
Assistenten auf vier Pfoten
Vor einem Jahr ist Josef Maisser auf die S-Bahn-Gleise gestürzt. Zum Glück ist nichts passiert. Damals hatte der Wiener die Blindenführhündin Saphira noch nicht an seiner Seite, die ihn vor Abgründen und Hindernissen bewahrt. Seit einem halben Jahr sind sie ein Team. Mit der schwarzen Flat-Coated-Retriever-Hündin ist er flotter und sicherer unterwegs. „Meine Hündin umrundet mit mir E-Scooter am Gehsteig“, erzählt er stolz. Saphira wurde von einer Hundeschule ausgebildet. Nach der Eingewöhnung hat Josef Maisser mit ihr die Prüfung vor einer Kommission abgelegt. Geprüft wurde, wie er mit der Hündin umgeht und wie sie auf seine Ansagen reagiert. Mittels Kommandos wie „Links“, „Rechts“ oder „Such Tür“ führt sie ihn zum Ziel. Mit bestandener staatlicher Prüfung haben Assistenzhunde besondere Rechte: Um Herrchen oder Frauchen überall unterstützen zu können, haben sie Zutritt an Orten, wo Hunde sonst nicht erlaubt sind, etwa im Supermarkt. Ausgenommen sind Operationssäle und Küchen. Josef Maisser hatte bisher nur wenige unerfreuliche Begegnungen. Einmal wurde ihm wegen des Hundes der Zutritt in einen Supermarkt verweigert. Er einigte sich mit dem Filialleiter. „Jemand musste mich durchs Geschäft begleiten, ein anderer bei der Kassa auf Saphira aufpassen, weil meinen Hund, der über 40.000 Euro wert ist, leine ich nicht draußen an.“
HUNDE IN GELB
Als Assistenzhund erkennt man Saphira an der gelben Kenndecke mit schwarzem Hundekopf-Logo und der Aufschrift „Assistenzhund im Einsatz“. Diese Kennzeichnung tragen auch Service- und Signalhunde. Servicehunde helfen körperlich eingeschränkten Menschen, etwa beim Aufstehen nach Stürzen. Signalhunde sind darauf trainiert, Reize wahrzunehmen und anzuzeigen. Der Hund kann Allergiker:innen vor Allergenen warnen oder bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) frühzeitig auf Stressendes reagieren und unterstützen.
Nia, sie möchte anonym bleiben, hat schwere Traumatisierungen erlebt. Es gab eine Zeit, in der sie kaum das Haus verlassen hat. Inzwischen geht sie mit ihrer cremefarbigen Labradorhündin Naya mehrmals täglich hinaus, denn sie kann sie beruhigen. „Wenn mein Cortisolspiegel steigt, riecht sie das und gibt mir Bescheid“, erklärt Nia. „Sie legt den Kopf auf meinen Schoß oder legt sich zu meinen Füßen.“ Passiert eine Panikattacke im Freien, sucht sie Körperkontakt und wedelt mit dem Schwanz. „Das beruhigt mich.“ Für das Anzeigen und Beruhigen bekommt Naya ein Leckerli. Sie nimmt wahr, wenn jemand gestresst ist. „Zu Gutmütigen zieht sie mich hin, von Gestressten weg“, erzählt Nia.
Nia ist es wichtig, die Bedürfnisse ihres Hundes zu kennen. „Sie ist keine Maschine“, betont sie. Sie braucht Leckerlis, Freilauf, Begegnungen mit Hunden und Gelegenheiten zum Schwimmen. Nia erinnert sich an die erste Begegnung mit ihrer Hündin: „Ich wusste gleich: Naya ist es und sie wusste es auch.“ Ein halbes Jahr pendelte sie in die Steiermark, um die Hündin, die dort ausgebildet wurde, zu besuchen und an sich zu gewöhnen. Nia geht mit ihrem Hund nur in Arztpraxen und Geschäfte, in denen Assistenzhunde willkommen sind. Manchmal gerät sie aber an Mitarbeiter:innen, die sie mit Hund nicht in den Supermarkt lassen wollen, oder sogar an Kund:innen, die sie des Geschäfts verweisen wollen. Aber sie erlebt auch Schönes: „Ein Mann im Supermarkt hat mir freundlicherweise angeboten, etwas vorzulesen, weil er glaubte, ich habe einen Blindenführhund“, erzählt sie. Solche Begegnungen ermöglicht ihr nur ihre Assistenzhündin: „Naya gibt mir Stabilität und Sicherheit und sorgt für meine Teilhabe an der Gesellschaft.“