Gemeinsam unterwegs Richtung Lebensfreude!

Lebenswelt Schenkenfelden

Ein Fest der Freude, der Emotion, der Dankbarkeit wurde am 11. Juli in Schenkenfelden gefeiert. Die Lebenswelt, gleichzeitig das "Lebenswerk" von Dr. Johannes Fellinger feierte mit über 700 Gästen das 20-jährige Jubiläum.

 

Neben politischen Vertretern, MitarbeiterInnen und BewohnerInnen von Schenkenfelden standen die TeilnehmerInnen der Lebenswelt im Zentrum des Festes und zeigten auf ihre ganz persönliche Weise, wie Inklusion gelebt wird.

 

Der Eröffnungs-Festzug der Gemeinde Schenkenfelden, begleitet von der Blasmusikkapelle, war ein deutlicher Beweis, wie anerkannt die Einrichtung inmitten der Marktgemeinde ist. Über 700 Personen, darunter Vereine, die Musikkapelle und Goldhaubengruppe, Vertreter des Ordens, Bewohner, Mitarbeiter, Teilnehmer der Lebenswelt und begleiteten den Festzug unter dem Motto: Gemeinsam unterwegs!

 

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Und dieses Motto beschreibt sehr gut, worum es bei dem Jubiläum eigentlich ging: Nämlich darum, dass es durchaus möglich ist, einen gemeinsamen Weg zu finden, trotz Beeinträchtigung wie z.B. Gehörlosigkeit, gemeinsam zu kommunizieren, gemeinsam zu leben und gemeinsam zu feiern.

 

 

Zeugnis von Johannes von Gott

Für die Vertreter des Ordens der Barmherzigen Brüder, gilt die Lebenswelt als ganz besondere Einrichtung, erzählt Pater Provinzial Frater Saji Mullankuzhy OH : „Als ich als erstmals von der Lebenswelt gehört habe, da habe ich das Lebenswerk und ein Zeugnis von Johannes von Gott gesehen, der in der bedingungslosen Liebe und Zuwendung zu Armen, Hilfesuchenden und Kranken lebte. Und nach dessen Vorbild wir Barmherzigen Brüder heute weltweit leben und arbeiten.“

„Lebensfreude entsteht durch Gemeinschaft. Gemeinschaft durch gemeinsame Sprache."

MedR Dr. Johannes Fellinger

„Die Idee überhaupt Menschen mit Gehörlosigkeit besonders zu sehen und ihr Potential der persönlichen Entfaltung zu sehen, kam schon viel früher“, erzählte der Gründer des Gemeinschaftskonzeptes Dr. Fellinger:“ Sensibilisiert durch die Taubheit des eigenen Vaters, begann er frühzeitig Sprechstunden für gehörlose Patienten im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder anzubieten. Im Zuge dieser Arbeit und aufgrund bewegender Momente und Lebensschicksale reifte die Idee, eine Gemeinschaft aufzubauen, in der Menschen mit Gehörlosigkeit und zusätzlicher Beeinträchtigung gemeinsam leben, gemeinsam kommunizieren und vor allem: gemeinsam glücklich sein können.

 

 

Kommunikation – ein Grundrecht des Menschen

Das Besondere an der „Lebenswelt" ist, dass Menschen mit Gehörlosigkeit und zusätzlicher Beeinträchtigung nicht nur betreut werden, sondern auch als gleichwertige Mitglieder in einer therapeutischen Gemeinschaft leben und arbeiten. Gesicherte Kommunikation - insbesondere durch Gebärdensprache -und bedingungslose Wertschätzung jeder Person ermöglichen persönliche Beziehungen und individuelle Entfaltung.

 

 

Gemeinschaft ist therapeutisch und damit heilsam

An dieser Gemeinschaft nehmen alle teil, unabhängig von Beeinträchtigung, Profession oder Funktion. Die Bereitschaft, voneinander lernen zu wollen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln, ist essentiell. Die Mitarbeiter stehen ebenso wie die Teilnehmer in einem Entwicklungsprozess, auch wenn ihnen vielfach die Rolle als „Entwicklungshelfer" zukommt, um angelegte Ressourcen der Teilnehmer zur Entfaltung zu bringen.

 

„Der Mensch will sehen und hören, aber noch mehr möchte er  kommunizieren."

Isolation durch Hörbeeinträchtigung

Dass das Bedürfnis nach Gemeinschaft und sinnstiftender Tätigkeit bei Gehörlosen mit Beeinträchtigung gegeben ist, erkannte Fellinger bereits vor vielen Jahren als Leiter der Gehörlosenambulanz im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz. Das Nicht-Hören-Können sowie Einschränkungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit und Verhaltensprobleme führten häufig zu Isolation in der Familie und im sozialen Leben. „Betroffene waren aufgrund der mangelnden Kommunikation nie wirklich teil des Familienlebens, viele wussten nicht einmal wie ihre Eltern heißen oder kannten die Lebensgeschichte ihrer Familie nicht", erinnert sich Fellinger heute.

 

Gesicherte Kommunikation

 

 

Sein Kind in guten Händen wissen

Auch die Sorge von Eltern, nicht ausreichend ein beeinträchtigtes Kind betreuen und fördern zu können, war für Fellinger mit ein Grund, einen Lebensraum zu schaffen, der Entfaltung, Weiterentwicklung und Lebensfreude ermöglicht.

 

„Mein Sohn hat in Schenkenfelden wieder den Sinn des Lebens zurückbekommen. Und auch wir fühlen uns wohl, weil wir wissen, er ist hier gut aufgehoben und in sicheren Händen", so eine betroffene Mutter. „Heute wäre Schenkenfelden ohne die Lebenswelt-Teilnehmer nicht Schenkenfelden. Sie sind ein Teil von uns".

 

 

Inklusion entsteht durch Integration

Um das Konzept einer therapeutischen Gemeinschaft leben zu können, war nicht nur das Konzept, sondern auch die Wahl des Standortes ausschlaggebend. Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen werden oft am Ortsrand angesiedelt - nicht so die Lebenswelt. Das Gerstl-Haus, das von Familie Fellinger unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird, liegt mitten im Ortszentrum und ermöglicht dadurch eine völlige Einbindung in das Gemeindeleben. „Die Lebenswelt-Teilnehmer gehen selbständig einkaufen oder auf die Bank", beschreibt Bürgermeister Karl Winkler das Zusammenleben.

 

Gerstlhaus in Schenkenfelden

 

 

Rückblick auf bewegte Jahre

Anlässlich des Jubiläums wurde eine umfassende Chronik herausgegeben. Sie erzählt von Visionen, die durch Kommunikation, Zusammenarbeit und Wegbegleiter zu einem internationalem Konzept für gelebte Inklusion wurde. Anzufordern in der Lebenswelt Schenkenfelden.

 

 

Mehr über das Jubiläum unter 

https://www.barmherzige-brueder.at/unit/20jahrelebenswelt/home

 

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   Gutes tun und es gut tun!

    Motto des hl. Johannes von Gott
    (1495-1550)

 

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