Missionswoche der Hospitalität

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Missionswoche des Ordens, die heuer unter dem Motto steht: „Ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde“ (vgl. Apg 1,8)

 

 

Krieg ist die größte Sünde, Evangelisierung das wirksamste Gegenmittel

Von Guillermo Jesús Kowalski, Theologe aus Argentinien

 

Heute macht es keinen Sinn mehr, Sätze aus dem Altertum oder dem Mittelalter zu rezitieren, um damit bestimmte Formen des Krieges rechtfertigen zu wollen. Die technologischen Entwicklungen, die das menschliche Leben vollkommen verändert haben, machen jeden Krieg zur größten Sünde, die es überhaupt geben kann! Die Schwere einer Sünde wächst nämlich in dem Maß, in dem die Möglichkeiten, ihn zu vermeiden oder zu beenden, größer werden.

 

Wenn also der Krieg eine Sünde von solchem Ausmaß ist, dann sollte die Erziehung in Sachen Kultur des Friedens das schlagkräftigste Zeichen von Evangelisation sein – einer Evangelisation, die zur Kultur wird und die die Art und Weise prägt, wie wir mit Hilfe von Methoden, die explizit gewaltlos sind, die vorhandenen Ungerechtigkeiten erkennen und auch angehen können. In einer Welt, die sich immer mehr von der Kirche entfernt, besteht das Wunder, auf das hin die Welt zum Glauben gelangt, weiterhin in der Auferstehung und im Leben! Aber es gibt etwas, was in der aktuell gängigen Form von Evangelisation einfach nicht funktioniert. Denn wie heißt es im Evangelium? „Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten.“ (Lk 6,44)

 

Die Welt ist nicht neutral. Ihr Herrscher (vgl. Joh 14,30) geht „wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann“ (1 Petr 5,8). In einer Welt, die den apokalyptischen Reitern (Hunger, Krieg, Pest und Tod) vollkommen hilflos gegenübersteht, können die getrost ihrer Arbeit nachgehen. Das wirksamste Gegenmittel ist eine Evangelisierung auf der Höhe der Zeit, in Übereinstimmung mit der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils und der aktualisierten Soziallehre der Kirche.

 

Wir schöpfen das heilbringende Potential des Christentums, das gleich in den ersten Worten des auferstandenen Jesus an seine Apostel offenbar wird, längst nicht aus: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20,21) Gott hat sich zum Menschen gemacht und ist gestorben und auferstanden, um uns FRIEDEN zu schenken und damit die Möglichkeit, aus diesem Frieden heraus zu leben und an seinem Reich weiterzubauen. Entzündet mit der Flamme seines Geistes, können wir zur Errichtung einer Zivilisation der Liebe beitragen, die mit seiner Wiederkunft ihre Vervollkommnung findet. Das erste Recht, das sich aus der Würde des Menschen ableiten lässt, ist das Recht, zu leben und am Leben zu bleiben – und nicht, uns aus welchem Grund auch immer gegenseitig zu töten. Wir beten ja den Gott des Lebens an; den Gott, der Leben schenkt. Und Jesus ist das Brot des Lebens, das lebendige Wasser. Er ist der derjenige, der Worte des ewigen Lebens hat…

 

Seit 2000 Jahren bemühen wir uns nun schon darum, das Evangelium zu verstehen, und schrittweise erkennen wir, dass es keinen Krieg gibt, den man rechtfertigen könnte. So wie wir heute diese makabren kriegerischen Auseinandersetzungen, die im Alten Testament beschrieben werden, zu deuten wissen, so öffnet uns der Glaube auch immer mehr die Augen für die kriegerischen und kolonialistischen Verfehlungen in der Geschichte der Christen. Wir müssen uns mit dem Auftrag zur Vergebung und mit der Nachbesserung unserer Methoden der Evangelisierung intensiv auseinandersetzen, denn die Demut macht uns frei für die Verkündigung des großen Schatzes, den wir ja in zerbrechlichen Gefäßen tragen.

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