Unser Fundament und zentrales Charisma
Hospitalität ist das zentrale Charisma der Barmherzigen Brüder. Sie bedeutet, Menschen vorbehaltlos aufzunehmen, ihnen fachlich kompetent zu helfen und ihnen mit Respekt, Menschlichkeit und Aufmerksamkeit für ihre körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse zu begegnen. Vorbild dafür ist der heilige Johannes von Gott.
Hospitalität ist der zentrale Wert der Barmherzigen Brüder. Sie wird durch vier weitere Werte konkret: Qualität, Respekt, Verantwortung und Spiritualität. Gemeinsam prägen sie den Umgang mit Patient:innen, Bewohner:innen, Mitarbeitenden und allen Menschen, die den Einrichtungen des Ordens begegnen.
Das Wort Hospitalität leitet sich vom lateinischen Wort „hospitalitas“ ab und kann mit „Gastfreundschaft“ übersetzt werden, muss aber um mehrere Dimensionen ergänzt werden, um die volle Bedeutung des Wortes im Sinne der Barmherzigen Brüder widerzuspiegeln:
Menschen werden nicht nach Herkunft, Religion, Gesundheit oder sozialem Status bewertet. Entscheidend ist ihr Bedarf an Hilfe und Begleitung.
„Gutes tun“ allein genügt nicht. Hilfe soll professionell, kompetent und auf einem hohen fachlichen Niveau erfolgen.
Professionelle Versorgung umfasst nicht nur körperliche Bedürfnisse. Auch psychische, soziale und – wenn gewünscht – spirituelle Dimensionen gehören zu einem ganzheitlichen Menschenbild.
Hospitalität zeigt sich heute zum Beispiel durch:
Johannes von Gott begegnete kranken und ausgegrenzten Menschen nicht als „Fällen“, sondern als Personen. Er verband praktische Hilfe mit persönlicher Nähe und Achtung ihrer Würde. Aus dieser Haltung entwickelte sich das Verständnis von Hospitalität, das den Orden seit der Zeit von Johannes von Gott (1495-1550) bis heute prägt.
Hospitalität ist nicht nur ein Leitwert, sondern das besondere Charisma des Ordens. Deshalb legen Barmherzige Brüder neben Armut, eheloser Keuschheit und Gehorsam ein viertes Gelübde ab: die Hospitalität. Damit verpflichten sie sich in besonderer Weise zum Dienst an kranken, bedürftigen und verletzlichen Menschen.
Hospitalität im Alten Testament |
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Im Alten Testament wird die Gastfreundschaft an vielen Stellen erwähnt. Sie ist dort mit einer besonderen Verheißung, einer Art göttlicher Belohnung verbunden.
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Jesus Christus und Hospitalität |
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Jesus Christus ist das Vorbild, an dem der hl. Johannes von Gott Maß genommen hat.
Die vier Evangelien sprechen immer wieder davon: Jesus „nimmt innigsten Anteil an der existentiellen Erfahrung des Kranken und seiner Angehörigen. (vgl. Mt 14,14; 15,32; Lk 7,13; Joh 11,36) Weder widerspricht noch kritisiert er ihren Wunsch nach Heilung. Oft ergreift er als Erster die Initiative (vgl. Mk 10,49; Lk 8,49; Joh 9,1-3). Er verneint jeden Zusammenhang zwischen individueller Sünde und aktueller Krankheit (vgl. Joh 9,1-3). Er heilt den ganzen Menschen (vgl. Mt 9,1-7)“.
Jesu Liebe kennt keine Grenzen. Sie schließt auch Verfolger und Gegner ein und macht selbst vor dem Tod nicht halt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13) Jesus will eine Revolution der Liebe. Das ist das Neue, das er der Menschheit bringt. Und diese radikale Liebe traut er jedem zu: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13,34-35) |
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Der barmherzige Samariter |
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Mit diesem Gleichnis erklärt Jesus, was Liebe für ihn ist: ein eindringlicher Appell, sich der Not des Nächsten nicht zu verschließen. (Lk 10,25-37)
Das Gleichnis ist eine Anleitung zur Hospitalität: Ist der barmherzige Samariter zunächst ein Bild für Christus selbst, so steht diese heilbringende Gestalt auch für jeden Menschen, der empfänglich ist für das Leid seines Mitmenschen. Wer angesichts des Unglücks seines Nächsten echtes Mitleid empfindet, ist in gewisser Weise ein barmherziger Samariter. Aber dieses Mitleiden ist nur ein erster Schritt, denn es kommt vor allem auf die konkrete Hilfe an. Und diese Hilfe ist letztlich „nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst“ möglich.
Der barmherzige Samariter ist „derjenige, der zu dieser Selbsthingabe fähig ist“. (vgl. Papst Johannes Paul II, Salvifici doloris, S. 28-30) |
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Die Werke der Barmherzigkeit |
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In der christlichen Tradition haben sich die sogenannten Werke der Barmherzigkeit herauskristallisiert. Dabei handelt es sich um Taten, „mit denen wir dem Nächsten in seiner leiblichen und geistigen Not beistehen“. (Katechismus der Katholischen Kirche, 2447).
In den Werken der Barmherzigkeit konkretisiert sich die Nächstenliebe. Auch das Almosengeben ist in der christlichen Tradition immer als „Hauptzeugnis der Bruderliebe“ und „Akt der Gerechtigkeit“ verstanden worden, wie der Katechismus betont.
Wer Jesu Rede vom Weltgericht liest, entdeckt den Ursprung der Werke der Barmherzigkeit. Denn dort erklärt Jesus, dass es nicht auf schöne Worte ankommt, sondern auf die Taten der Liebe: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, der liebe auch seinen Bruder.“ (1 Joh 4,20-21) |