Ordensregel, Konstitutionen und Generalstatuten
Gemeinsam leben – verbindlich handeln
Gemeinsam leben – verbindlich handeln
Das Leben der Barmherzigen Brüder wird von gemeinsamen Überzeugungen, einer gemeinsamen Spiritualität und verbindlichen Regeln getragen.
Ordensregeln sind mehr als nur Vorschriften für das Zusammenleben. Sie helfen einer Ordensgemeinschaft, ihre Berufung und ihr Charisma über Generationen hinweg lebendig zu halten.
Für die Barmherzigen Brüder bedeutet das, dass die Regeln dazu beitragen sollen, die Hospitalität nach dem Vorbild des heiligen Johannes von Gott zu leben, im Gebet und in der Gemeinschaft ebenso wie im Dienst an kranken, bedürftigen und verletzlichen Menschen.
Die Regeln schaffen Verbindlichkeit und geben zugleich einen Rahmen vor, innerhalb dessen der Orden auf neue Herausforderungen und die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit reagieren kann.
Die Regel des heiligen Augustinus bildet eine geistliche Grundlage des gemeinschaftlichen Lebens der Barmherzigen Brüder.
Johannes von Gott hinterließ seinen Gefährten keine eigene Ordensregel. Sein Wirken galt zunächst dem konkreten Dienst an kranken, armen und ausgegrenzten Menschen. Als sich nach seinem Tod aus der Gemeinschaft seiner Gefährten der Hospitalorden entwickelte, übernahmen die Barmherzigen Brüder die Regel des heiligen Augustinus als geistliche Grundlage ihres gemeinschaftlichen Lebens.
Diese legt besonderen Wert auf die Liebe zu Gott und zum Nächsten, das Leben in Gemeinschaft, gemeinsames Gebet, einen verantwortungsvollen Umgang mit Besitz, gegenseitige Rücksichtnahme, Demut und Versöhnung. Ein zentraler Gedanke der Augustinusregel ist das gemeinsame Leben „ein Herz und eine Seele auf Gott hin“. Bis heute bildet sie eine geistliche Grundlage des Lebens der Barmherzigen Brüder.
Zur Ordensregel des heiligen Augustinus
Die Konstitutionen sind das grundlegende geistliche und rechtliche Regelwerk des Hospitalordens. Sie beschreiben, was es bedeutet, Barmherziger Bruder zu sein, und regeln die wesentlichen Bereiche des Ordenslebens: das Charisma der Hospitalität, die Gelübde, das Leben in Gemeinschaft, die Ausbildung der Brüder, die Leitung des Ordens und die Treue zur Berufung. Damit verbinden die Konstitutionen geistliche Grundsätze mit verbindlichen Regelungen. Sie geben dem Orden Orientierung und tragen dazu bei, seine Identität und seine Sendung zu bewahren.
Die Generalstatuten konkretisieren die Konstitutionen. Sie enthalten ausführlichere Regelungen für das Leben und die Organisation des Ordens und beschreiben, wie die in den Konstitutionen festgelegten Grundsätze in der Praxis umgesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Bestimmungen über das Gemeinschaftsleben, die Ausbildung der Brüder, Aufgaben und Zuständigkeiten innerhalb des Ordens sowie die Leitung auf Ebene der Konvente, Ordensprovinzen und des Gesamtordens.
Neben dem allgemeinen Kirchenrecht wird das Leben des Hospitalordens durch eigene Normen und geistliche Grundlagen geprägt. Diese werden als Eigenrecht bezeichnet. Bei den Barmherzigen Brüdern gehören dazu insbesondere die Konstitutionen und die Generalstatuten sowie weitere ordensinterne Normen und Beschlüsse.
Das Eigenrecht berücksichtigt die besondere Geschichte, Spiritualität und Sendung des Hospitalordens. Es schafft einen verbindlichen Rahmen dafür, wie die Brüder ihre Berufung und das Charisma der Hospitalität gemeinsam leben.
Für die Barmherzigen Brüder sind Regeln kein Selbstzweck. Sie sollen dabei helfen, das zu bewahren und immer wieder neu zu verwirklichen, was den Orden seit seinen Anfängen prägt: die Hospitalität. In den Regelwerken des Ordens verbinden sich deshalb geistliches Leben, Gemeinschaft, Verantwortung und Dienst am Menschen.
Die konkrete Form dieses Dienstes kann sich den Herausforderungen einer Zeit entsprechend verändern. Der grundlegende Auftrag, Menschen nach dem Vorbild des heiligen Johannes von Gott mit Würde, Aufmerksamkeit und Barmherzigkeit zu begegnen, bleibt jedoch derselbe.
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