Erstes Mutter-Kind-Zentrum für Madagaskar
Auf Wunsch der lokalen Kirchenleitung kam der Orden im Jahr 2005 aus Frankreich nach Madagaskar, um in einem Armenviertel der Hauptstadt Antananarivo eine Ambulanz zu eröffnen. Nach einer Phase der Erkundung der regionalen Gegebenheiten und etlichen Berufungen von Ordensbrüdern entschied der Orden, zusätzliche Einrichtungen zu gründen: 2016 das erste psychiatrische Krankenhaus des Landes und am 22. November 2025 das erste Mutter-Kind-Zentrum der Insel, die sieben Mal so groß ist wie Österreich.
Vor fast 300 Familien, Freunden, Politikern sowie Priestern der Diözese rief der Apostolische Nuntius Tomasz Grysa die Gläubigen dazu auf, in diesem Werk „ein sakramentales Zeichen der Gegenwart Gottes bei den Schwächsten“ zu erkennen. Unter Hinweis auf das letzte Apostolische Schreiben „Dilexi te“ von Papst Leo XIV. betonte er: „Die Kirche nimmt ihre höchste Stellung ein, wenn sie sich um die Kranken kümmert.“ In einem Land, das eine politische und soziale Krise durchlebt, sei es Aufgabe der Kirche, die Schwächsten aufzunehmen.
Das Mutter-Kind-Heim entstand aus einer Begegnung zwischen einem Barmherzigen Bruder und einer Mutter, die mit ihren beiden Kindern allein auf der Straße lebte – direkt auf dem Bürgersteig. „Manche Begegnungen dienen nicht dazu, uns zu bewegen, sondern uns zu bekehren“, erzählte Bruder Paul-Marie Taufana, Initiator des Projekts und Provinzial der Französischen Ordensprovinz, zu der Madagaskar gehört. Die Einrichtung ist nach der ersten madagassischen Seligen, Victoire Rasoamanarivo, benannt.
Ein Ort für eine neue Chance
„Dieses Zentrum existiert, weil es durch immense Großzügigkeit getragen wurde“, erinnerte Frater Pascal Ahodegnon, Generalprior des Ordens. „Hier wird das Evangelium nicht erzählt: Man lässt sich davon berühren. Dank der Spender:innen, Partner:innen, Handwerker:innen und Freiwilligen wird dieser Ort zu einer zweiten Chance für diejenigen, die jegliche Orientierung verloren haben. Die Unterstützer:innen haben mehr als nur materielle Unterstützung geboten. Sie geben den Frauen und Kindern ihre verlorene Würde zurück.“
Er betonte außerdem die kirchliche Dimension der Eröffnung des Zentrums und hob die ursprüngliche Berufung des Ordens hervor: „In einer Welt, die von sozialen, politischen und wirtschaftlichen Spannungen geprägt ist, gibt die Kirche nicht auf. Sie schreitet still voran, oft im Verborgenen, aber immer an der Seite der Schwächsten. Vor den anwesenden madagassischen Behörden fügte er hinzu: „Der Schutz schutzbedürftiger Frauen und Kinder ist eine Pflicht der Gerechtigkeit. Ich danke den Verantwortlichen, dass sie diese Mission anerkennen und unterstützen.“
In der Region des Indischen Ozeans sind die Brüder bereits in Madagaskar, Mauritius, La Réunion und bald auch auf Rodrigues tätig. Sie entwickeln Projekte, die Pflege, Begleitung und Förderung der Menschenwürde miteinander verbinden. Das neue Mutter-Kind-Zentrum reiht sich in diese Dynamik ein: Es reagiert auf die immer häufiger auftretenden Fälle von Gewalt in der Familie, die Abwanderung junger Mütter und die extreme Armut in der madagassischen Hauptstadt.
Impressionen von der Eröffnung
Umfassende Hilfe in allen Lebenslagen
Über die Aufnahme und Unterbringung hinaus bietet das Projekt ab dem 8. März 2026 30 alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern umfassende Begleitung: medizinische Betreuung, psychologische Unterstützung, Rechtshilfe, Elternschulung, Bildungsprogramme sowie soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der großen Not im Land“, betont Bruder Jean-Guillaume, der das Projekt leitet, „aber wie Johannes von Gott zu seiner Zeit versuchen wir, so gut wie möglich Gutes zu tun, und Gott wird es so nutzen, wie es ihm gefällt!“
Die Einweihung des Zentrums ist kein Endpunkt, sondern ein erster Schritt: der Beginn eines Weges des Wiederaufbaus für Hunderte von Müttern und Kindern in einem Land, in dem das Leben ins Wanken geraten ist, in dem aber dennoch eine unerschütterliche Hoffnung besteht.