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Auf dem Weg zur Feierlichen Profess

24 Barmherzige Brüder aus Afrika, Asien, Latein­amerika und Europa berei­ten sich derzeit gemeinsam in Rom auf einen entschei­denden Schritt ihres Ordens­lebens vor: die Feier­liche Profess.

Der dreiwöchige Kurs verbindet geistliche Vertiefung, Studium und Gemeinschaft und führt zum Abschluss auf den Spuren des hl. Johannes von Gott nach Granada. Die Zusammensetzung der Gruppe macht sichtbar, was den Hospitalorden seit langem prägt. Barmherzige Brüder leben und wirken in unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und gesellschaftlichen Situationen. Verbunden sind sie durch ihre gemeinsame Berufung und durch das Charisma der Hospitalität, das heißt den Auftrag, Menschen besonders dort beizustehen, wo sie krank, hilfsbedürftig, ausgegrenzt oder auf andere Weise verletzlich sind.

 

 

Was ist die Feierliche Profess?

 

Die Feierliche Profess steht am Ende eines mehrjährigen Weges der Ausbildung und der persönlichen Berufungsentscheidung. Mit ihr bindet sich ein Barmherziger Bruder endgültig an Gott und an den Orden.

 

Eine Profess ist das öffentliche Ablegen der Ordensgelübde. Im Gegensatz zur Einfachen Profess werden bei der Feierlichen Profess diese Gelübde nicht mehr für einen begrenzten Zeitraum, sondern auf Lebenszeit abgelegt. Sie ist damit ein entscheidender Schritt im Leben eines Ordensbruders und zugleich der Abschluss seiner sogenannten Grundausbildung.

 

Der Weg dorthin dauert bewusst mehrere Jahre. Eine lebenslange Entscheidung soll wachsen können. Der Bruder bekommt Zeit, seine Berufung zu prüfen, das Ordensleben kennenzulernen, sich persönlich und geistlich zu entwickeln und sich fachlich auf seinen späteren Dienst vorzubereiten.  Gleichzeitig prüft auch die Ordensgemeinschaft, ob dieser Lebensweg für den Bruder stimmig und tragfähig ist. Die Feierliche Profess ist daher nicht einfach der formale Abschluss einer Ausbildung. Sie ist ein öffentliches und lebenslanges Versprechen.

 

 

Welche vier Gelübde legt ein Barmherziger Bruder ab?

 

Mit seiner Profess legt ein Barmherziger Bruder vier Gelübde ab: Armut, eheloses Leben in Keuschheit, Gehorsam und Hospitalität. Die ersten drei Gelübde gehören zu den klassischen evangelischen Räten des Ordenslebens. Das vierte Gelübde, die Hospitalität, ist für die Barmherzigen Brüder jedoch von besonderer Bedeutung. Es gibt ihrer Berufung und ihrem Dienst ein unverwechselbares Profil.

 

 

Hospitalität ist wesentlich mehr als nur Gastfreundschaft

 

Hospitalität bezeichnet die Bereitschaft, Menschen in ihrer konkreten Lebenssituation wahrzunehmen, ihre Würde zu achten und ihnen fachlich kompetent und menschlich zu helfen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei kranken, armen, alten, beeinträchtigten, ausgegrenzten oder anderweitig hilfsbedürftigen Menschen. Mit dem Gelübde der Hospitalität verpflichten sich die Brüder ausdrücklich zu diesem Dienst.

 

Damit wird etwas zum lebenslangen Auftrag, das auf den heiligen Johannes von Gott zurückgeht und den Orden seit seinen Anfängen prägt. Die Feierliche Profess ist deshalb nicht nur ein kirchenrechtlicher oder ordensinterner Akt. Sie ist vielmehr eine Lebensentscheidung. Ein Barmherziger Bruder verspricht, sein Leben Gott und den Menschen zur Verfügung zu stellen. Gebet, geistliches Leben und Gemeinschaft gehören dazu ebenso wie berufliche Aufgaben und der konkrete Dienst am Menschen. Wie dieser Dienst konkret aussieht, kann sehr unterschiedlich sein.

 

Barmherzige Brüder arbeiten beispielsweise in Krankenhäusern, Pflege- und Sozialeinrichtungen, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in der Seelsorge, in der Ausbildung oder in der Verwaltung. Andere übernehmen Aufgaben innerhalb der Ordensgemeinschaft oder in der Leitung.

