Ordensprovinz Europa Mitte der Barmherzigen Brüder
Hospitalität verbindet fünf Länder
Hospitalität verbindet fünf Länder
Die Ordensprovinz Europa Mitte ist eine von mehreren Ordensprovinzen des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott. Sie umfasst die Barmherzigen Brüder in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Entstanden ist sie am 1. September 2025 aus der Vereinigung der Bayerischen und der Österreichischen Ordensprovinz.
Fünf Staaten, vier Landessprachen, verschiedene historische Erfahrungen sowie unterschiedliche Gesundheits- und Sozialsysteme: Die Ordensprovinz Europa Mitte der Barmherzigen Brüder zum Heiligen Johannes von Gott ist von besonderer Vielfalt geprägt. Ihr gemeinsamer Mittelpunkt ist die Hospitalität, also der Auftrag, Menschen im Geist des heiligen Johannes von Gott professionell, respektvoll und barmherzig zu begleiten.
Zur Provinz gehören die Barmherzigen Brüder in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. In Deutschland befinden sich bis auf einen Standort in Hessen, alle Einrichtungen im Bundesland Bayern. Der Sitz des Provinzialats befindet sich in Wien.
Mit Stand 1. November 2026 gehören 50 Ordensangehörige zur Provinz. Gemeinsam mit ca. 24.100 Mitarbeitenden betreiben die Barmherzigen Brüder in den fünf Ländern ein weit verzweigtes Netz von insgesamt 80 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialbereichs. Nach der statistischen Definition der Generalleitung gelten davon 67 als apostolische Werke.
Bereits die frühere Österreichische Ordensprovinz reichte weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mussten die Ordensstrukturen in Mittel- und Osteuropa neu geordnet werden. So wurde 1993 die Ungarische Provinz in eine Delegatur der Österreichischen Ordensprovinz umgewandelt, 1997 folgte die Slowakische Vizeprovinz und 2009 die Böhmisch-Mährische Provinz in Tschechien. Die Zusammenarbeit der Barmherzigen Brüder in Mitteleuropa hatte somit bereits lange vor der Gründung der Provinz Europa Mitte eine grenzüberschreitende Dimension.
Auch zwischen den Brüdern in Bayern und jenen in Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn bestanden seit Jahrzehnten enge Verbindungen. Seit rund 40 Jahren dient eine interprovinzielle Kommission dem regelmäßigen Austausch der Provinziale und Generaldelegaten in Mitteleuropa.
Der konkrete Vereinigungsprozess gewann ab 2022 an Dynamik. Im Herbst desselben Jahres kamen nach mehreren Gesprächen der Provinzleitungen erstmals die Brüder der Bayerischen und Österreichischen Ordensprovinz zu einer großen gemeinsamen Versammlung in Wien zusammen. Dabei beschäftigten sie sich unter anderem mit bereits vollzogenen Vereinigungsprozessen anderer Ordensgemeinschaften und der Zusammenlegung der drei Ordensprovinzen der Barmherzigen Brüder in Spanien.
Aus den Beratungen gingen drei Arbeitsgruppen hervor. Diese befassten sich mit Struktur und Recht, dem Ordensleben sowie der Ausbildung und Begleitung der Brüder. In den Gruppen arbeiteten Brüder und leitende Mitarbeitende gemeinsam an zentralen Fragen der zukünftigen Provinz.
Bei weiteren Brüderversammlungen in den Jahren 2023 und 2024 wurden die Ergebnisse diskutiert, konkretisiert und weiterentwickelt. Im Juli 2025 kamen die Brüder erneut in Wien zusammen. Zu diesem Zeitpunkt ging es bereits um sehr konkrete Fragen: das Provinzdirektorium für das Gemeinschaftsleben, die Ausbildung junger Brüder, rechtliche und organisatorische Strukturen, länderspezifische Organigramme, das Erscheinungsbild der Provinz sowie die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit.
Auch das 70. Generalkapitel des Hospitalordens im Herbst 2024 hatte eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Provinzen ausdrücklich in den Blick genommen. Ressourcen sollten besser gemeinsam genutzt, Kooperationen intensiviert und die strukturelle sowie spirituelle Zusammenarbeit gestärkt werden.
Der Zusammenschluss betraf in erster Linie das Ordensleben der Brüder, die Provinzleitung sowie die Verwaltung des brüderlichen Bereichs. Er bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Krankenhäuser, Sozialunternehmen und andere Einrichtungen in den fünf Staaten zu einer einzigen juristischen Organisation verschmolzen wurden. Die verschiedenen Rechtsträger und Einrichtungen behalten ihre jeweiligen rechtlichen und organisatorischen Strukturen.
