Indische Pflegepersonen mit akademischer Ausbildung für Österreich

Die Barmherzigen Brüder engagieren sich in der Verbesserung der Personalsituation in der Pflege. Eckpfeiler sind hierbei Maßnahmen zur Ausbildung von Pflegepersonen in Österreich und zukünftig die Akquisition indischer Pflegepersonen.

 

Im Mai 2023 war eine Delegation der Barmherzigen Brüder Österreich zu Besuch in der Indischen Ordensprovinz, um das Kooperationsprojekt zwischen den Barmherzigen Brüdern in Österreich und Indien sowie dem Orden der Salesianer offiziell zu starten. Initiiert wurde das Projekt von Frater Saji Mullankuzhy OH, dem Provinzial der Österreichischen Ordensprovinz, der in Indien geboren und aufgewachsen ist. Die Vorbereitungen laufen bereits seit Beginn des Jahres 2023.

 

 

Vertiefung erfolgreicher langjähriger Kooperation

Bereits seit fast 40 Jahren arbeitet die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder mit der indischen Provinz zusammen. Kamen in den ersten Jahrzehnten immer wieder Ordensangehörige nach Österreich zur Ausbildung, werden künftig akademisch ausgebildete Pflegepersonen aus Indien nach Österreich kommen, um hier österreichweit in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen des Ordens zu arbeiten.

 

„Ziel unserer Zusammenarbeit ist der Aufbau einer langfristigen Kooperation der Ordensprovinzen, damit es indischen Pflegepersonen erleichtert wird, nach Österreich zu kommen. Ich bin selbst 2004 zur Ausbildung nach Österreich gekommen und habe dann hier jahrelang als Diplompfleger gearbeitet. Ich weiß, welche großen Hürden einem beim Wechsel von Indien nach Österreich erwarten“ erklärt Frater Saji Mullankuzhy OH, Provinzial der Österreichischen Ordensprovinz. Und Mullankuzhy weiter: „Dieses Projekt ist nur möglich und zu verantworten, weil es in Indien keinen Mangel an Pflegepersonen gibt und diese sehr gut ausgebildet sind. Interessent*innen für unsere Einrichtungen müssen mindestens einen universitären Abschluss im Pflegebereich auf Bachelorniveau besitzen“.

 

 

Warum benötigt Österreich ausländische Pflegepersonen?

Einer der Hauptgründe ist der demografische Wandel in Österreich. Die Bevölkerungspyramide in Österreich steht auf dem Kopf. Der Anteil der im erwerbsfähigen Alter stehenden Bevölkerung sinkt seit Jahren. Die 55- bis 60-Jährigen machen derzeit den größten Bevölkerungsanteil aus. „Die immer älter werdende Bevölkerung führt somit zu einer steigenden Nachfrage nach Pflegekräften. Gleichzeitig geht die Zahl junger Menschen, die sich für eine Karriere in der Pflege entscheiden, zurück, was den Mangel an inländischen Pflegekräften verstärkt. Daraus resultiert, dass Gesundheitsdienstanbieter und Pflegeeinrichtungen Schwierigkeiten haben, ausreichend Personal zu finden, um ihre Dienstleistungen aufrechtzuerhalten“, erklärt Dir. Barbara Mally, DGKP, MBA (Pflegedirektorin Barmherzige Brüder Österreich).

 

Eine strukturierte, gut vorbereitete und begleitete Migration von ausländischen Pflegekräften ist – neben vielen anderen Stellschrauben – eine längst fällige Maßnahme, um dieser Entwicklung gegenzusteuern. Die Anwerbung indischer Pflegepersonen durch die Barmherzigen Brüder Österreich kann hier dazu beitragen, den Personalmangel in der Pflege zu mildern und die Qualität der Versorgung aufrechtzuerhalten.

 

Die ersten Pflegepersonen aus Indien werden im Frühjahr 2024 eintreffen. Langfristig ist mit etwa 20 Fachkräften pro Jahr zu rechnen.

 

 

Beziehungsaufbau und Vertrauen als Basis

Das Projekt wird von den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder Österreich mitgetragen, denn es wird nicht in irgendeinem Land akquiriert, sondern in Indien, wohin über den weltweit tätigen Orden der Barmherzigen Brüder seit vielen Jahrzehnten persönliche Beziehungen und Kontakte bestehen und seit jeher ein Austausch in beide Richtungen auf Augenhöhe stattfindet.

 

Zum Beziehungsaufbau haben die Projektleitungen Dir. Barbara Mally, DGKP, MBA (Pflegedirektorin Barmherzige Brüder Österreich) und Mag. Romana Gabriel (Leitung HR Barmherzige Brüder Österreich) regelmäßige virtuelle Besprechungen mit den Ansprechpersonen vor Ort. Diese dienen zur Abklärung der Details, zur Bearbeitung akut auftretender Fragestellungen, aber vor allem auch zum wechselseitigen Kennenlernen und Vertrauen schaffen.

