
Chirurg und Gründer
Gabriel Ferrara entstammte dem norditalienischen Adelsgeschlecht der Grafen Ferrara. Er wurde um 1543 in Mailand geboren und studierte wahrscheinlich hier Chirurgie, ein Fach, das damals in Italien durch die hohe Qualität der Ausbildung sehr angesehen war. Rasch erarbeitete er sich einen hervorragenden Ruf und wirkte unter anderem als Leibarzt des Herzogs von Urbino in Pesara. Doch mit 48 Jahren entschied er sich, seinen Lebensweg zu ändern. Er trat in den Orden der Barmherzigen Brüder ein und legte 1595 seine Gelübde ab.
1596 wurde in Venedig sein Werk „Nuova selva di Cirurgia" veröffentlicht, das zu einem chirurgischen Standardwerk wurde und mehrere Neuauflagen erlebte. Währenddessen machte Frater Gabriel Karriere im Orden. 1598 wurde er nach Rom versetzt, wo er unter anderem zum Provinzial und bald darauf auch in die Generalleitung des Ordens berufen wurde. 1605 wurde er zum General-vikar für die Niederlassungen nördlich der Alpen bestellt und vor allem mit der Gründung von Hospitälern betraut. Erste Niederlassung hier war jene in Feldsberg (Vatice) im heutigen Tschechien, wo der Orden auf Wunsch des Fürsten Karl I. von Liechtenstein im selben Jahr ein kleines, bestehen-des Hospital übernommen hatte.
22 Hospitäler gegründet
Im Jahr 1608 konnte Gabriel Ferrara den lebensgefährlich erkrankten polnischen König Sigismund III. heilen. Zum Dank stellten ihm die Bürger von Krakau ein Gebäude zur Errichtung eines Konvents samt Krankenhaus zur Verfügung. 1613 kam Gabriel Ferrara nach Wien, da sich Kaiser Matthias auch hier ein Spital des Ordens wünschte. Er erwarb an der heutigen Taborstraße ein Haus samt Garten, wo er mit einigen Mitbrüdern 1614 ein kleines Spital einrichtete. Im Jahr darauf konnte er Erzherzog Maximilian Ernst, den Bruder des Kaisers, heilen. Als Dank stiftete das Kaiserhaus ein Krankenhaus in Graz.
Im Dreißigjährigen Krieg war Ferrara Feldchirurg bei den kaiserlichen Truppen und nahm 1620 an der Schlacht am Weißen Berg teil. Als Dank für seine Dienste schenkte Kaiser Ferdinand II. dem Orden einen verlassenen Besitz in Prag, wo man ein Krankenhaus einrichtete.
1622 schickte Gabriel Ferrara zwei Brüder nach Neuburg an der Donau, wo Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg ihnen ein Haus zur Gründung eines Spitals zuwies. 1625 bat der Rat der Stadt Triest Gabriel Ferrara, die Betreuung des Hospitals von San Giusto zu über-nehmen. Neben seiner umfassenden Gründertätigkeit blieb er auch als Arzt und Chirurg tätig. So behandelte er sogar Papst Urban VIII. in Rom.
Als Gabriel Ferrara am 15. Jänner 1627 in Wien starb, hatte er insgesamt 22 Hospitäler gegründet, die vor allem der medizinischen Versorgung der armen Bevölkerung dienten.
Jubiläumskongress
Anlässlich des 400. Todestages von Frater Gabriel Ferrara findet am 14. und 15. Jänner 2027 in Wien ein Ärztekongress unter dem Motto „Medizin damals, heute und morgen - im Geiste Gabriel Ferraras" statt. Neben Fachvorträgen wird es dabei die Gelegenheit zum Austausch zwischen den Kolleg:innen aus der Ordensprovinz Europa Mitte geben.
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