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Kloster auf Zeit
Inhalt:

Johannes von Gott – Pionier der modernen KranKenpflege

 

Neue Maßstäbe für Würde, Qualität und ganzheitliche Betreuung

Johannes von Gott hinterließ kein Lehrbuch über Pflege. Auch das heutige Berufsbild der professionellen Krankenpflege entstand erst Jahrhunderte später. Dennoch gilt er als einer ihrer großen Wegbereiter. In seinem Hospital in Granada verband er im 16. Jahrhundert menschliche Zuwendung mit Hygiene, sorgfältiger Beobachtung, geordneten Abläufen und der Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen.

 

Entscheidend war für ihn: Nicht die Krankheit, sondern der kranke Mensch steht im Mittelpunkt. Pflegehistorische Untersuchungen bewerten das von ihm und seinen ersten Gefährten entwickelte Versorgungsmodell als außergewöhnlich fortschrittlich für seine Zeit.

 

 

Pflege begann für ihn mit der Würde des Menschen

 

Johannes von Gott kümmerte sich besonders um Menschen, die arm, krank, allein oder gesellschaftlich ausgegrenzt waren. Er suchte sie auf den Straßen Granadas, brachte sie in sein Hospital und versorgte sie mit einem Schlafplatz, Nahrung, Kleidung, Wärme und medizinischer Hilfe. Dabei fragte er nicht zuerst nach Herkunft, Religion, Nationalität oder gesellschaftlichem Stand. Wer Hilfe benötigte, sollte aufgenommen werden. Diese vorbehaltlose Offenheit war ein wesentliches Merkmal seiner Krankenpflege und wurde zum Kern dessen, was die Barmherzigen Brüder heute als Hospitalität bezeichnen.

 

Johannes von Gott sah in den Menschen, die zu ihm kamen, nicht bloß Bedürftige oder „Fälle“. Er nahm sich Zeit für das persönliche Gespräch und versuchte zu verstehen, woran jemand litt und welche Hilfe notwendig war. Körperliche Erkrankungen, seelische Not, Armut, Einsamkeit und soziale Konflikte betrachtete er nicht getrennt voneinander.

 

 

Was Johannes von Gott in der Krankenpflege veränderte

 

In seinem Hospital führte Johannes von Gott Grundsätze ein, die heute selbstverständlich erscheinen, damals aber keineswegs allgemein üblich waren. Jeder kranke Mensch sollte nach Möglichkeit ein eigenes Bett erhalten. Johannes achtete auf saubere Bettwäsche, unbeschädigte Kleidung, frische Luft und Ordnung in den Krankensälen. Die Patientinnen und Patienten wurden nicht wahllos gemeinsam untergebracht, sondern entsprechend ihren Erkrankungen und Bedürfnissen versorgt. Darin lässt sich ein früher Ansatz jener Gliederung erkennen, aus der später unterschiedliche medizinische und pflegerische Bereiche oder Abteilungen entstanden.

 

Auch die Beobachtung der Kranken spielte eine wichtige Rolle. Ärzte und Wundärzte wurden regelmäßig hinzugezogen. Pflegende sollten Veränderungen im Zustand eines Menschen wahrnehmen, Behandlungen kontrollieren und medizinische Anordnungen zuverlässig ausführen. Beobachtungen und Anweisungen wurden schriftlich festgehalten, um Verwechslungen zu vermeiden und die Versorgung nachvollziehbarer zu machen. Johannes von Gott erfand damit weder die Hygiene noch die Pflegedokumentation im heutigen Sinn.

 

Er erkannte jedoch, dass gute Pflege Aufmerksamkeit, klare Abläufe und verlässliche Zusammenarbeit braucht. Aus spontaner Hilfsbereitschaft wurde so eine zunehmend organisierte Form der Krankenversorgung.

 

 

Ein neuer Umgang mit psychisch kranken Menschen

 

Besonders prägend war seine Haltung gegenüber psychisch erkrankten Menschen. Nach seiner religiösen Krise war er selbst in ein Hospital gebracht und dort mit harten, entwürdigenden Methoden behandelt worden. Diese Erfahrung ließ ihn erkennen, wie sehr kranke Menschen nicht nur unter ihrer Erkrankung, sondern auch unter der Art ihrer Behandlung leiden können.

