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Heilige Alltagshelfer: Konkrete Hilfe aus dem Himmel

Eine Ausstellung im Diözesanmuseum Graz verbindet alte Heiligen­traditionen mit den Herausfor­derungen unserer Gegenwart – von Krankheit und Naturgefahren bis zu Internet, Arbeitswelt und Klimaschutz.

Wer beschützt uns eigentlich im Alltag? In einer Welt voller Deadlines, Push-Nachrichten, beruflicher Belastungen und spontaner Abenteuer suchen viele Menschen nach Halt, Orientierung und Zuversicht. Seit Jahrhunderten wenden sie sich mit ihren Sorgen an Heilige und bitten um Fürsprache und Unterstützung.

 

Die Ausstellung „Heilige Alltagshelfer – Konkrete Hilfe aus dem Himmel“ im Diözesanmuseum Graz nimmt ihre Besucherinnen und Besucher mit auf eine überraschende Reise durch bekannte und ungewöhnliche Schutzbereiche. Sie stellt Heilige vor, die bei Gefahren wie Feuer oder Hochwasser angerufen werden, die Menschen in der Arbeitswelt, in der Schule oder auf Reisen begleiten und die heute auch mit Themen wie Fernsehen, Internet, Datenschutz, Umweltschutz oder sozialer Gerechtigkeit in Verbindung gebracht werden.

 

Heilige begegnen uns dabei nicht nur in Kirchen und auf Bildern. Viele Ortsnamen erinnern an sie. Die heilige Barbara ist als Schutzpatronin in Tunneln und Bergwerken präsent, der heilige Florian gilt als Patron der Feuerwehr. Auch die traditionellen Wetterheiligen haben angesichts zunehmender Wetterextreme nichts von ihrer Aktualität verloren.

 

Die Ausstellung zeigt, dass sich alte Vorbilder durchaus mit modernen Anliegen verbinden lassen. So gewinnt der heilige Franziskus von Assisi in Zeiten des Klimawandels als Mahner für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung neue Bedeutung. Der junge Carlo Acutis, der das Internet für die Vermittlung seines Glaubens nutzte, gilt als moderner Patron der digitalen Welt.

 

Dabei geht es nicht allein um Schutz vor konkreten Gefahren. Die Heiligen stehen auch für Haltungen, die Menschen im Alltag Orientierung geben können: sichere Verbindungen statt verlorener Daten, soziale Gerechtigkeit statt Ungleichheit oder Verantwortung statt Gleichgültigkeit.

 

 

Hildegard von Bingen: Glaube, Wissen und die Kraft der Schöpfung

Zu den Heiligen, die besonders eng mit Gesundheit und Heilung verbunden werden, zählt Hildegard von Bingen. Sie wurde 1098 geboren und wuchs im Kloster Disibodenberg auf. Bereits in jungen Jahren trat sie in das Ordensleben ein, später wurde sie Äbtissin. Seit ihrer Kindheit hatte sie Visionen, die sie nach langem Zögern schriftlich festhielt. Ihre Werke behandeln die Schöpfung, die Heilsgeschichte und den Weg des Menschen zu Gott.

 

Hildegard beschäftigte sich zudem mit Medizin, Heilpflanzen, Musik und Kosmologie. Sie gründete Klöster, kritisierte Missstände und trat öffentlich für ihre Überzeugungen ein – für eine Frau des 12. Jahrhunderts ein außergewöhnlicher Weg.

 

Bis heute fasziniert ihr ganzheitlicher Blick auf den Menschen. Körper, Seele, Glaube und Natur sind in ihrem Denken eng miteinander verbunden. Damit berührt Hildegard von Bingen Fragen, die auch heute aktuell sind: Wie leben wir gesund? Wie gehen wir mit der Schöpfung um? Und wie finden wir zu einem ausgewogenen Leben?

 

 

Blasius: Schutz und Segen bei Halsleiden

Auch der heilige Blasius gehört zu den bekannten Helfern in Krankheit und Not. Über sein Leben ist historisch nur wenig gesichert. Der Überlieferung zufolge war er zunächst Arzt und später Bischof von Sebaste in Armenien. Im Jahr 316 soll er als Märtyrer gestorben sein. Besonders bekannt ist die Legende, nach der Blasius einem Jungen das Leben rettete, der an einer verschluckten Fischgräte zu ersticken drohte. Deshalb gilt er als Patron bei Halsleiden und Husten.

 

An seinem Gedenktag, dem 3. Februar, wird in vielen Kirchen der Blasiussegen gespendet. Dabei werden zwei gekreuzte Kerzen verwendet. Der Segen ist eine Bitte um Schutz vor Krankheit und um Gesundheit für Körper und Seele.

 

 

Johannes von Gott: Hilfe ohne Unterschied

Mit dem heiligen Johannes von Gott ist auch der Gründer des Ordens der Barmherzigen Brüder in der Ausstellung vertreten. Nach eigenen Erfahrungen mit Krankheit und Ausgrenzung widmete er sein Leben Menschen, die Hilfe brauchten. Er pflegte Kranke, tröstete Notleidende und setzte sich für eine menschenwürdige Betreuung ein – ohne Unterschied und ohne Vorbehalt.

 

Mehr über sein Leben und Wirken erfahren Sie in der Biographie des heiligen Johannes von Gott.

 

 

Zwischen Verehrung, Heiterkeit und kritischen Fragen

Die Ausstellung nähert sich dem Thema nicht nur ehrfürchtig, sondern auch mit Humor. Manche Heiligenlegenden zeigen, dass Heiterkeit und Glaubensstärke einander nicht ausschließen. So soll der heilige Laurentius während seines Martyriums auf dem Rost gesagt haben, auf einer Seite sei er bereits gar und man solle ihn nun umdrehen.

 

Zugleich lädt die Ausstellung dazu ein, über heutige Formen von Schutz und Sicherheit nachzudenken:

Wer oder was gibt uns heute Halt? Welche klassischen Heiligen werden durch neue Patrone ergänzt? Brauchen wir neue Symbole für Mut, Schutz und Zuversicht? Und welche Vorbilder helfen uns, zwischen Social Media und Realität, Leistungsdruck und Erschöpfung, Unsicherheit und Hoffnung unseren Weg zu finden?

 

Die Ausstellung verbindet Kunst, Glaube, Verehrung, Heiterkeit und kritische Fragen. Sie erzählt von außergewöhnlichen Menschen, ihrem Weg zu Vorbildern und ihrer Bedeutung als Fürsprecherinnen und Fürsprecher. Vielleicht entdecken Besucherinnen und Besucher dabei genau jenen Schutzpatron, von dem sie bisher noch nicht wussten, dass sie ihn brauchen.

 

 

Heilige Alltagshelfer – Konkrete Hilfe aus dem Himmel
Diözesanmuseum Graz
Bürgergasse 2, 8010 Graz

 

Ausstellungsdauer: bis 11. Oktober 2026


Öffnungszeiten:

  • Dienstag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr
  • Samstag, Sonntag und Feiertage: 11 bis 17 Uhr

www.dioezesanmuseum.at

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