Frater Rudolf Knopp zum Provinzial gewählt
Dieses Kapitel markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Provinz, die erst im September 2025 aus den beiden ehemaligen Provinzen Bayern und Österreich hervorging. Gleichzeitig eröffnete es die Reihe von insgesamt 16 Provinzkapiteln, die bis Ende Mai 2026 in den verschiedenen Provinzen des weltweit tätigen Ordens der Barmherzigen Brüder abgehalten werden.
Provinzial gewählt
Am 22. Jänner 2026 stand die Wahl des Provinzials auf dem Programm. Davor fand in der Wiener Klosterkirche ein Gottesdienst statt, an dem auch Mitarbeitende aus den Einrichtungen des Ordens teilnahmen. Danach gaben die Kapitelteilnehmer im Kapitelsaal in einer geheimen Wahl ihre Stimme ab.
Die Brüder wählten Frater Rudolf Knopp OH zum Provinzial der Ordensprovinz Europa Mitte zum Heiligen Johannes von Gott. Frater Rudolf zeigte sich dankbar für das Vertrauen, das ihm seine Mitbrüder bei der Wahl entgegenbrachten: „Es ist eine große Verantwortung, einer neuen Provinz mit Konventen und Einrichtungen in fünf mitteleuropäischen Staaten als Provinzial vorstehen zu dürfen. Ich bin überzeugt, dass wir Brüder in dieser erst ein paar Monate alten Provinz zu einer starken Gemeinschaft zusammenwachsen!“ Und Frater Rudolf weiter: „Es ist schön, auf all den guten Grundlagen unserer beiden ehemaligen Provinzen weiter aufbauen zu können. Gemeinsam werden wir die Hospitalität sowie unsere Werte weitertragen und erlebbar machen.“
Weiters betonte Frater Rudolf, dass er allen rund 25.000 Mitarbeitenden der Ordensprovinz Europa Mitte für ihren täglichen Einsatz dankbar ist. Ich lade alle ein, gemeinsam mit uns Brüdern auch weiterhin an der Vision des heiligen Johannes von Gott mitzuarbeiten, die Welt für die Menschen ein Stück besser zu machen.“
Frater Rudolf Knopp – Lebenslauf
Frater Rudolf wurde am 18. Januar 1958 in Kahl am Main geboren. Er absolvierte eine Lehre als Betriebsmittel-Mechaniker, seinen Zivildienst leistete er in einer Tagesstätte für Menschen mit geistiger Behinderung ab. 1979 trat er in den Orden der Barmherzigen Brüder ein, 1989 wurde er zum Prior der Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Reichenbach bestimmt. 1992 bis 1998 war er Prior am Regensburger Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, bis 1995 auch dessen Gesamtleiter. Von 1998 bis 2001 arbeitete Frater Rudolf als Provinzkoordinator im Provinzialat in München.
Dreimal hatte er das Amt des Provinzials der damaligen Bayerischen Ordensprovinz inne, seine Mitbrüder wählten ihn 2001, 2004 und zuletzt im Januar 2022 zum Provinzial. Auch in der Generalkurie in Rom war er lange Zeit tätig: Im Oktober 2006 und erneut 2012 wurde Frater Rudolf beim Generalkapitel zum 1. Generalrat gewählt. Zudem bekleidete er das Amt des Generalökonomen des Ordens. Nach dem Generalkapitel 2019 wechselte der gebürtige Franke von Rom zurück in seine bayerische Heimat und gehörte dem Konvent der Barmherzigen Brüder in Algasing an, blieb aber Generalökonom. Frater Rudolf übernahm die Koordination der zahlreichen Aktivitäten für das Jubiläum „400 Jahre Barmherzige Brüder in Bayern“. Im Jahr 1622 siedelten sich die ersten Barmherzigen Brüder in Neuburg an der Donau an.
Seit September 2025 übte Frater Rudolf Knopp, der letzte Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz, das Amt des Rechtsträgervertreters der Barmherzige Brüder Bayern KdöR aus.
Impressionen voM Wahlvorgang
Wahl der Provinzräte (Definitoren)
Im Anschluss an die Wahl des Provinzials erfolgte die Wahl der Provinzräte (Definitoren), die gemeinsam mit dem Provinzial die Provinzleitung bilden und ihn in seiner Arbeit unterstützen.
- Provinzrat: Frater Thomas Pham, sac.
- Provinzrat: Frater Thomas Väth, sac.
- Provinzrat: Frater Daniel Katzenschläger
- Provinzrat: Frater Lukáš Ryneš
Im Anschluss an die Wahlen findet die erste Sitzung der neuen Provinzleitung statt. Der Provinzial ernennt dann mit Zustimmung seines Rates die Prioren, den Provinzsekretär, die Ausbilder und den Provinzökonomen. Diese Entscheidungen müssen jedoch, um rechtswirksam zu sein, vom Generalprior bestätigt werden und werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.
