Brief des heiligen Johannes von Gott an Luis Bautista

1. Im Namen unseres Herrn Jesus Christus und unserer Herrin, der Unbefleckten Jungfrau Maria. Gott sei allen Dingen dieser Welt vorgezogen.

2. Ich erhielt den Brief, den Ihr mir aus Jaén geschrieben habt. Über dessen Empfang habe ich mich sehr gefreut; wenngleich meine Freude etwas beeinträchtigt wurde, als ich von dem Zahnschmerz erfuhr, den Ihr erlitten habt – denn all Euer Leiden bereitet mir Schmerz und Euer Wohlbefinden Freude.

3. Ihr sagt mir, dass Ihr dort für Euer Problem keine Lösung gefunden habt und nach Valencia gehen wollt. Ihr werdet schon sehen, was Ihr tun wollt.

4. Wegen der Eile, die ich habe, damit dieser Brief noch weggeht, bleibt mir keine Zeit, um ihn Gott anzuempfehlen – und doch ist es notwendig, ihn Gott zu empfehlen mit der nötigen Zeit, um Euch einen Rat geben zu können.

5. Nun, ich weiß, wie schwach Ihr oft seid, besonders was den Umgang mit Frauen betrifft. Und so bin ich nicht sicher, ob es gut sein wird, Euch hierher zu holen, denn Pedro ist noch nicht weggefahren, und ich weiß nicht, wann er wegfahren wird, obwohl er oft sagt, dass er fahren wolle.

6. Wenn ich die Gewissheit hätte, dass Ihr hier Nutzen für Eure Seele findet, und für alle, die mit Euch zu tun haben, so würde ich Euch sogleich zu mir holen, aber ich fürchte, das Gegenteil wäre der Fall. Deshalb glaube ich, wäre es besser, uns einige Tage einzuschränken, bis Ihr den Beschluss gefasst habt, Mühen und Tage voller Leid zu durchleben, nur bedacht, all das Gute zu tun, dessen Ihr fähig seid. Andererseits scheint es mir – wenn Ihr auf diese Weise verloren gehen solltet – besser für Euch, nicht hierher zu kommen. Aber in diesem Fall weiß Gott das Beste und die Wahrheit.

7. Deswegen erscheint es mir sinnvoll, dieses Anliegen vor dem Weggang aus dieser Stadt ganz dem Herrn anzuempfehlen. Und ich tue hier dasselbe, denn beide sind wir ja im Zweifel, was wir tun sollen, damit Gott, der die Wahrheit und das Heil aller ist, uns beistehe und Rat schaffe, um das Böse vom Guten zu unterscheiden.


Schreibt mir oft zu Eurer größeren Sicherheit. In der Zwischenzeit informiert Euch dort bei den Pilgern, die umherziehen und die Euch sagen werden, wie es um Valencia bestellt ist.


Mir kommen oft Zweifel, wie einem Menschen, der sich nicht zu helfen weiß. Wenn Ihr aber – nach eingehender Prüfung – erkennt, dass Ihr verloren gehen werdet, dann ist es besser, Ihr kommt hierher oder nach Sevilla zurück, je nachdem wohin zu reisen Euch der Herr zu verstehen gibt. Wenn Ihr nach Valencia geht, so besucht den Leib des heiligen Vinzenz Ferrer.

8. Es scheint mir, Ihr treibt dahin wie ein Schiff ohne Steuer. Mir kommen häufig Zweifel als einem Mann ohne Halt, denn wir sind alle beide so, dass wir nicht wissen, was wir tun sollen, weder Ihr noch ich. Gott ist der Wissende und der Helfer. Er gebe uns allen Hilfe und Rat.

9. Es dünkt mich, Ihr seid wie ein lockerer Stein; es wird gut sein, dass Ihr Euch ein wenig das Fleisch abschabt und es Euch schlecht ergeht, dass Ihr Hunger und Durst leidet und Schande und Erschöpfung und Ängste und Mühsal und Ärger; all dies muss um Gottes willen ertragen werden, denn wenn Ihr hierher kommt, müsst Ihr alles das um Gottes Liebe willen ertragen. Für alles sollt Ihr Gott vielen Dank sagen, für das Gute und für das Böse.

10. Gedenkt unseres Herrn Jesus Christus und seines geheiligten Leidens, der das Übel, das sie ihm antaten, mit Gutem vergalt. So sollt Ihr, mein Sohn Bautista, handeln, wenn Ihr in das Haus Gottes kommt.

11. Denn, wenn Ihr hierher kommt, müsst Ihr dies alles um der Liebe Gottes willen leiden. Ihr habt viel zu gehorchen und noch viel mehr zu leiden als Ihr gearbeitet habt – und Euch aufreiben, um die Armen und Kranken zu heilen – und all dies um der Liebe Gottes willen.


Denkt daran, dass es schon an der Zeit ist, Euch für einen Stand zu entscheiden. Ihr wisst, dass Euch hier das Tor offen steht und dass es mir Freude bereiten würde, Euch in geistig fortgeschrittenem Zustand kommen zu sehen, als einen Sohn und Bruder.

