
Frater Martin Macek zum Diakon geweiht
Frater Martin Macek aus dem Konvent der Barmherzigen Brüder in Brünn wurde am 12. September 2026 zum Diakon geweiht. Die Weihe spendete der Brünner Diözesanbischof Pavel Konzbul in der Kirche des Augustinerklosters. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, unter anderem waren seine Mutter und seine Familie sowie Frater Rudolf Knopp, der Provinzial der Ordensprovinz Europa Mitte, Frater Saji Mullankuzhy, Zweiter Generalrat aus Rom und zahlreiche Mitbrüder nach Brünn gereist.
Die Diakonenweihe eröffnet Frater Martin neue Möglichkeiten in der Seelsorge. An seinem Selbstverständnis ändert sie jedoch nichts: Er sieht sich weiterhin in erster Linie als Barmherziger Bruder. Dabei hatte Frater Martin lange Zeit nicht daran gedacht, einmal Diakon oder Priester zu werden. Als er 1999 seine Einfache Profess ablegte, stand für ihn der unmittelbare Dienst an kranken Menschen im Mittelpunkt. „Ich bin in den Orden eingetreten, um bei den Menschen zu sein“, sagt Frater Martin.
Eine Entscheidung, die über Jahre gereift ist
Sein Weg führte Frater Martin mit der Zeit auch in Leitungsaufgaben. Er wurde Provinzial und übernahm über viele Jahre Verantwortung für den Orden in Tschechien. Mit der zunehmenden Entfernung vom unmittelbaren Pflegealltag stellte er sich immer wieder die Frage, wie sein Dienst künftig aussehen könnte. Zugleich erlebte er, wie schwierig es wurde, regelmäßig Priester für die Feier der Eucharistie und die seelsorgliche Begleitung der Brüdergemeinschaft sowie der Menschen in den Einrichtungen zu finden. Gerade in Tschechien ist der Priestermangel deutlich spürbar. Für mehrere Gottesdienste pro Woche musste immer wieder ein Priester gesucht werden.
Während der Corona-Pandemie nahm sich Frater Martin bewusst mehr Zeit, um über diese Fragen und seinen weiteren Weg nachzudenken. Die Entscheidung für das Diakonat und einen möglichen späteren Weg zum Priestertum ging jedoch nicht auf ein einzelnes einschneidendes Erlebnis zurück. Sie reifte über Jahre.
Viele Begegnungen und Erfahrungen hätten dazu beigetragen, erzählt er: Priester, die ihn beeindruckten, geistliche Vorbilder und Erinnerungen, deren Bedeutung ihm teilweise erst viel später bewusst wurde. Eine dieser Erinnerungen reicht bis ins Jahr 1996 zurück. Damals erhielt Frater Martin ein Bild, das einen Priester mit einer großen Hostie zeigte. Das Motiv gefiel ihm so sehr, dass er das Bild mit Klebeband befestigte und über Jahre hinweg mit sich führte. Erst Jahrzehnte später fragte er sich, weshalb gerade dieses Bild ihn so lange begleitet hatte. Für ihn sind es solche kleinen „Splitter“ eines Lebensweges, die sich irgendwann zu einem größeren Bild zusammenfügen.
Noch einmal studieren – mit Mitte fünfzig
Die Entscheidung hatte auch praktische Konsequenzen: Mit Mitte fünfzig begann Frater Martin noch einmal ein theologisches Studium. Bereits 2007 hatte er in Olmütz ein Studium der spirituellen Theologie für Ordensleute aufgenommen. Nach seiner Wahl zum Provinzial musste er es jedoch abbrechen, da ihn die neue Leitungsaufgabe vollständig beanspruchte.
Nach einer längeren Überlegungsphase bat er erneut um die Möglichkeit, sein Studium fortzusetzen. Nach dem Provinzkapitel 2022 erhielt er die entsprechende Zustimmung. Seither studiert er berufsbegleitend an der Karls-Universität in Prag und absolviert zusätzlich die für die Weihe erforderlichen Lehrveranstaltungen. Zu seinen bevorzugten theologischen Disziplinen gehören Liturgie und Mariologie. In seiner Bachelorarbeit setzte er sich insbesondere mit Mutterschaft und Hospitalität auseinander und widmete die Arbeit Maria.
Die Rückkehr an die Universität war nicht leicht. Das Lernen neben seinen Aufgaben im Orden stellte ihn vor große Herausforderungen. Gerade deshalb möchte Frater Martin anderen Menschen Mut machen, auch in einem höheren Lebensalter noch einmal einen neuen Schritt zu wagen. Eine Entscheidung, die man mit 20 oder 30 Jahren getroffen hat, schließt eine spätere Weiterentwicklung nicht aus. Auch mit 40, 50 oder 60 Jahren könne sich noch einmal eine neue Aufgabe zeigen.
Barmherziger Bruder und Diakon
Die Weihe bedeutet für Frater Martin keine Abkehr von seiner bisherigen Berufung. Sein Ordensleben und die Hospitalität der Barmherzigen Brüder bleiben die Grundlage seines Dienstes. Seine Erfahrungen aus Krankenpflege, Ordensgemeinschaft und Leitung verbindet er nun mit einer zusätzlichen seelsorglichen Aufgabe.