Rasch hat sich herausgestellt, dass jedoch die meisten Fragen von den Interessent*innen selbst kommen. Daher wird auch den Studierenden ein virtueller Austausch angeboten, um einander kennen zu lernen und wechselseitig Sicherheit und Klarheit zu gewinnen. „Immerhin ist eine Auswanderung eine große Entscheidung im Leben jedes Menschen und die Barmherzigen Brüder als Dienstgeber übernehmen dabei große Verantwortung“, so Mag. Romana Gabriel.

 

 

Appell an Politik: Bürokratische Hindernisse ausräumen

Eine der größten Hürden für eine Einwanderung nach Österreich ist neben dem Erlernen der deutschen Sprache der Prozess bis zum Erreichen der Anerkennung des ausländischen Studiums (Nostrifizierung), der Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung und der Eintragung in das Gesundheitsberuferegister. Dies liegt jedoch nicht an den Behörden als solche. Die Zusammenarbeit mit den Behördenvertreter*innen ist sehr konstruktiv und partnerschaftlich.

 

Seitens des Gesetzgebers ist allerdings eine Vereinfachung des Prozesses notwendig. „Dies ist unserer Ansicht nach möglich, ohne an Qualität zu verlieren. Um nur ein Beispiel zu nennen: Derzeit erfolgt die Prüfung der Qualifikationsnachweise der Bewerber*innen aus einem Drittstaat an drei verschiedenen Stellen, zeitlich hintereinander, was mehrere Monate in Anspruch nimmt. Das kostet Zeit und Geld und es ist schwer erklärbar, warum es ein halbes Jahr dauert, bis die Formalitäten erledigt sind und eine Einwanderung nach Österreich möglich ist“, erläutert Mag. Romana Gabriel, Leitung HR der Barmherzigen Brüder Österreich.

 

Direktor Adolf Inzinger, Gesamtleiter (CEO) der Barmherzigen Brüder Österreich, appelliert an die Politik: „Wir wissen aus Indien, dass Deutschland und vor allem die englischsprachigen Länder USA, Kanada sowie Australien intensiv um Arbeitskräfte werben. Wir befinden uns also in einem starken Wettbewerb in einem wichtigen Segment des Arbeitsmarktes und haben den Nachteil, dass Österreich im Vergleich zu Deutschland vor Ort nicht bekannt ist und Inderinnen und Inder Englisch bereits beherrschen. Wir sind gerne bereit, uns mit unseren Erfahrungen einzubringen, wenn von Seiten der Politik Optimierungen im Einwanderungsprozess angestrebt werden. Von den Barmherzigen Brüdern in Bayern ist uns bekannt, dass der Formalprozess in ihrem Bundesland aktuell überarbeitet und ab Sommer vereinfacht wird.“

 

Besuch eines Colleges für General Nursing in Indien

Besuch eines Colleges für General Nursing in Indien

 

 

Deutschkenntnisse als Schlüsselqualifikation

Das Erlernen der deutschen Sprache ist der wichtigste Faktor, damit Integration gelingen und der Pflegeberuf sicher ausgeübt werden kann. Dazu kooperieren die Barmherzigen Brüder mit einer Sprachschule vor Ort. Deutsch für die Pflege, die Vermittlung des österreichischen Pflegeverständnisses sowie der österreichischen Kultur sind zudem zentrale Themen.

 

Nach dem Ankommen in Österreich ist für die neuen Mitarbeiter*innen eine Fortsetzung des Deutschunterrichts für mehrere Wochen geplant. Für die Konzeptionierung wurde eine österreichische Deutschlehrerin ins Projektteam aufgenommen. Die Tätigkeit im neuen Arbeitsumfeld im jeweiligen Krankenhaus bzw. in der jeweiligen Betreuungseinrichtung wird dann Schritt für Schritt aufgenommen.

 

 

Vielfältige Ausbildungen in anderen BereichenDie Barmherzigen Brüder engagieren sich bereits seit 45 Jahren, seit der Gründung der Pflegeakademie und Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Wien, in der Ausbildung von Pflegefachkräften. Seither sind viele weitere Maßnahmen hinzugekommen: In den Einrichtungen in Kainbach und Kritzendorf wird Quereinsteiger*innen die berufsbegleitende Ausbildung zur Pflegeassistenz ermöglicht. Auch das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz hat ein ähnliches Modell in Kooperation mit dem BFI gestartet. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt fördert schon seit vielen Jahren die Hebammenausbildung. Die Krankenhäuser in Klagenfurt (Elisabethinen-Krankenhaus) und Wien kooperieren mit regionalen Fachhochschulen und ermöglichen Studierenden über mehrere Wochen eine Lernstation zu führen.

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