 

In seinem eigenen Hospital begegnete er psychisch erkrankten Menschen deshalb mit Geduld und Fürsorge. Er ließ sie waschen und ankleiden, gab ihnen Nahrung, suchte sie zu beruhigen und nahm ihre Not ernst. Das entsprach noch keiner Psychiatrie nach heutigen medizinischen Maßstäben. Für seine Zeit stand dahinter jedoch eine bemerkenswerte Haltung: Auch ein verwirrter, unruhiger oder psychisch belasteter Mensch besitzt eine unverlierbare Würde.

 

 

Pflege für Körper, Seele und Lebenssituation

 

Johannes von Gott verstand Pflege ganzheitlich. Kranke Menschen brauchten für ihn nicht nur Medikamente und körperliche Versorgung. Sie brauchten ebenso Nahrung, Sicherheit, menschliche Nähe, Trost und Hoffnung. Heilbare Menschen sollten behandelt und nach Möglichkeit wieder in ein selbstständiges Leben zurückgeführt werden. Unheilbar Kranke und Sterbende sollten nicht allein gelassen, sondern begleitet werden. Zu seinem Hospital gehörten daher neben Pflegenden und Ärzten auch Menschen, die für die seelische und spirituelle Begleitung zuständig waren. Die heutige Forschung beschreibt dieses frühe Versorgungsmodell als ganzheitlich und von einem tiefen Respekt vor der Würde kranker Menschen geprägt.

 

 

Aus Mitgefühl wurde eine dauerhafte Aufgabe

 

Johannes von Gott wollte nicht nur einzelnen Menschen in einer akuten Notlage helfen. Er sammelte Spenden, gewann Unterstützer, organisierte Mitarbeitende und band medizinische Fachleute in die Versorgung ein. Wohlhabende Bürgerinnen und Bürger brachte er mit jenen zusammen, die ohne fremde Hilfe nicht überleben konnten. Sein Hospital wurde dadurch zu einer Gemeinschaft, in der viele Menschen Verantwortung für andere übernahmen. Seine ersten Gefährten führten dieses Werk weiter. Aus ihrer Gemeinschaft entwickelte sich der Orden der Barmherzigen Brüder. Bis heute prägt das Vorbild des Johannes von Gott dessen Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen.

 

 

Warum ist Johannes von Gott heute noch ein Vorbild für die Pflege?

 

Viele Grundgedanken seiner Arbeit gehören heute zum Selbstverständnis professioneller Pflege: die Würde jedes Menschen, individuelle Betreuung, Hygiene, genaue Beobachtung, verlässliche Dokumentation, Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen sowie die Einbeziehung körperlicher, psychischer, sozialer und spiritueller Bedürfnisse.

 

Johannes von Gott war nicht modern, weil ihm bereits die Medizin unserer Zeit zur Verfügung gestanden wäre. Er war ein Pionier, weil er kranke Menschen mit einer Haltung behandelte, die bis heute Maßstab guter Pflege ist: er betreute fachlich kompetent, aufmerksam, respektvoll und menschlich.

Das Bild zeigt ein Gemälde im Krankenhaus Eisenstadt, auf dem Johannes von Gott bei der Krankenbetreuung abgebildet ist.

Johannes von Gott betreut einen Kranken, Ausschnitt aaus einem Gemälde im Konvent Eisenstadt

Weiterführende Links

Was Hospitalität bei den Barmherzigen Brüdern bedeutet

Die Grundwerte der Barmherzigen Brüder

Das Menschenbild der Barmherzigen Brüder

Johannes von Gott – Patron der Kranken, Hospitäler und Pflegenden

 

Zur Übersicht: Heiliger Johannes von Gott – Leben und Bedeutung

 

Wer sind die Barmherzigen Brüder? Alles über unseren Orden und unser Leben.

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