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Zwei Schritte auf dem Weg zum Barmherzigen Bruder

Für zwei junge Männer aus der Ordensprovinz Europa Mitte waren die letzten Tage ganz besonders: Till Pfandl aus Steyr (OÖ) legte am 26. September im europäischen Noviziat in Brescia seine Einfache Profess ab. Tags zuvor wurde bereits Maroš Barjak aus Banská Bystrica in der Slowakei nach Abschluss seines Postulantats in das Noviziat aufgenommen.

Die Feier fand in der Kirche Sant’Orsola der Barmher­zigen Brüder statt, die unmittelbar neben dem Noviziat in Brescia (Nord­italien) liegt. Die Profess von Till Pfandl und zweier anderer Brüder aus der Portugiesischen Ordensprovinz nahm Frater Rudolf Knopp, Provinzial der Ordensprovinz Europa Mitte, entgegen. Gemeinsam mit Maroš Barjak wurden zwei weitere Postulanten aus den Ordensprovinzen Spanien und Polen in das interprovinzielle Noviziat aufgenommen.

 

Dass an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mehrere junge Männer ihre Erste Profess ablegten oder in das Noviziat eintraten, macht für Frater Rudolf Knopp, Provinzial der Ordensprovinz Europa Mitte sichtbar, „dass Berufung ein Weg ist, der Zeit, Begleitung und Vertrauen braucht. Wir freuen uns sehr, Till und Maroš auf diesem Weg begleiten zu dürfen. Gleichzeitig zeigt das internationale Noviziat in Brescia, dass unsere Brüder über Länder- und Provinzgrenzen hinweg eine Gemeinschaft bilden und gemeinsam lernen, Hospitalität zu leben.“

 

 

Vier Gelübde – zunächst für ein Jahr

 

Mit seiner Ersten Profess gelobte Till Pfandl Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam. Hinzu kam das vierte und für die Barmherzigen Brüder charakteristische Gelübde der Hospitalität: der besondere Einsatz für kranke, alte, arme und hilfsbedürftige Menschen. Die Einfache Profess wird zunächst für ein Jahr abgelegt. Während der folgenden Ausbildungsjahre erneuert ein Bruder seine Gelübde jährlich. Erst mit der Feierlichen Profess bindet er sich endgültig und auf Lebenszeit an den Orden.

 

Für Till Pfandl bedeutete die Profess zugleich den Abschluss seines zweijährigen Noviziats in Brescia. Anschließend wechselt er in das interprovinzielle Scholastikat nach München. Dort setzt er seine geistliche, persönliche Ausbildung fort und wird erste Erfahrungen im Krankenhausbereich sammeln.

 

 

Eine Frage am Sterbebett wurde zum Anfang

 

Der Weg von Till Pfandl zu den Barmherzigen Brüdern begann mit einem Erlebnis, das ihn schon als Jugendlichen beschäftigte. Pfandl wurde 2002 in Steyr geboren und wuchs im Nahe gelegenen Garsten in Oberösterreich auf. Seine Großmutter nahm ihn regelmäßig mit in die Kirche. Als Schüler kam er zu den Sängerknaben des Stiftes St. Florian und lernte dort früh das Leben in einer Gemeinschaft kennen.

 

Mit 17 Jahren erlebte er, wie seine Urgroßmutter in einem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder im Sterben lag. Ein Weltpriester begleitete sie und spendete ihr die Krankensalbung – ein Barmherziger Bruder konnte aufgrund der geringen Zahl an Brüdern nicht bei ihr sein. „Wir sind bei den Barmherzigen Brüdern und es kommt kein Bruder zu meiner Urgroßmutter“, erinnerte sich Pfandl später an seine damalige Frage. Die Antwort, es gebe zu wenige Brüder, ließ ihn nicht mehr los: „Da habe ich begonnen, darüber nachzudenken, selbst Barmherziger Bruder zu werden.“

 

Seine Suche nach der eigenen Berufung führte ihn zunächst zu verschiedenen Ordensgemeinschaften. Schließlich lebte er einige Zeit im Konvent der Barmherzigen Brüder in Graz mit und arbeitete im dortigen Krankenhaus. Besonders die Gemeinschaft unter den Brüdern beeindruckte ihn. Als der leibliche Bruder eines Mitbruders starb und die Gemeinschaft gemeinsam zum Begräbnis fuhr, wurde für ihn etwas sichtbar, das über den Arbeitsalltag hinausging: „Mich hat bewegt, wie eng diese Gemeinschaft ist.“ Nach Postulantat und Noviziat wurde aus der Frage eines 17-Jährigen nun eine verbindliche Entscheidung: Mit seiner Ersten Profess wurde Till Pfandl Barmherziger Bruder.

 

 

Impressionen von der ABLEGUNG DER EINFACHEN PROFESS

 

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Gemeinsam mit Frater Till legten zwei Brüder aus der Portugiesischen Provinz ihre Einfache Profess ab: Irmao David Vieira (Portugal) und Irmao Orivaldo Neves (Kapverden)

 

 

Vom IT-Beruf zum Dienst an kranken Menschen

 

Während für Frater Till mit der Profess die Ausbildungsphase im Noviziat zu Ende ging, begann diese tags zuvor für Maroš Barjak mit seiner Aufnahme in das Noviziat.