Gerade dieser Punkt charakterisiert „Europa Mitte“: eine gemeinsame Ordensprovinz, aber unterschiedliche Länder, Rechtssysteme, Einrichtungen und organisatorische Strukturen.
Vom 18. bis 23. Januar 2026 fand in Wien das erste Provinzkapitel der neuen Ordensprovinz statt. Ein Provinzkapitel ist die höchste Entscheidungsebene einer Ordensprovinz und wird alle vier Jahre einberufen. Neben der Wahl der Leitung wurden Themen wie das Ordensleben, die Ausbildung der Brüder, die spirituelle Ausrichtung sowie die Zukunft der apostolischen Werke behandelt. Auch leitende Mitarbeitende aus Wien und München waren zeitweise in die Beratungen über die Einrichtungen eingebunden.
Am 22. Januar 2026 wählten die Kapitelteilnehmer Frater Rudolf Knopp OH zum ersten Provinzial der neuen Provinz. Der frühere Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz hatte bereits zahlreiche Leitungsaufgaben innerhalb des Ordens sowie in der Generalkurie in Rom wahrgenommen.
Gemeinsam mit dem Provinzial bilden vier beim Kapitel gewählte Provinzräte, auch Definitoren genannt, die Provinzleitung.
Damit gehören der gemeinsamen Leitung Brüder mit unterschiedlichen Lebenswegen, Nationalitäten, beruflichen Qualifikationen und Erfahrungen an.
Europa Mitte unterscheidet sich durch seine Geographie bereits von einer Ordensprovinz, die weitgehend innerhalb eines Staates organisiert ist. Zwischen den Standorten in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn liegen nicht nur viele Kilometer. Sie befinden sich auch in unterschiedlichen sprachlichen, kulturellen, gesellschaftlichen und rechtlichen Kontexten.
Im Alltag der Provinz werden vor allem Deutsch, Tschechisch, Slowakisch und Ungarisch gesprochen. Deutsch wurde als gemeinsame offizielle Sprache der Provinz festgelegt. Gleichzeitig bleiben die jeweiligen Landessprachen für das Ordensleben vor Ort, die Einrichtungen und die Kommunikation mit Mitarbeitenden, Patient:innen, Bewohner:innen und der Öffentlichkeit unverzichtbar.
Wie grenzüberschreitende Kommunikation praktisch funktionieren kann, zeigt die gemeinsame Mitarbeiterzeitung "Misericordia": Sie wurde bereits während des Vereinigungsprozesses zu einem sichtbaren Zeichen der neuen Provinz und erscheint neben einer deutschen und einer ungarischen Ausgabe auch in tschechischer Sprache.
Auch die Organisationsstrukturen müssen den unterschiedlichen Gegebenheiten Rechnung tragen. Schon im Vereinigungsprozess wurden deshalb länderspezifische Organigramme entwickelt. Gesundheitswesen, Sozialgesetzgebung, kirchenrechtliche Rahmenbedingungen, Rechtsträger und wirtschaftliche Strukturen unterscheiden sich schließlich von Land zu Land. Eine gemeinsame Provinz bedeutet somit nicht, überall dieselben organisatorischen Lösungen anzuwenden, sondern gemeinsame Ziele mit den jeweiligen nationalen Gegebenheiten zu verbinden.
Die kulturelle Vielfalt ist dabei mehr als eine organisatorische Herausforderung: Sie gehört zum Selbstverständnis der neuen Provinz. Unterschiedliche historische Erfahrungen, Mentalitäten und Traditionen erfordern gegenseitige Aufmerksamkeit. Bereits innerhalb der früheren österreichischen Provinz zeigte sich, wie wichtig Respekt vor regionaler Identität und Eigenverantwortung ist. Der Aufbau der neuen Provinz ist deshalb nicht allein eine Frage von Organigrammen und Zuständigkeiten, sondern vor allem ein Prozess des gegenseitigen Kennenlernens und Vertrauens.
Generalprior Frater Pascal Ahodegnon beschrieb diese Aufgabe nach dem ersten Provinzkapitel als ein Zusammenwachsen durch gegenseitige Annäherung. Neben gemeinsamen Regeln seien die Grundlagen des Ordens – Hospitalität und die Werte Verantwortung, Respekt, Qualität und Spiritualität – entscheidend.
Für eine Provinz, die fünf Staaten verbindet, bedeutet das konkret: mehr Abstimmung und Übersetzung, regelmäßige persönliche Begegnungen und digitale Zusammenarbeit, aber auch die Chance, Erfahrungen zu teilen, Ressourcen gemeinsam zu nutzen und voneinander zu lernen.
