
Fest des heiligen Augustinus
Am 28. August gedenken die Barmherzigen Brüder des heiligen Augustinus. Seine Ordensregel prägt das gemeinschaftliche Leben des Hospitalordens bis heute. Zugleich verbindet Augustinus mit Johannes von Gott eine Überzeugung, die für die Barmherzigen Brüder grundlegend ist: Glaube wird dort konkret, wo Menschen füreinander da sind.
Der heilige Augustinus zählt zu den bedeutendsten Kirchenvätern der christlichen Geschichte. Geboren im Jahr 354 in Nordafrika, wurde er nach einem langen persönlichen und geistlichen Weg der Suche Bischof von Hippo. Als Theologe prägte er das Denken der Kirche weit über seine Zeit hinaus. Für die Barmherzigen Brüder besitzt er darüber hinaus eine besondere Bedeutung: Sie leben nach der Regel des heiligen Augustinus.
Der Grund dafür liegt in der Geschichte des Ordens. Der heilige Johannes von Gott verstand sich selbst nicht als Gründer einer neuen Ordensgemeinschaft und hinterließ seinen Nachfolgern daher auch keine eigene Ordensregel. Als sich die Schar seiner Nachfolger nach seinem Tod zu einer Ordensgemeinschaft entwickelte, wurde für sie die Augustinusregel maßgeblich. Sie gehört zu den großen Ordensregeln der Kirche und bildet bis heute die Grundlage zahlreicher Gemeinschaften.
Gemeinschaft bedeutet auch Teilen
Ein zentraler Gedanke bei Augustinus ist die Bedeutung der Gemeinschaft. Sie zeigt sich für ihn nicht nur im gemeinsamen Glauben und Gebet, sondern ganz konkret auch im Umgang mit Besitz und Gütern. Was Menschen besitzen, soll nicht allein dem eigenen Nutzen dienen, sondern auch anderen zugutekommen.
Damit verbindet Augustinus eine klare soziale Verantwortung. In seinen Auslegungen der Psalmen mahnt er Christen, die Not ihrer Mitmenschen wahrzunehmen und sich nicht auf den eigenen Kreis zu beschränken: Wer Christus in sich trägt, soll nicht nur den eigenen Brüdern und Schwestern, sondern auch Fremden Gutes tun.
Die Sorge um Bedürftige ist für Augustinus deshalb weit mehr als eine moralische Pflicht. Sie entspringt der christlichen Liebe und führt letztlich zu Christus selbst. Im armen, kranken und hilfsbedürftigen Menschen begegnet der Christ dem Herrn.
Sorge um Kranke als Ausdruck des Glaubens
Diese Verbindung zwischen Glauben und konkreter Nächstenliebe greift auch Papst Leo XIV. in seiner Apostolischen Exhortation Dilexi te auf. Augustinus, der als „Lehrer der Gnade“ in die Kirchengeschichte eingegangen ist, habe in der Sorge um die Armen einen Prüfstein für die Echtheit des Glaubens gesehen. Treue zu Augustinus bedeute deshalb nicht nur, seine Schriften zu studieren. Sie fordere auch dazu heraus, seine Einladung zur Umkehr und zur tätigen Nächstenliebe ernst zu nehmen.
Besonders deutlich wird dies in der Sorge um Kranke und Leidende. Der Besuch bei Kranken, das Versorgen ihrer Wunden und der Trost für leidende Menschen seien nicht bloß philanthropische Tätigkeiten. Für Papst Leo XIV. sind sie kirchliches Handeln: In den Kranken begegnen Christen dem leidenden Christus.
Von Augustinus zu Johannes von Gott
An diesem Punkt führt eine direkte Verbindung zum heiligen Johannes von Gott. Im 16. Jahrhundert machte er die Sorge um kranke, arme und ausgegrenzte Menschen zum Mittelpunkt seines Lebens. Seine Krankenhäuser standen Menschen unabhängig von Herkunft, gesellschaftlicher Stellung oder wirtschaftlichen Möglichkeiten offen.
Sein Aufruf „Tut Gutes, meine Brüder!“ wurde zum Leitwort einer tätigen Nächstenliebe, die nicht bei Worten stehen bleibt. Damit verbindet sich das augustinische Verständnis christlicher Gemeinschaft unmittelbar mit dem Charisma der Hospitalität: Menschen sollen teilen, was ihnen anvertraut ist, Not wahrnehmen und denen zur Seite stehen, die Unterstützung benötigen.
Für die Barmherzigen Brüder ist der Gedenktag des heiligen Augustinus deshalb mehr als die Erinnerung an einen großen Theologen der frühen Kirche. Er erinnert an einen Auftrag, der bis heute aktuell ist: Gemeinschaft zu leben, Egoismus zu überwinden und immer wieder neue Formen der Hospitalität zu finden, die kranken, armen und benachteiligten Menschen Würde, Hoffnung und Hilfe schenken.

Statue des hl. Augustinus in der Klosterkirche der Barmherzigen Brüder in Feldsberg/Valtice (Tschechien)