Geborgen gebären: Neuer „Geburtszirkel“ stärkt Frauen in St. Veit/Glan
Dieses Konzept schafft Raum für Bewegung, fördert Entspannung und stärkt das Vertrauen der werdenden Mütter in den eigenen Körper.
Passend zum Welthebammentag am 5. Mai wird der „Geburtszirkel“ nun offiziell der Öffentlichkeit präsentiert, der von zwei Hebammen des Krankenhauses entwickelt wurde.
Im Raum herrscht eine ruhige, geschützte Atmosphäre: gedämpftes Licht, leise Musik. Eine Frau sitzt auf einem Gymnastikball, bewegt ihr Becken in kleinen Kreisen und atmet gleichmäßig. Die Hebammen Sabrina Eberhard (rechts am Bild) und Barbara Morak (links) stellen den Frauen dieses Angebot zur Verfügung und vermitteln ihnen gezielte Methoden, um selbstbestimmt mit der Situation umzugehen. Statt Hektik stehen hier Konzentration, Vertrauen und Bewegung im Mittelpunkt.
Mit dem neuen Geburtszirkel geht das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan bewusst einen etwas anderen Weg in der Geburtshilfe – einen, der werdende Mütter stärkt und ihnen Raum gibt, ihre Geburt aktiv mitzugestalten.
Während viele dieser Methoden einzeln bekannt sind, verbindet der Geburtszirkel sie erstmals zu einem klaren, strukturierten Ablauf. Das gibt Frauen Orientierung – und ermöglicht ihnen, ihre Geburt aktiv mitzugestalten.
Ein Konzept, das Frauen ins Tun bringt
Der Geburtszirkel wurde von den Hebammen der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe entwickelt – aus der täglichen Erfahrung heraus, was Frauen in der frühen Phase der Geburt wirklich brauchen: Zeit, Orientierung und die Möglichkeit, sich frei zu bewegen. „Gerade am Anfang der Geburt passiert ganz viel im Inneren“, erklärt Prim. Dr. Freydun Ronaghi, MBA, Vorstand der Abteilung für Geburtshilfe. „Wir wollten ein Konzept schaffen, das genau diese Phase bewusst unterstützt – ohne Druck, aber mit klarer Struktur.“
Diese Struktur gibt der Geburtszirkel: sieben aufeinander abgestimmte Stationen, die nacheinander durchlaufen werden können. Etwa alle 20 Minuten wechseln die Frauen – von Bewegung zu Entspannung, von Aktivität zu Rückzug.
Sieben Stationen – und viele Möglichkeiten
Jede Station bietet etwas anderes. Nichts muss, alles darf ausprobiert werden. Mal ist es das warme Wasser, das den Körper trägt und die Muskeln weich werden lässt – als Dusche oder Bad. Mal der Geburtsball, auf dem kreisende Bewegungen das Becken öffnen und dem Baby helfen, seinen Weg zu finden. Dann wieder eine ruhige Position auf der Matte, begleitet von Atem und sanften Berührungen. Auch kleine, oft unterschätzte Dinge spielen eine große Rolle: eine warme Dusche, ein Fußbad, eine Kreuzbeinmassage, vertraute Musik im Hintergrund oder angenehme Düfte im Raum. „Es sind oft genau diese einfachen Mittel, die Frauen Sicherheit geben“, sagt Hebamme Sabrina Eberhard, die auch Praxisanleiterin ist. „Sie kommen bei sich an – und beginnen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.“
Den eigenen Rhythmus finden
Der Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe ist bewusst gewählt. Gehen, tanzen, sich wiegen oder verschiedene Positionen einnehmen – und dann wieder innehalten, atmen, loslassen. „Viele Frauen finden über die Bewegung ihren Rhythmus“, sagt Hebamme Barbara Morak. „Und plötzlich merken sie: Die Wehen sind nichts, was ihnen passiert – sie können damit arbeiten.“
Auch die Atmung wird gezielt eingesetzt: ruhig, tief, im eigenen Tempo. Sie hilft, die Wehen zu begleiten – und schafft Verbindung zum eigenen Körper und zum Baby.
Geburt bewusst erleben
Ein wichtiger Teil des Geburtszirkels ist die mentale Unterstützung. Kleine angeleitete Visualisierungen oder bewusste Atempausen helfen, sich zu sammeln und Vertrauen aufzubauen. „Wir erleben oft, dass Frauen im Laufe der Geburt immer mehr bei sich ankommen“, sagt Hebamme Sabrina Eberhard. „Dieses Vertrauen in den eigenen Körper – das ist etwas sehr Kraftvolles.“ Auch Begleitpersonen können aktiv eingebunden werden – etwa durch Massagen oder unterstützende Handgriffe. Das schafft Nähe, Sicherheit und stärkt das gemeinsame Erleben der Geburt.
Ein Angebot, das Frauen nachhaltig stärkt
Der Geburtszirkel ist ein neues Angebot für die Frauen auf der Geburtenstation in St. Veit/Glan. Ziel ist es, Frauen individuell zu begleiten – ohne starre Abläufe, aber mit einem klaren Rahmen, der Orientierung gibt. „Wir möchten Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen“, sagt Prim. Dr. Ronaghi. „Geburt ist etwas sehr Persönliches – und genau so darf sie auch erlebt werden.“

Die Hebammen Barbara Morak und Sabrina Eberhard vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan entwickelten den „Geburtszirkel“.