Kapitel und Wahlen
Bei den Barmherzigen Brüder ist ein Provinzkapitel die höchste Entscheidungsebene innerhalb einer Ordensprovinz. Es findet alle vier Jahre statt und wird vom Generalprior des Ordens einberufen. In die Entscheidungsfindung bezüglich der Werke waren am 19. Jänner 2026 auch leitende Mitarbeitende aus dem Provinzialat in Wien und der Ordensverwaltung in München zeitweise eingebunden.
Wer darf wählen – und wer wird gewählt?
Die Wahl zum Provinzial ist nicht nur ein organisatorischer Akt, sondern ein geistlicher Moment. Der Gewählte übernimmt Verantwortung für die spirituelle Entwicklung der Brüder, die strategische Ausrichtung der Provinz und die Umsetzung des Charismas der Hospitalität, der gelebten Barmherzigkeit.
Wahlberechtigt sind alle Brüder mit Einfacher Profess, also jene, die sich vorerst an den Orden gebunden haben. Sie wählen zunächst Vokale (Delegierte), die dann stimmberechtigt am Kapitel teilnehmen. Vokale müssen allerdings bereits die Feierliche Profess abgelegt haben, also die dauerhafte Bindung an den Orden. In diesem Kapitel sind es 16: je acht aus den ehemaligen Provinzen Österreich und Bayern. Auch der amtierende Provinzial und seine Definitoren sind immer Teilnehmer eines Provinzkapitels. Der Kapitelpräsident, üblicherweise der Generalprior des Ordens, ist bei einem Provinzkapitel ebenfalls wahlberechtigt.
Zum Provinzial kann nur gewählt werden, wer seit mindestens sechs Jahren die Feierliche Profess hat. Sollte ein besonders geeigneter Kandidat diese Bedingung knapp verfehlen, kann er dennoch vorgeschlagen werden und unter bestimmten Umständen eine Dispensierung, also eine Ausnahmegenehmigung, erhalten. Diese muss vom Generalprior erteilt werden.
Impressionen von der Kapitelarbeit
Die Aufgaben eines Provinzials
Ein Provinzial ist nicht nur für die strategische Leitung einer Ordensprovinz letztverantwortlich, sondern auch für die geistliche, spirituelle und beruflich fachliche Entwicklung der Brüder. Auch die Zusammenarbeit mit den Prioren der einzelnen Konvente gehört zu seinem Aufgabenspektrum. Gemeinsam mit den Provinzräten entscheidet der Provinzial bspw. über neue Kandidaten für das Ordensleben oder über die Ausrichtung der Gemeinschaft. In den Einrichtungen vor Ort ist ein Provinzial selten operativ tätig, aber regelmäßig präsent.
Ordensprovinz Barmherzige Brüder Europa Mitte
Nach dem Vorbild des Ordensgründers, des Heiligen Johannes von Gott (1495-1550), betreuen die Barmherzigen Brüder Menschen ungeachtet der Herkunft, der Religion, des Geschlechtes oder des sozialen Status und wollen nach ihren Möglichkeiten für alle Hilfesuchenden verfügbar sein. Ein Kennzeichen des Ordens ist der Versuch, mit innovativen und nachhaltigen Lösungen drängenden Problemen im Gesundheits- und Sozialbereich zu begegnen und diese mit Professionalität und christlicher Nächstenliebe umzusetzen.
Der Orden ist in 55 Staaten mit 562 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens auf allen Kontinenten vertreten (198 Krankenhäuser, 210 Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, 68 Sozialeinrichtungen bzw. Einrichtungen für Bedürftige, 47 Einrichtungen zur Betreuung älterer Menschen, 21 Ausbildungs- und Forschungsstandorte sowie 18 Einrichtungen mit weiteren Angeboten). Geführt werden die Einrichtungen von weltweit 965 Ordensbrüdern gemeinsam mit etwa 67.500 haupt- und 35.000 ehrenamtlich Mitarbeitenden.
Die Ordensprovinz Europa Mitte ist eine von derzeit weltweit 17 Ordensprovinzen und hat Standorte in Bayern, Österreich, Tschechien, Ungarn sowie der Slowakei. Dort betreiben die Barmherzigen Brüder gemeinsam mit fast 25.000 Mitarbeitenden Krankenhäuser sowie zahlreiche weitere Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wie Alten- und Pflegeheime, Lebenswelten für Menschen mit Behinderungen, eine Therapiestation für Drogenkranke, Hospize sowie Kur- und Wellnesseinrichtungen. In diesen Einrichtungen gibt es mehr als 5.900 Krankenhausbetten und über 800 Betreuungsplätze für ältere Menschen. Weiters werden fast 4.000 Menschen mit Behinderungen betreut und annähernd 1.000 Menschen in Berufen des Sozial- und Gesundheitswesens ausgebildet.
Die Ordensprovinz Europa Mitte entstand im September 2025 aus dem Zusammengehen der ehemaligen Ordensprovinzen Bayern und Österreich.