Podcast „Lebenswerk“ – Richtige Maßnahmen bei Hitze
Hitze ist für den Körper eine Stresssituation, das bekräftigt auch Prim. Dr. Hans Peter Gröchenig im aktuellen Podcast „Lebenswerk“ der Ordensspitäler Österreichs: „Wir wissen ja alle, wie es uns geht, wenn wir Fieber mit einer Körpertemperatur über 38 Grad Celsius haben. Wenn Außentemperaturen um die 40 Grad gemessen werden, dann kommt es zu einer allmählichen Überhitzung des Körpers. Der Körper versucht, die Temperatur durch vermehrte Durchblutung der Haut zu kontrollieren und die Temperatur mit Schweißbildung abzugeben. Durch die Schweißbildung verlieren wir Flüssigkeit, die wir dann auch wieder aufnehmen müssen. Gerade bei älteren oder sehr jungen Patient:innen kann das sehr rasch kippen und zu einem Risiko werden.“
Mehr Hitzetote als Verkehrstote
Wie groß das Risiko tatsächlich ist, verdeutlichen die Zahlen: Für das Jahr 2025 geht die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) von rund 450 hitzebedingten Todesfällen in Österreich aus (die meisten davon in der Steiermark mit 93, gefolgt von Niederösterreich mit 83 und Oberösterreich mit 70). 2024, im wärmsten Jahr der österreichischen Messgeschichte, waren es um die 1.000.
„Hitze wird als gesundheitliches Risiko definitiv unterschätzt. Wenn man das mit den Todesfällen im Straßenverkehr in Beziehung setzt, sieht man, dass diese Zahl höher ist, von der Gesellschaft aber gar nicht so wahrgenommen wird. Hitze ist ein gesellschaftliches Risiko, dem wir uns stellen müssen“, betont Prim. Dr. Gröchenig.
Die Folgen sind auch in den Spitälern spürbar. „Wir beobachten bei jeder Hitzewelle, dass vor allem ältere, pflegebedürftige Patient:innen zu uns kommen“, berichtet Dr. Gröchenig. Die Austrocknung des Körpers könne dabei weitreichende Folgen haben: Sie beeinträchtigt die Nierenfunktion und erhöht das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Lungenentzündungen.
Vom Sonnenstich bis zum Hitzeschlag: Wann ärztliche Hilfe nötig ist
Erste Warnsignale, dass der Körper mit der Hitze nicht mehr zurechtkommt, sind Müdigkeit, nachlassende Leistungsfähigkeit und verstärktes Durstgefühl. Bei älteren Menschen zeigen sich oft indirekte Zeichen wie Verwirrtheit oder auffällige Schläfrigkeit. Doch nicht jede Hitzebelastung ist gleich ein Notfall: „Beim sogenannten Sonnenstich, wenn man zu lange in der Sonne war und Schwindel oder Kopfschmerzen verspürt, ist es meistens ausreichend, sich in einen schattigen Bereich zurückzuziehen und zu kühlen“, erklärt der Mediziner. „Der Hitzeschlag hingegen, mit einer Körpertemperatur über 40 Grad, ist ein medizinischer Notfall, der eine dringende ärztliche Vorstellung und Behandlung benötigt.“
Gefährdet sind dabei nicht nur ältere Menschen: „Auch Kinder, Neugeborene, Säuglinge und stillende Mütter haben einen vermehrten Flüssigkeitsumsatz. Und gerade als Jugendlicher übernimmt man sich oft gern oder glaubt, man kann alles. Man sieht immer wieder Leute, die bei 40 Grad laufen gehen. Das kann auch für sonst Gesunde ein Risiko bergen. Wir sehen leider immer wieder Patient:innen, die nach Sportveranstaltungen in einem sehr kritischen Zustand ins Krankenhaus gebracht werden müssen.“
Der Aspekt, an den die wenigsten denken: Medikamente bei Hitze überprüfen
Ein zentrales Thema der Podcast-Folge ist ein Risiko, das kaum jemand am Radar hat: Bestimmte Medikamente können bei großer Hitze zum Problem werden. „Wir verwenden bei Patient:innen mit Herzerkrankungen Medikamente, die Flüssigkeit aus dem Körper ausscheiden, die sogenannte Diuretika. Wenn man aufgrund der Hitze ohnehin in einen Flüssigkeitsmangel kommt, kann es kontraproduktiv sein, diese sonst sehr wichtigen Medikamente unverändert weiter zunehmen. In solchen Hitzephasen sollte man, bitte immer in ärztlicher Absprache, überlegen, ob man sie für eine gewisse Zeit reduzieren oder pausieren kann“, betont Dr. Gröchenig.