 

 

Eine Entscheidung, die wachsen darf

 

Eine solche Entscheidung fällt nicht von heute auf morgen. Deshalb liegt zwischen dem ersten Kennenlernen des Ordens und der feierlichen Profess eine mehrjährige Zeit des Prüfens, Lernens und Wachsens.

 

Am Anfang steht das gegenseitige Kennenlernen. Ein Interessent kann beispielsweise für einige Zeit als Gast in einer Brüdergemeinschaft mitleben und dabei erfahren, wie Gebet, Gemeinschaft, Beruf und Freizeit im Alltag eines Barmherzigen Bruders zusammengehören.

 

Wer seinen Berufungsweg weiterverfolgen möchte, tritt anschließend in das Postulantat ein. Dort lernt der Kandidat das Leben, die Spiritualität, den Auftrag und die Gemeinschaft der Barmherzigen Brüder intensiver kennen.

 

Das Noviziat ist danach eine grundlegende Ausbildungs- und Entscheidungsphase im Ordensleben. Bei den Barmherzigen Brüdern dauert es zwei Jahre. Für junge Brüder aus Europa findet diese wichtige Phase der Ordensausbildung im gemeinsamen europäischen Noviziat in Brescia, Italien, statt.

 

Während des Noviziats steht weniger die berufliche Qualifikation als vielmehr die geistliche Grundlegung des Ordenslebens im Mittelpunkt. Die Novizen beschäftigen sich intensiv mit Gebet und Spiritualität, der Heiligen Schrift, dem Leben des heiligen Johannes von Gott, dem Charisma der Hospitalität, den Ordensgelübden, den Konstitutionen sowie der Geschichte des Ordens.

 

 

wichtig SIND AUSBILDUNG UND das konkrete Leben in Gemeinschaft

 

Der Kandidat soll erfahren, was es bedeutet, seinen Alltag mit anderen Brüdern zu teilen, gemeinsam zu beten, Verantwortung zu übernehmen und sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Das Noviziat ist zugleich eine Zeit der Prüfung. Sowohl der Kandidat selbst als auch die Verantwortlichen des Ordens fragen sich, ob die Berufung zum Barmherzigen Bruder tatsächlich der richtige Lebensweg für ihn ist.

 

Am Ende des Noviziats legt der Bruder erstmals die Ordensgelübde ab. Gemäß den Generalstatuten des Ordens legt der Bruder die erste zeitliche Profess für ein Jahr ab. Danach werden die Gelübde jährlich erneuert. Damit beginnt eine weitere wichtige Phase der Ausbildung und Vertiefung. Der Bruder lebt in dieser Zeit bereits verbindlich als Mitglied der Ordensgemeinschaft. Diese Jahre ermöglichen es ihm, seine Berufung weiter zu prüfen und gleichzeitig in seine zukünftigen Aufgaben hineinzuwachsen. Erst nach mehreren Jahren der zeitlichen Profess kann die endgültige Bindung durch die feierliche Profess erfolgen.

 

Die Zeit zwischen der ersten und der Feierlichen Profess wird als Scholastikat bezeichnet. Bei den Barmherzigen Brüdern umfasst diese Phase in der Regel mehrere Jahre. In der Ordensprovinz Europa Mitte dauert das Scholastikat gewöhnlich fünf bis sechs Jahre. Sitz des interprovinziellen Scholastikats ist München.

 

Das Scholastikat hat mehrere Aufgaben gleichzeitig: Die jungen Brüder sollen ihre geistliche Identität als Barmherzige Brüder festigen, menschlich und persönlich weiterreifen, tiefer in die Gemeinschaft hineinwachsen und sich zugleich beruflich auf ihren späteren Dienst vorbereiten. Damit verbindet diese Ausbildungsphase auf besondere Weise Spiritualität und Professionalität.

 

Bei den Barmherzigen Brüdern geht es in der Ausbildung keineswegs nur um theologische oder spirituelle Bildung. Ein Bruder soll auch fachlich gut für seinen späteren Dienst vorbereitet sein. Je nach Begabung, Vorbildung, Aufgabe und Bedarf des Ordens können deshalb Ausbildungen oder Studiengänge in den Bereichen Pflege, Medizin, Sozialarbeit, Pädagogik, Theologie oder anderen Fachgebieten dazugehören. Dabei kann ein bereits erlernter Beruf ebenso eine Rolle spielen wie eine neue Ausbildung.

 

Hospitalität soll nicht nur mit einem offenen Herzen, sondern auch mit Wissen, Können und Verantwortungsbewusstsein gelebt werden. Oder anders gesagt: Es genügt nicht, Gutes tun zu wollen. Man muss auch lernen, es gut zu tun.

