Diese Gründergestalt des Ordens nördlich
der Alpen war der Spross einer in Oberitalien weit verzweigten Adelsfamilie.
Ihre Mitglieder waren vornehmlich Beamte, Kaufleute, Lehrer und Geistliche.
Camillo war Chirurg und bereits in jungen Jahren Leibarzt des Herzogs Francesco
Maria II. delle Rovere von Urbino (1574 bis 1621) in Pesara. Die Kunst der
Chirurgie stand damals in Italien in hohem Ansehen. Er machte sich durch seine
Behandlungsmethoden in der Peszeit einen Namen. Auf dem Gebiet der
Destillationskunst besaß er hervorragende Kenntnisse.
Ordenseintritt
Nach Mailand
zurückgekehrt, ist er 1591 schon Mitglied des Konventes. Er nahm den
Ordensnamen Fra Gabriele an und legte 1595 sein Ordensgelübde ab. Bald wurde er
einer der führenden Männern des jungen Ordens in Italien.
|

Titelseite der 3. Ausgabe
des Chirurgie-Lehrbuches
von Gabriel Ferrara
|
Nuova selva di Cirurgia –
chirurgisches Standardwerk für Jahrzehnte
Während der ersten Zeit im Orden wurde die
erste Ausgabe seines chirurgischen Werkes „Nuova selva di Cirurgia, divisa in
due parti“ 1596 in Venedig gedruckt, die bald vergriffen war. Eine Neuauflage
wurde erforderlich. Diese ist bereits in Rom, wohin Fra Gabriele von der
Ordensleitung versetzt worden war, erschienen. Der erste Teil behandelt die
Chirurgie, der zweite die Medikamente und der dritte beschäftigt sich mit den
Figuren und Gefäßen der Destillation.
Weitere Auflagen erschienen wieder in Venedig,
und er schrieb, durch die Pest 1611 in Rom veranlasst, einen vierten Teil, in
dem er seine Erfahrungen in der Bekämpfung der Seuche darlegte. Noch 1696, also
100 Jahre nach der ersten Auflage, erfolgte dort eine weitere Ausgabe. Der
deutsche Arzt Peter Uffenbach übersetzte sie 1625 ins Lateinische. So wurde sie
in Frankfurt gedruckt und erlebte zwei weitere Auflagen. Noch der Armeechirurg
Maria Theresias und Joseph II., Alessandro Brambilla, wusste dieses Werk zu
schätzen.
In Leitungsfunktionen des Ordens
In Rom erfolgte sein rascher Aufstieg in
verantwortungsvolle Ämter. Er wurde Prior des Klosters mit dem Hospital auf der
Tiberinsel und er wurde im 1602 zum Provinzial von Rom und Mailand erwählt.
Alsbald war er Mitglied der Generalleitung des Ordens.
Er wurde vom Orden vor
allem mit der Neugründung von Hospitälern betraut. Seit 1605 war er auch
Generalvikar für alle Niederlassungen nördlich der Alpen geworden, deren erste,
jene in Feldsberg 1605, durch die Übernahme des kleinen Hospitals durch P. Cassinetti
entstanden war.

Ansicht des Wiener Krankenhauses
und der Klosterkirche in der Taborstraße
nach einem Stich um 1748
|
Das Jahr 1608 führte ihn nach Krakau. Er
war von den Polen dringend gebeten worden, den König zu heilen. Sie fürchteten,
der Tod des Königs würde einen Bürgerkrieg auslösen. Er erkannte das „Fieber“
des Königs und konnte ihn heilen.
Die dankbaren Bürger Krakaus stifteten 1609
ein Hospital, das Stammhaus einer großen Provinz wurde, die bis nach Litauen
und Weißrussland reichte, aber durch die später erfolgten Teilungen Polens
vorübergehend zugrunde ging.
Ordensgründungen in Österreich
Die für Österreich wichtige Wende im Leben
des Chirurgen und Ordensmannes war seine Entsendung nach Wien, da Kaiser Matthias sich für Wien ein
Spital wünschte.
Er traf im Oktober 1613 in Wien mit zwei
Mitbrüdern ein, wovon einer Priester war, und sie wohnten vorübergehend im
Bürgerspital. Ihre Ankunft fand nicht ungeteilte Zustimmung. Um sich
selbständig zu machen, erwarb Ferrara das Haus eines Dr. Thaller im „Unteren
Werdt“ und die Brüder konnten es als Spital mit anfangs wenigen Betten
einrichten. Ferrara fand im Jesuitenorden in Wien ein große Stütze.

Krankenhaus Graz-Marschallgasse
Ansicht der Gartenfront um 1790
|
Als besonders bedeutungsvoll erwies sich
die Heilung des Bruders des Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand II. Dieser
Kaiser wurde ihm ein persönlicher Freund und zugleich der größte Förderer des
Ordens. Die Heilung war bekanntlich der Anlass zur Gründung des Grazer
Hospitals 1615.
Die bald darauf erfolgten Gründungen in Salzburg und im
Lavanter Bischofsitz in St. Andrä waren nicht von bleibender Dauer. Anders in
Prag, wo die Brüder nach der Schlacht am weißen Berg ein Hospital errichten
konnten. Ferrara und seine Brüder waren 1620 dem kaiserlichen Heer als
Feldchirurgen gefolgt. 1622 schickte Ferrara zwei Brüder nach Neuburg an der
Donau, wo der Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg diesen ein ihm
gehörendes Haus zuwies.
Im Jahre 1625 war der Rat der Stadt Triest,
die zu den habsburgischen Erblanden zählte, an Ferrara herangetreten, die
Betreuung des Hospitals von San Giusto zu übernehmen. Diese Ausweitung war
durch den bald zahlreich einsetzenden Ordenseintritt Einheimischer möglich
geworden.
Als Gabriel Ferrara nach 13 Jahren in Wien
am 15. Jänner 1627 starb, hatte er durch seine Heilungserfolge begünstigt, ein
Hospitalwesen begründet, das in den folgenden Jahrhunderten vor allem auch den
Armen offen stand.