27. Januar 2026
Demenzsensibles Krankenhaus: Das Bohren dicker Bretter
1. Krankenhäuser müssen sich der Realität stellen.
- Bei 40% aller Patienten über 65 finden sich kognitive Störungen unterschiedlicher Art und Schwere. Viele davon sind auf Demenzerkrankungen zurückzuführen.
- Patienten mit kognitiven Einschränkungen müssen frühzeitig erkannt werden, um ihnen gerecht zu werden.
- KH-Mitarbeiter benötigen Qualifikationen für den Umgang mit solchen Patienten, um die Arbeitsbelastung zu bewältigen.
2. Auch bei Demenz gilt es, die Selbstbestimmung des Patienten zu fördern.
- Menschen mit Demenz mpssen an möglichst allen Entscheidungen teilhaben können, die ihnen noch zugänglich sind.
- Der (mutmaßliche) Wille der Patienten sollte gemeinsam mit Vertrauten des Betroffenen ergründet werden.
- Freiheitsbeschränkende Maßnahmen können bei bestmöglicher Betreuung minimiert werden.
3. Der Umgang mit Patienten mit Demenz muss Qualitätsstandards entsprechen.
- Das Ziel lautet: "Der körperliche und geistige Allgemeinzustand des Patienten mit kognitivem Risiko ist nach einem KH-Aufenthalt besser oder zumindest nicht schlechter als bei der Aufnahme."
- Fachliche Standards, wie jener der S3-Leitlinie "Demenzen", sind Maßstab der Versorgung.
4. Krankenhäuser müssen ihre Strukturen überdenken.
- Erfahrungen und Empfehlungen zu demenzsensibler Architektur sind bei Bau- und Entwicklungsprojekten einzubeziehen.
- Patienten-orientierte, schlanke klinische Abläufe können die Belastung für Menschen mit Demenz verringern.
5. Postoperativen Deliren gilt es vorzubeugen.
- Menschen mit kognitiven Einschränkungen haben ein erhöhtes Delir-Risiko, und dies führt zu 20-fach erhöhten Mortalität.
- Alle an der Patientenversorgung beteiligten Berufsgruppen sollten daher Symptome eines Delirs einordnen können.
- Es existieren erprobte Delir-Prophylaxe- und Delir-Management-Programme, auf die in der Bewältigung dieses Themas zurückgegriffen werden kann, wie insbesondere "HELP" (englisch, deutsch).
6. Es braucht ein differenziertes Qualifizierungs-Programm.
- Alle KH-Mitarbeiter/innen, inkl. Ehrenamtliche, sollten für das Thema sensibilisiert sein.
- In jedem Bereich sollte es Mitarbeiter/innen geben, die eine Basisschulung erhalten haben.
- In jedem KH sollte es eine Gruppe von Expert/innen mit zertifizierter Weiterbildung geben, die allen Bereichen als Konsiliar- oder Liaisondienst zur Verfügung stehen.