 

Gleichzeitig vertiefen die Brüder während des Scholastikats ihr geistliches Leben, ihre Beziehung zu Gott, ihre Erfahrungen in der Gemeinschaft und ihr Verständnis für den Auftrag des Ordens. Ausbildung bedeutet deshalb immer auch Persönlichkeitsbildung.

 

 

Drei Wochen für eine grundlegende Entscheidung

 

Unmittelbar vor der Feierlichen Profess sieht der Orden eine besonders intensive Zeit der Vorbereitung vor. Genau diesem Zweck dient der internationale Kurs in Rom. Die Brüder sollen in diesen Wochen möglichst Abstand von ihren alltäglichen Verpflichtungen gewinnen. Sie erhalten Gelegenheit, auf ihren bisherigen Weg zurückzublicken und sich noch einmal grundlegend mit ihrer Berufung auseinanderzusetzen.

  • Was hat mich auf diesen Weg geführt?
  • Was bedeutet meine Berufung heute für mich?
  • Wie möchte ich als Barmherziger Bruder leben?
  • Und bin ich bereit, die Gelübde nicht mehr nur für eine begrenzte Zeit, sondern für mein ganzes weiteres Leben abzulegen?

 

Solche Fragen lassen sich nicht allein theoretisch beantworten. Deshalb verbindet der Vorbereitungskurs unterschiedliche Dimensionen des Ordenslebens: Studium und Reflexion ebenso wie Gebet, geistliche Vertiefung, Gemeinschaft und persönliche Auseinandersetzung.

 

 

Eine weltweite Gemeinschaft

 

Eine besondere Bedeutung erhält die Vorbereitung durch ihren internationalen Charakter. Brüder aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa verbringen diese Wochen gemeinsam. Sie bringen unterschiedliche Sprachen, kulturelle Erfahrungen, Biografien und Formen des Ordenslebens mit. Auch die gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sie in ihren Heimatländern begegnen, unterscheiden sich zum Teil erheblich.

 

So wird der eine Bruder vielleicht in einem modernen europäischen Gesundheitssystem tätig sein, während ein anderer unter völlig anderen medizinischen und sozialen Bedingungen arbeiten wird. Einige Brüder arbeiten unmittelbar mit kranken Menschen, andere mit Menschen mit Behinderungen, älteren Menschen, Obdachlosen oder sozial Benachteiligten. Wieder andere übernehmen Aufgaben in der Ausbildung, Pastoral oder Leitung.

 

Und dennoch stehen alle vor derselben grundlegenden Frage:

„Wie kann ich heute als Barmherziger Bruder in der Nachfolge Jesu Christi und im Geist des heiligen Johannes von Gott Hospitalität leben?”

 

Einen besonderen Abschluss erhält die Vorbereitung durch den Blick auf Granada in Spanien. Die andalusische Stadt ist für die Barmherzigen Brüder der zentrale Ort ihrer Ursprungsgeschichte. Dort wirkte Johannes von Gott im 16. Jahrhundert.

 

Johannes von Gott wollte nicht nur eine Krankheit behandeln oder eine akute Notlage beseitigen. Er nahm den Menschen mit all seinen körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen wahr. Diese Haltung wurde später als Hospitalität zum zentralen Charisma des aus seinem Wirken hervorgegangenen Ordens. Granada ist für die Barmherzigen Brüder deshalb weit mehr als ein historischer Erinnerungsort.

 

 

Was geschieht nach der Feierlichen Profess?

 

Mit der Feierlichen Profess endet die Grundausbildung eines Barmherzigen Bruders. Seine Ausbildung und persönliche Entwicklung enden damit jedoch keineswegs. Im Gegenteil: Der Orden versteht Weiterbildung als lebenslange Aufgabe. Die Brüder sollen ihre fachlichen Kenntnisse weiterentwickeln, ihren Glauben vertiefen, ihre Erfahrungen reflektieren und sich immer wieder mit neuen gesellschaftlichen und fachlichen Herausforderungen auseinandersetzen.

 

Mit der Feierlichen Profess sagen sie endgültig Ja zu einem Leben in Gemeinschaft und zu den Gelübden von Armut, eheloser Keuschheit, Gehorsam und Hospitalität sowie zu einem besonderen Dienst an Menschen. Dieses Versprechen gilt ein Leben lang. Die Aufgabe, dieses Versprechen Tag für Tag mit Leben zu erfüllen, beginnt dagegen immer wieder neu.

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