Ähnliches gilt für eine Medikamentengruppe, die häufig bei Diabetes eingesetzt wird: „Die sogenannten SGLT2-Hemmer scheiden Zucker und damit auch Wasser aus. Auch sie können bei massiver Überhitzung die Austrocknung zusätzlich verstärken und sollten in so einer Situation abgesetzt werden. Wir nennen sie auch ‚Sick Day Drugs', Medikamente, die man auch bei Fieber oder Durchfallerkrankungen pausiert. Das gilt ebenso für Hitzewellen.“
Und noch ein weiterer Punkt wird oft übersehen: die richtige Lagerung der Medikamente. „Bei den meisten Medikamenten steht, bei Raumtemperatur aufzubewahren. Darunter versteht man aber nur bis 25 Grad. An Tropentagen kann es in Wohnungen bis 30 Grad haben. Gewisse Medikamente wie Zäpfchen, Cremen, Salben oder auch Schmerzpflaster können dann ihre Wirkung nicht richtig entfalten. Es ist wichtig, diese Medikamente in kühleren Bereichen der Wohnung aufzubewahren“, so der Experte.
Richtig trinken und essen: Was der Körper jetzt braucht
Wie viel man an heißen Tagen trinken sollte, lässt sich laut Dr. Gröchenig nicht pauschal sagen: „Als Faustregel gelten eineinhalb bis zwei Liter, etwa 30 bis 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht. Wer sich bei Hitze körperlich betätigt, kann aber das Drei- bis Vierfache benötigen.“ Ideal seien Leitungswasser, Tees oder verdünnte Fruchtsäfte. Wovon der Mediziner abrät: „Alkohol weitet zusätzlich unsere Gefäße und führt dazu, dass wir noch mehr Flüssigkeit verlieren. Damit steigt das Risiko, in einen Flüssigkeitsmangel zu kommen.“
Auch beim Essen gilt: leicht statt schwer. „Wenn wir etwas Schwerverdauliches essen, benötigt der Körper dafür sehr viel Blut im Verdauungstrakt und dieses Blut fehlt dann bei der Kühlung über die Hautdurchblutung. Deshalb, leicht verdauliche, nicht zu fetthaltige Speisen, eher kleinere Gerichte mehrmals am Tag. Obst, Gemüse und Salate sind in dieser Jahreszeit ideal.“
Ein Appell zum Schluss: Schauen Sie auf Ihre Mitmenschen!
Den Hörer:innen gibt Prim. Dr. Hans Peter Gröchenig eine klare Botschaft mit auf den Weg: „Schauen Sie auf Ihre Mitmenschen, vor allem auf die älteren. Besuchen Sie sie und schauen Sie, ob diese Personen mit der Hitzewelle gut zurechtkommen. Gerade diese vulnerablen Gruppen brauchen unsere Hilfe in dieser Phase." Wichtig sei dabei auch der Blick auf die passende, nicht zu warme Kleidung, auf gekühlte Räume und natürlich auf ausreichend Flüssigkeit.
Sein Fazit ist zugleich ein Auftrag an die Gesellschaft und damit an uns alle:
„Wenn wir aufeinander achten, dann werden wir auch als Gesellschaft gut über die nächste Hitzewelle kommen.“
Hinweis:
Den Podcast „Lebenswerk“ der Ordensspitäler Österreichs finden Sie auf allen gängigen Plattformen und auf www.ordensspitaeler.at/podcast.
Ordensspitäler Österreichs:
Die 23 Ordensspitäler Österreichs betreuen jährlich rund zwei Millionen Patientinnen und Patienten und stellen damit eine bedeutende Säule des österreichischen Gesundheitswesens dar. Bundesweit steht jedes fünfte Spitalsbett in einem Ordenskrankenhaus. In absoluten Zahlen sind es etwa 7.100 Betten. Über 200.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich operiert. Mit rund 20.000 Mitarbeitenden sind die Ordensspitäler ein wichtiger Arbeitgeber.