Das Stiegenhaus im ehemaligen Grand Hotel National
(c) Benjamin von Radom
Die Taborstraße 18 („T18“) an der Ecke Taborstraße und Schmelzgasse wird künftig ein wichtiger Teil unseres Krankenhauses. Im Rahmen des Masterplans wird das Gebäude unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes weiterentwickelt und als neuer Bauteil T in den Krankenhausstandort integriert. Dabei verbinden wir den Erhalt historischer Bausubstanz mit den Anforderungen an ein modernes Krankenhaus.
Prägende und denkmalgeschützte Elemente wie die historische Fassade, das Hauptstiegenhaus, die Gewölbestruktur im Erdgeschoss sowie die Durchfahrt zur Taborstraße bleiben erhalten und werden sorgfältig in die neue Planung eingebunden.
Gleichzeitig entsteht im Inneren eine moderne Infrastruktur für die Gesundheitsversorgung von morgen. Der neue Bauteil T vereint zentrale medizinische Versorgungs- und Infrastrukturbereiche und schafft damit optimale Voraussetzungen für einen modernen, zukunftsorientierten Krankenhausbetrieb.
Im Mittelpunkt stehen die Zentralisierung der OP- und Intensivmedizin sowie die Schaffung einer interdisziplinären Pflegestation, die auch die Akutgeriatrie mit Tagesklinik und die Sonderklasse umfasst. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf dem Ausbau der tagesklinischen Versorgung, um moderne, patient:innenorientierte Behandlungsmöglichkeiten weiter zu stärken.
Vom Gasthaus zum Grand Hotel, vom Wohnhaus zum Teil des Krankenhauses: Das Gebäude ist nicht nur eine wichtige Erweiterungsfläche für unsere Patient:innen, sondern auch ein wertvoller Teil der Wiener Stadtgeschichte. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie vielfältig die Geschichte dieses besonderen Ortes ist.
1678 erstmals urkundlich erwähnt, stand an dieser Stelle einst das Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“. Auf einem kolorierten Kupferstich aus der berühmten Serie von Wien-Ansichten des Verlags Artaria & Co. von 1783 ist es im Vordergrund von Kirche und Kloster der Barmherzigen Brüder zu sehen: ein einstöckiger Bau, dessen Ecken durch Erker mit Zwiebelhauben betont wurden. Über viele Jahrzehnte war das Gasthaus ein bekannter Treffpunkt und prägte das gesellschaftliche Leben in der Leopoldstadt.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann eine neue Ära. Philipp Klier, der das Gasthaus gemeinsam mit seiner Frau Rosina führte, beauftragte 1846 den Architekten und Unternehmer Ludwig Förster mit einem repräsentativen Neubau. Gemeinsam mit Theophil Hansen entstand das Grand Hotel National, das 1847 eröffnet wurde und zu den modernsten und luxuriösesten Hotels seiner Zeit zählte.
Zentralheizung, Personenaufzug, ein großzügiger Innenhof und eine Dachterrasse mit Blick über Wien waren damals außergewöhnlich. Eine Besonderheit war auch der Glaspavillon auf dem Dach, der aufgrund seiner hervorragenden Lichtverhältnisse als Fotoatelier genutzt wurde. Hier entstanden Aufnahmen zahlreicher Persönlichkeiten – darunter auch Fotografien von Kaiserin Sissi. Der weitläufige Dachgarten entwickelte sich zugleich zu einem beliebten gesellschaftlichen Treffpunkt.
Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich das Haus immer wieder. Während der Zwischenkriegszeit wurden Teile des Gebäudes zur Linderung der Wohnungsnot genutzt, später diente es überwiegend als Mietshaus.
Das Stiegenhaus im ehemaligen Grand Hotel National
(c) Benjamin von Radom
Der Gang im ehemaligen Grand Hotel National
(c) Benjamin von Radom
Stiegengeländer im ehemaligen Grand Hotel National
(c) Benjamin von Radom
Seit 2009 befindet sich die Liegenschaft im Eigentum der Barmherzigen Brüder. Der Anspruch bei der Weiterentwicklung des Gebäudes: So viel Geschichte wie möglich erhalten und so viel Zukunft wie nötig gestalten. Mit allen Mietparteien konnte eine einvernehmliche Lösung gefunden werden - stets mit dem gemeinsamen Ziel, den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden: sowohl dem Erhalt dieses historischen Gebäudes als auch den stetig wachsenden Anforderungen an eine moderne Gesundheitsversorgung. Nun steht die Taborstraße 18 vor ihrem nächsten großen Entwicklungsschritt: einen wertvollen Beitrag zur Wiener Gesundheitsversorgung zu leisten.