12. Denkt jedoch daran, dass, wenn Ihr kommt, Ihr ganz und mit allen Konsequenzen kommen – und Ihr Euch vor den Frauen wie vor dem Teufel in acht nehmen, und Gott die Frucht Eurer Überwindung darbringen müsst, indem Ihr Euren schlechten Lebenswandel aufgebt.

13. Denkt an den hl. Bartholomäus; sie zogen ihm die Haut ab, und er nahm seine Haut auf die Schulter. Wenn Ihr kommt, so nur, um wirklich zu arbeiten, nicht, um die Zeit totzuschlagen, denn, dem Lieblingssohn weist man die schwersten Arbeiten zu.


Bleibt alle Tage Eures Lebens mit Gott verbunden.


Hört immer die ganze Messe, beichtet – wenn möglich – oft und legt Euch keine Nacht mit einer Todsünde zu Bett.


Liebt unseren Herrn Jesus Christus über alles auf der Welt, denn, wie viel Ihr ihn auch liebt, ER liebt Euch mehr, ER übertrifft Eure Liebe. Bleibt immer in der Liebe, denn wo keine Liebe herrscht, ist Gott nicht – wenngleich Gott überall ist. Nehmt mir diesen Brief nicht übel; ich habe keine Zeit, Euch ausführlich zu schreiben.

14. Was Euer Kommen betrifft, so richtet es ganz so ein, wie es Euch am besten dünkt. Ich weiß nicht, ob unserem Herrn ein Dienst erwiesen wird, wenn Ihr so bald in dieses Haus kommt, wie wir es gerne sähen, oder aber ob Er möchte, dass Ihr dort, wo Ihr seid, leidet. Wenn Ihr es jetzt noch vorzieht, ein wenig auf der Suche nach Abenteuern in die Welt hinauszufahren, so wie die Indienfahrer es tun, dann tut das, was Gott Euch eingibt und achtet darauf, dass IHM am meisten gedient werde. Aber unterlasst es nicht, mir zu schreiben, wo immer Ihr Euch auch befindet.

15. Sobald ich kann, werde ich Eure Grüße Lebrija bestellen. Euren Brief nahm ich schon zu Bautista ins Gefängnis mit, und er hatte viel Freude daran. Ich sagte ihm, er möge unverzüglich schreiben, um den Brief abzuschicken; jetzt werde ich sehen, ob er es getan hat.

16. Empfangt die Grüße von allen. Eure Grüße übermittelte ich schon den Kleinen und den Großen, der Ortiza und dem Miguel. Pedro sagt, dass Ihr, wenn Ihr kommt, mit ihm leben werdet, bis er weggeht. Und wenn er bleibt, dann ebenfalls.

17. In diesem Brief bleibt nur noch, Euch zu sagen, Gott möge Euch behüten und beschützen und Euch in seinen heiligen Dienst nehmen, so wie ich alle anderen Menschen.
Ich schließe, aber nicht ohne meinem Gebet für Euch und für alle. Als letzten Hinweis sage ich Euch, dass es mir mit dem Rosenkranzgebet sehr gut gegangen ist, und wenn Gott will, werde ich ihn beten, sooft ich kann.

18. Ich wiederhole Euch, dass Ihr, wenn Ihr seht, dass Ihr auf dieser Reise verloren geht, das tun sollt, was Ihr für das Beste haltet. Bevor Ihr aus dieser Stadt hinwegzieht, lasst ein paar Messen zum hl. Geist und zu den hl. Drei Königen lesen, wenn Ihr die Mittel dafür habt. Und wenn nicht, genügt der gute Wille. Und wenn dieser nicht ausreicht, möge Gottes Gnade helfen.

19. Erzählt mir alles, was bei Euch dort vor sich geht. Mit dieser Post schicke ich Euch einen verschlossenen Brief, den Euch zu übergeben man mich gebeten hat. Ich habe ihn nicht geöffnet, um Euch ergeben zu sein. Ich bin auch nicht sicher, ob er für Euch ist, oder für Bautista, der im Gefängnis sitzt. Wenn er für jenen im Gefängnis ist, schickt ihn mir zurück, nachdem Ihr ihn gelesen habt, damit ich ihn ihm aushändigen kann. Wenn Bautista seinen Brief geschrieben hat, werde ich ihn Euch mit diesen beiden schicken. Nun lebt wohl in Gott und wandelt seine Wege.

20. Ich, Johannes von Gott, der geringste von allen Brüdern, der, wenn Gott es will, im Sterben liegen, immer aber schweigen und auf Gott vertrauen möchte als ein Sklave unseres Herrn Jesus Christus, eifrig bedacht, ihm zu dienen. Amen, Jesus.
Wenngleich ich nicht so ein guter Diener (Gottes) bin wie andere, da ich ihn noch viele Male beleidige und verrate, so bereue ich doch dies alles von Herzen – obwohl ich es noch viel mehr bereuen sollte.


Gott möge mir verzeihen und die ganze Welt retten.

 

 

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