: dux vitae mortuus, regnat vivus. – Tod und Leben rangen in einem wunderbaren Zweikampf: Der Fürst des Lebens, der starb, herrscht nun lebend. Der auferstandene Herr hat die Mächte des Bösen besiegt und uns die Pforten zum ewigen Leben geöffnet. Mit seiner Auferstehung bricht eine neue Zeit an, die unser Christsein erleuchtet und unser Dasein auf das ewige Ziel ausrichtet. Es ist die Liebe des Vaters, die Christus von den Toten erweckt hat – und genau in dieser Liebe sind wir gerufen, unseren Weg zu gehen. Denn nur wenn wir uns von dieser wahren Liebe treiben lassen, finden wir die Kraft, neue Wege für eine erneuerte Hospitalität zu beschreiten.
Der heilige Augustinus rückte die Liebe ins Zentrum seines Denkens. Er beschreibt sie als die Kraft, die die Seele bewegt, ihr Leben schenkt und sie an ihren ‚natürlichen Ort‘ führt. In seinen Bekenntnissen bringt er es auf den Punkt: ‚Meine Liebe ist mein Gewicht; wohin sie mich auch führt, dorthin werde ich getragen‘ (Bekenntnisse XIII,9).
Ich bin fest davon überzeugt, dass diese augustinische Erfahrung dieselbe ist, die auch Johannes von Gott innerlich verwandelte: Sein Weg führte ihn aus der tiefen Erschütterung durch die eigene Sündhaftigkeit hin zum Geschenk der göttlichen Gnade. So wurde er zu einem neuen Menschen, beseelt vom Charisma der Hospitalität, das sein ganzes Wirken fortan prägte.
Liebe Brüder, liebe Mitarbeitende, liebe Mitglieder der Hospitalfamilie! Als Söhne und Geschwister unseres Ordensvaters ist es unser tiefer Wunsch, seinen Spuren zu folgen. Er weist uns den sicheren Weg, unsere Hospitalität immer wieder zu erneuern – indem wir auf das Wort Gottes hören, das in uns stets die Sehnsucht nach neuem Leben weckt.
In diesem Zusammenhang ist eine Überlegung von Papst Leo XIV. aufschlussreich: “Die Kirche hat den brennenden Wunsch, dass das Wort Gottes jedes ihrer Glieder erreichen und seinen Glaubensweg nähren möge. Aber das Wort Gottes treibt die Kirche auch über sich selbst hinaus, öffnet sie beständig für die Sendung gegenüber allen. Denn wir leben von vielen Worten umgeben, aber wie viele von ihnen sind leer! Manchmal hören wir auch weise Worte, die jedoch nicht unsere letzte Bestimmung berühren. Das Wort Gottes dagegen kommt unserem Verlangen nach Sinn, nach Wahrheit über unser Leben entgegen. Es ist das einzige Wort, das immer neu ist: Indem es uns das Geheimnis Gottes offenbart, ist es unerschöpflich, es hört niemals auf, seinen Reichtum zu schenken“ (Generalaudienz, 11. Februar 2026).
Gott schenkt uns unaufhörlich seinen Reichtum. In dieser Fülle dürfen wir jedoch nicht übersehen, was er heute von uns fordert: Jede Geste der Hospitalität soll zur Verkündigung des Evangeliums werden. Jedes Wort der Hospitalität muss von einer Tat der Liebe begleitet sein, die auf das Reich Gottes hinweist. Unsere Tradition lehrt uns: Hospitalität ist kein starres Konzept und erschöpft sich nicht in bloßer Routine. Sie entfaltet sich beständig neu, indem sie sich den Nöten der Zeit und der Menschen anpasst – denn unser Auftrag ist es, das Reich Gottes mitten unter den Armen und Kranken erfahrbar zu machen.
Vorwärtsgehen bedeutet heute: Das Grab verlassen. Wir müssen jene vermeintlich sicheren Räume hinter uns lassen, die uns gestern noch Halt gaben, heute aber oft zu Orten geworden sind, in denen kein Leben mehr pulsiert und keine Auferstehung spürbar ist. Der auferstandene Herr ruft uns heraus aus unseren falschen Sicherheiten. Er lädt uns ein, ganz auf sein Wort zu hören – denn sein Wort wirkt immer das Neue.
Liebe Brüder, liebe Mitarbeitende, liebe Mitglieder unserer Hospitalfamilie! Wir sind gerufen, auf den Geist des Auferstandenen zu hören und unser Leben ganz auf Ostern auszurichten. Christus ist auferstanden – ohne Prunk und spektakuläre Gesten. Er zeigte sich seinen Jüngern in der Stille, begleitete sie auf dem Weg nach Emmaus und erschloss ihnen die Schrift. Ich bin überzeugt, dass auch unsere Sendung diesen Stil braucht: Eine Gegenwart, die für das Leben der Armen und Kranken wirklich zählt. Wir wollen keine ‚Lärmmacher‘ sein, die viel Aufsehen erregen, ohne einen echten evangelischen oder sozialen Beitrag zu leisten. Unsere Sendung fordert viel Energie – eine Energie, die wir gerne einsetzen, wenn sie Ausdruck eines authentischen Lebens aus dem Evangelium ist. Der Prophet Jesaja fragt uns: ‚Warum bezahlt ihr mit Geld, was kein Brot ist, und mit dem
Ertrag eurer Arbeit, was nicht sättigt?‘ (Jes 55,2). Wir investieren unsere Kräfte in das Reich Gottes. Nur so dürfen wir gewiss sein, dass der Auferstandene selbst mit uns auf den Wegen der Hospitalität geht.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest und dass Sie in Ihrem Leben das Licht und den Frieden erfahren, die der Auferstandene all jenen schenkt, die ihn in ihr Herz aufnehmen.
Ein frohes Osterfest 2026!
Frt. Pascal Ahodegnon, O.H.
Generalprior