Als Diakon kann er unter anderem das Evangelium verkünden, predigen, taufen, bei Eheschließungen assistieren, Begräbnisse leiten und Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten. Sollte später die Priesterweihe folgen, könnte er zusätzlich die Eucharistie feiern, das Sakrament der Versöhnung spenden und die Krankensalbung vornehmen.
Für Frater Martin steht dabei nicht der kirchliche Status im Vordergrund. Entscheidend ist für ihn, wie diese zusätzlichen Möglichkeiten den Menschen dienen können: den Kranken, den Brüdern seiner Kommunität und allen, die geistliche Begleitung suchen.
Neue Aufgaben im Brüderorden
Sein persönlicher Weg berührt zugleich eine größere Frage innerhalb des Ordens: Welche Aufgaben haben Barmherzige Brüder heute?
Früher arbeiteten in manchen Krankenhäusern zahlreiche Brüder unmittelbar in der Pflege, Medizin und Patientenversorgung. Heute sind die Kommunitäten wesentlich kleiner. Die Brüder übernehmen unterschiedliche Aufgaben – von der unmittelbaren Betreuung über Leitung und Verwaltung bis hin zu Seelsorge und Ausbildung.
Auch Frater Martins Blick auf Priester innerhalb des Ordens hat sich im Laufe der Jahre verändert. Früher teilte er die Sorge, eine größere Zahl von Priestern könne zu einer „Klerikalisierung“ des Ordens führen und die Brüder vom unmittelbaren Dienst an kranken und hilfsbedürftigen Menschen entfernen. Heute beurteilt er diese Frage differenzierter. Nicht die Weihe entscheide darüber, ob ein Bruder den Menschen nahe bleibe. Auch ein nicht geweihter Bruder könne sich vom unmittelbaren Auftrag des Ordens entfernen. Ausschlaggebend sei vielmehr, wie jemand seine Aufgabe verstehe und lebe.
Zugleich gewinnt die geistliche Begleitung in Krankenhäusern, Altenheimen und anderen Einrichtungen angesichts des Priestermangels an Bedeutung. Als Diakon kann Frater Martin dazu einen wichtigen Beitrag leisten, auch wenn die Feier der Eucharistie und bestimmte Sakramente weiterhin Priestern vorbehalten bleiben. Er sieht deshalb keinen Gegensatz zum Profil eines Brüderordens, wenn einzelne Barmherzige Brüder einen Weg zum Diakonat oder Priestertum einschlagen. Vielmehr könne dies eine zeitgemäße Form sein, Hospitalität umfassend zu leben.
Mit der Diakonenweihe ist Frater Martins Ausbildung noch nicht abgeschlossen. Er wird sein theologisches Studium fortsetzen und weitere praktische und geistliche Erfahrungen sammeln. Der Weg kann später zur Priesterweihe führen; einen festen Termin dafür gibt es derzeit nicht. Die nächsten Schritte werden gemeinsam mit dem Bischof und den Verantwortlichen des Ordens festgelegt.
Auch wo Frater Martin langfristig seinen Dienst ausüben wird, ist noch offen. Vorstellen kann er sich Aufgaben in der Krankenhausseelsorge, bei Exerzitien sowie in der Ausbildung und geistlichen Begleitung von Mitbrüdern. Festlegen möchte er sich noch nicht. Als Ordensmann weiß er sich in die Gemeinschaft und ihre Entscheidungen eingebunden.
Für Frater Martin ist die Weihe kein Wechsel seiner Berufung, sondern eine Erweiterung dessen, was ihn seit seinem Eintritt in den Orden begleitet: die Hospitalität, also die Bereitschaft, Menschen aufzunehmen, ihnen nahe zu sein und ihnen mit den eigenen Fähigkeiten professionell zu dienen.
Zur Person
Frater Martin Macek wurde 1967 in Prag geboren. Nach der Matura und dem Militärdienst arbeitete er zunächst bei einem Schienenfahrzeughersteller. Später führte er ein Unternehmen für den Vertrieb katholischer Bücher und Zeitschriften.
Mit der Zeit wuchs in ihm der Wunsch, unmittelbar für kranke und hilfsbedürftige Menschen da zu sein. Anderthalb Jahre lang arbeitete er gemeinsam mit einer Ordensfrau in der Betreuung von Kindern mit Behinderungen. In dieser Zeit wurde ihm klar, dass er diesen Weg dauerhaft einschlagen wollte.
In Brünn lernte er die Barmherzigen Brüder kennen und entschloss sich zum Ordenseintritt. Er absolvierte seine Kandidatur in Kritzendorf und wechselte anschließend zum Noviziat nach Graz-Eggenberg. Im Jahr 2000 kehrte er nach Brünn zurück, wo er bis 2004 eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte.
Im Mai 2004 legte Frater Martin in Brünn seine Feierliche Profess ab. 2007 wurde er zum Provinzial der Böhmisch-Mährischen Ordensprovinz gewählt. In den vergangenen Jahren war er als Delegat für die Ordenseinrichtungen in der Slowakei zuständig. Bis zum Provinzkapitel 2026 der heutigen Ordensprovinz Europa Mitte leitete er als Prior den Konvent der Barmherzigen Brüder in Brünn.