 

Barjak wurde 1989 in Banská Bystrica in der Slowakei geboren. Schon früh interessierte er sich für Computer und Informationstechnologie und war nach seiner Ausbildung mehrere Jahre beruflich in diesem Bereich tätig. Getauft wurde er bereits als Kind, ein aktives kirchliches Leben spielte in seiner Familie zunächst jedoch keine große Rolle. Erst als Erwachsener begann er, sich intensiv mit seinem Glauben und der Frage nach seiner Berufung auseinanderzusetzen. Schließlich gab er seine bisherige berufliche Laufbahn auf.

 

Er arbeitete als persönlicher Assistent eines schwerbehinderten Menschen mit Muskeldystrophie und engagierte sich später unter anderem bei der Missionsgesellschaft des heiligen Vinzenz von Paul, bei Sant’Egidio sowie in sozialen Einrichtungen. Er begleitete kranke, obdachlose, behinderte und palliativ betreute Menschen. „Im Dienst an kranken Menschen habe ich meine Berufung und meine Lebensfreude gefunden“, beschreibt Maroš Barjak diese Erfahrungen.

 

Auf seiner Suche nach der passenden Form des Ordenslebens lebte er rund zweieinhalb Jahre im Benediktinerkloster der Verklärung des Herrn in Sampor in der Slowakei. Noch vor der Ersten Profess entschied er sich jedoch, diesen Weg nicht fortzusetzen. Der Wunsch, sein Leben besonders kranken und leidenden Menschen zu widmen, führte ihn schließlich zu den Barmherzigen Brüdern. Nach seinem Postulantat begann für ihn nun mit der Aufnahme in Brescia das zweijährige Noviziat.

 

„Ich habe auf meinem bisherigen Weg immer deutlicher erfahren, dass ich mein Leben in den Dienst kranker und hilfsbedürftiger Menschen stellen möchte. Mit der Aufnahme in das Noviziat beginnt für mich eine neue und intensive Zeit des Lernens, des Gebets und des Lebens in Gemeinschaft. Ich freue mich darauf, das Charisma der Hospitalität noch tiefer kennenzulernen und zu prüfen, wohin Gott mich auf diesem Weg führen möchte.“

 

 

Impressionen von der Aufnahme in das Noviziat

 

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Brescia als „Schule des Lebens“

 

Das gemeinsame europäische Noviziat der Barmherzigen Brüder in Brescia trägt den Namen des heiligen Richard Pampuri, der selbst Barmherziger Bruder und Arzt war und dort sein Noviziat absolvierte. Junge Männer aus verschiedenen europäischen Ordensprovinzen leben und lernen dort gemeinsam.

 

Die Ausbildung umfasst dabei weit mehr als theoretische Beschäftigung mit der Ordensregel, den Gelübden und der Spiritualität. Die Novizen setzen sich mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Glauben auseinander, lernen das Leben in Gemeinschaft kennen und sammeln praktische Erfahrungen im Dienst an Menschen. Besonders prägend ist im zweiten Noviziatsjahr die Mitarbeit in einer Einrichtung für obdachlose und kranke Menschen. Die Novizen helfen dort bei ganz alltäglichen Aufgaben, begleiten Menschen zu Behörden oder stehen ihnen in schwierigen Lebenssituationen bei. Die Novizen selbst bezeichnen diese Erfahrung immer wieder als eine „Schule des Lebens“.

 

Novizenmeister Frater Jakobus Janči versteht seine Aufgabe dabei vor allem als Begleiter: „Der Novize ist nicht wegen mir hier, sondern ich bin wegen ihm hier. Meine Aufgabe ist, ihn zu unterstützen, damit er Barmherziger Bruder werden kann. Nicht als Vorgesetzter, sondern als Diener.“ Das Zusammenleben von Männern unterschiedlicher Herkunft ist zugleich Teil der Ausbildung. Die Novizen sollen lernen, über nationale und kulturelle Grenzen hinaus als Teil eines weltweiten Ordens zu denken und zu leben.

 

 

Ein Weg in mehreren Etappen

 

Der Weg zum Barmherzigen Bruder ist bewusst über mehrere Jahre angelegt. Nach einer Ersten Phase des Kennenlernens folgt das Postulantat. Daran schließt das zweijährige Noviziat an, das der intensiven Auseinandersetzung mit Berufung, Glauben, Gemeinschaft und dem Charisma des Ordens dient.

Am Ende des Noviziats legt der Novize die Erste Profess für ein Jahr ab. Dabei verspricht er ein Leben nach den vier Gelübden Armut, eheloser Keuschheit, Gehorsam und Hospitalität. Es folgt das mehrjährige Scholastikat, dessen interprovinzieller Sitz sich in München befindet. Neben der geistlichen und persönlichen Vertiefung gehört dazu auch die fachliche Ausbildung des jungen Bruders. Die endgültige Bindung an den Orden erfolgt erst mit der Feierlichen Profess. Damit verspricht der Barmherzige Bruder, die vier Gelübde lebenslang zu leben.

 

Für Till Pfandl und Maroš Barjak führte dieser Weg in den letzten Tagen  in Brescia in unterschiedliche Richtungen – und zugleich weiter auf dasselbe Ziel hin: ein Leben in Gemeinschaft, im Glauben und im Dienst an Menschen nach dem Vorbild des heiligen Johannes von Gott.

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