Gerade in Bereichen wie Ordensausbildung, Berufungspastoral, Ethik, Pastoral, Kommunikation sowie der Begleitung von Führungskräften eröffnet die größere Provinz neue Möglichkeiten. Unterschiedliche Erfahrungen können zusammengeführt und Kompetenzen über Ländergrenzen hinweg genutzt werden.
Dabei bleibt das Verbindende stärker als das Trennende: das Charisma der Hospitalität. Nach dem Vorbild des heiligen Johannes von Gott wollen die Barmherzigen Brüder für Menschen da sein – besonders für Kranke, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, sozial Benachteiligte und andere Menschen, die Hilfe und Begleitung benötigen.
Nach dem Provinzkapitel wurden auch die weiteren Leitungsaufgaben neu geordnet. Frater Daniel Katzenschläger wurde zum Provinzökonomen und Dominik Hartig zum Provinzsekretär ernannt. Frater Johannes Karlik und Frater Sebastian Fritsch tragen gemeinsam Verantwortung für die Berufungspastoral. Frater Thomas Väth ist unter anderem Rechtsträgervertreter der Barmherzigen Brüder Bayern KdöR und Frater Thomas Pham ist Bevollmächtigter für die Einrichtungen in Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei.
Für das Quadriennium 2026 bis 2030 wurden zudem die Hausoberen der Konvente bestellt. Die Prioren sind:
Damit verbindet Europa Mitte zentrale gemeinsame Verantwortung mit dem Ordensleben vor Ort.
Die Entstehung der Ordensprovinz Europa Mitte ist deshalb mehr als eine administrative Neuordnung. Sie gibt eine Antwort auf die Frage, wie der Auftrag der Barmherzigen Brüder in einem sich verändernden Europa auch in Zukunft lebendig bleiben kann.
Die Provinz bündelt Kräfte, ohne regionale Identitäten aufzugeben. Sie verbindet unterschiedliche Sprachen und Kulturen, ohne Unterschiede einzuebnen. Und sie schafft Strukturen für eine engere Zusammenarbeit, während die Einrichtungen in den einzelnen Staaten ihre jeweiligen Aufgaben und Verantwortlichkeiten wahrnehmen.
So entstand aus fünf Ländern eine gemeinsame Ordensprovinz, die durch eine Idee verbunden ist, die den Orden seit Johannes von Gott prägt: Hospitalität kennt keine Grenzen.
Was ist die Ordensprovinz Europa Mitte?
Die Ordensprovinz Europa Mitte ist eine regionale Einheit des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott. Sie umfasst die Barmherzigen Brüder in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn.
Wann wurde die Ordensprovinz Europa Mitte gegründet?
Sie entstand mit 1. September 2025 aus der Vereinigung der Bayerischen und der Österreichischen Ordensprovinz.
Wo befindet sich der Sitz der Ordensprovinz?
Das Provinzialat befindet sich in Wien.
Wer ist Provinzial?
Seit Januar 2026 ist Frater Rudolf Knopp OH Provinzial der Ordensprovinz Europa Mitte.
Was bedeutet Hospitalität bei den Barmherzigen Brüdern?
Hospitalität bezeichnet das zentrale Charisma des Ordens: Menschen nach dem Vorbild des heiligen Johannes von Gott mit Respekt, Verantwortung, Qualität und christlicher Nächstenliebe zu begegnen.
Vollständige Bezeichnung: Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte zum Heiligen Johannes von Gott
Vorgängerprovinzen: Bayerische Ordensprovinz und Österreichische Ordensprovinz
Provinzräte: Frater Thomas Pham, Frater Thomas Väth, Frater Daniel Katzenschläger, Frater Lukáš Ryneš
Provinzökonom: Frater Daniel Katzenschläger
Ordensangehörige: 50 (1. November2026)
Gemeinsame offizielle Sprache: Deutsch
Weitere zentrale Sprachen: Ungarisch, Tschechisch, Slowakisch
Aktuelles Quadriennium: 2026–2030
Ordensgründer: Heiliger Johannes von Gott (1495–1550)
Zentrales Charisma: Hospitalität
Grundwerte: Hospitalität, Qualität, Respekt, Verantwortung, Spiritualität
Einrichtungen insgesamt: 80 (August 2026)
Davon apostolische Werke nach Ordensstatistik: 67 (31. Dezember 2025)
Mitarbeitende: ca. 24.100 (31. Dezember 2025)
Krankenhausbetten: 5.938 (31. Dezember 2025)
Betreuungsplätze für ältere Menschen: 820 (31. Dezember 2025)
Betreute Menschen mit Behinderungen: 4.310 (im Jahr 2025)
Menschen in Ausbildung im Gesundheits- und Sozialwesen: 864 (im Jahr 2025)
Krankenhäuser: 29 (31. Dezember 2025)
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