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Sepsis/Blutvergiftung: Wenn die eigene Abwehr lebensgefährlich wird

Welt-Sepsis-Tag am 13. September: Eine Sepsis, besser bekannt als Blutvergiftung, kann innerhalb weniger Stunden lebenswichtige Organe schädigen. Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC, warum frühes Erkennen und eine rasche Behandlung entscheidend sind. 

Der Vorstand der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan und am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt ist zugleich Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI).

 

Eine Lungenentzündung, ein Harnwegsinfekt oder eine Infektion im Bauchraum kann zur lebensbedrohlichen Sepsis werden. Wie rasch sich eine zunächst begrenzte Infektion auf den gesamten Organismus auswirken kann, erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC, Vorstand der Abteilungen Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan und am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI).

Bei einer Sepsis reagiert das Immunsystem auf eine Infektion so heftig und fehlgesteuert, dass die Abwehrreaktion selbst Gewebe und Organe schädigt. Der Kreislauf kann zusammenbrechen, lebenswichtige Organe können versagen. „Die eigentliche Gefahr ist nicht allein die Infektion, sondern die Reaktion des Körpers darauf. Die Abwehr gerät außer Kontrolle und richtet zunehmend Schaden im eigenen Organismus an“, erklärt der Intensivmediziner.

 

Eine Erkrankung, die oft zu spät erkannt wird

Sepsis ist keine eigenständige Infektion, sondern die lebensbedrohliche Folge einer fehlregulierten Immunantwort. Sie kann grundsätzlich aus jeder Infektion entstehen. Besonders häufig liegen ihr Lungenentzündungen, Infektionen der Harnwege oder des Bauchraums zugrunde. Auch ein Darmdurchbruch mit nachfolgender Infektion kann eine schwere Sepsis auslösen.

Die Symptome sind nicht immer eindeutig. Hohes Fieber, Schüttelfrost, schneller Puls und niedriger Blutdruck können ebenso auftreten wie beschleunigte Atmung, ausgeprägte Schwäche oder eine Bewusstseinstrübung. Manche Patient:innen entwickeln eine Untertemperatur statt Fieber. Gerade bei älteren Menschen kann eine plötzlich auftretende Verwirrtheit ein wesentliches Warnzeichen sein.

„Besonders problematisch ist, wenn Betroffene bei einer raschen Verschlechterung zu lange zu Hause zuwarten. Eine schwere Infektion in Verbindung mit Kreislaufproblemen, Atemnot oder Verwirrtheit muss umgehend medizinisch abgeklärt werden.“

 

Die erste Stunde kann entscheidend sein

Die im März 2026 veröffentlichten Leitlinien der internationalen „Surviving Sepsis Campaign“ empfehlen bei septischem Schock sowie bei wahrscheinlicher oder gesicherter Sepsis eine sofortige Antibiotikagabe, möglichst innerhalb einer Stunde. Ist eine Sepsis zunächst nur möglich und liegt kein Schock vor, soll rasch abgeklärt und bei erhärtetem Verdacht innerhalb von drei Stunden mit der Antibiotikatherapie begonnen werden. „Je schwerer die Sepsis, desto dringlicher wird die Behandlung.

Die Behandlung darf dadurch nicht unnötig verzögert werden. Je nach Zustand benötigen Patient:innen Flüssigkeit, kreislaufstabilisierende Medikamente, Beatmung oder weitere intensivmedizinische Maßnahmen.

 

Intensivmedizinische Verantwortung

An den beiden Ordenskrankenhäusern in St. Veit und Klagenfurt ist die Behandlung schwerer Infektionen eine Aufgabe mehrerer Fachbereiche. Die Anästhesiologie und Intensivmedizin unter der Leitung von Prim. Priv.-Doz. Dr. Zink übernimmt eine zentrale Rolle, wenn Patient:innen intensive Überwachung, Kreislaufunterstützung oder die Behandlung eines Organversagens benötigen. „Sepsis beginnt häufig nicht auf der Intensivstation. Die Erkrankten kommen mit einer Lungenentzündung, einer Infektion im Bauchraum oder einer anderen Erkrankung zu uns. Entscheidend ist, dass der Verdacht früh erkannt wird“, erläutert der Abteilungsvorstand.

Im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt betrifft die fachübergreifende Zusammenarbeit auch Infektionen im Bereich der Orthopädie. Eine „Spondylodiszitis“, eine Infektion der Bandscheibe und angrenzender Wirbelkörper, kann in schweren Fällen eine Sepsis auslösen. „Wir müssen nicht nur die Auswirkungen auf den gesamten Organismus behandeln, sondern auch die Ursache der Infektion finden und gezielt beseitigen“, so Primar Dr. Zink.

 

Nach der Intensivstation beginnt für viele ein langer Weg

Die akute Lebensgefahr zu überstehen, bedeutet nicht zwangsläufig, wieder gesund zu sein. Nach einer schweren Sepsis können Muskelkraft, Belastbarkeit, Konzentration und psychische Verfassung längerfristig beeinträchtigt bleiben. Diese Beschwerden werden unter anderem dem Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) zugeordnet. „Das betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern häufig auch ihre Angehörigen. Die Genesung kann Wochen oder Monate dauern“, erklärt Zink.

Die neuen internationalen Leitlinien rücken deshalb die Nachsorge stärker in den Mittelpunkt. Sie empfehlen, über mögliche Langzeitfolgen zu informieren, nach längerer Beatmung körperliche Rehabilitation anzubieten und kognitive sowie psychische Beschwerden zu berücksichtigen. „Unser Ziel ist nicht allein, dass Menschen eine Sepsis überleben. Entscheidend ist auch, wie sie in ihr Leben zurückkehren. Dafür müssen wir mögliche Folgeschäden früh erkennen und die weitere Betreuung entsprechend gestalten.“

 

Warnzeichen, bei denen rasch gehandelt werden muss

Besonders ernst zu nehmen sind eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Fieber oder Untertemperatur, starke Schwäche, schneller Puls, niedriger Blutdruck, Atemnot sowie neu auftretende Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen. Bei Verdacht auf eine Sepsis ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich. Bei akuter Lebensgefahr sollte die Rettung unter 144 verständigt werden. „Vom ersten Verdacht über die Akutbehandlung bis zur Nachsorge darf möglichst keine Lücke entstehen“, fasst Zink zusammen.

 

 

 

Zur Person:

Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC

Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, D.E.A.A., FESAIC

Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC ist Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan und am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt. Er ist Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI). In seiner Funktion verbindet er die klinische Verantwortung für schwer erkrankte Patient:innen an beiden Kärntner Ordenskrankenhäusern mit seiner Tätigkeit auf Ebene der österreichischen Fachgesellschaft.

 

 

Hintergrund zum Welt-Sepsis-Tag

 

Der Welt-Sepsis-Tag findet jährlich am 13. September statt. Die im März 2026 veröffentlichten internationalen Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign aktualisieren die Empfehlungen zu Früherkennung, Diagnostik, Antibiotikatherapie, Kreislaufstabilisierung und Nachsorge. Ergänzend steht in Österreich das ÖGARI-Konsensuspapier zur Prävention, Diagnostik, Behandlung und Nachbetreuung von Sepsis aus dem Jahr 2023 zur Verfügung.

 

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