Das ist EMAS
Gelebter Umweltschutz bei den Barmherzigen Brüdern
Zertifizierungen nach EMAS III
Zertifizierungen nach EMAS III
Dass sich das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien im Bereich Umwelt- und Klimaschutz engagiert, ist ein bewusster Teil unseres Selbstverständnisses. Für uns bedeutet Klimaschutz auch Gesundheitsschutz: Eine intakte Umwelt, saubere Luft und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen tragen wesentlich zum Wohlbefinden heutiger und zukünftiger Generationen bei. Wir sehen es als unseren Auftrag, nachhaltige Maßnahmen aktiv voranzutreiben und ökologische Verantwortung mit medizinischer Versorgung zu verbinden. Klimaschutz ist für uns kein Zusatz, sondern ein wichtiger Beitrag zu einem gesunden Lebensumfeld für Patient*innen, Mitarbeitende und die Gesellschaft.
Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht Berichte zu Plastikmüll in den Meeren oder Ressourcenverschwendung lesen. Und der Klimawandel, denken wir nur an die dramatischen Unwetter und Überschwemmungen in Mitteleuropa im heurigen Sommer, ist bei uns längst angekommen und Realität.
Angesichts globaler Umwälzungen stehen wir vor der Frage: Kann es gelingen, diesen rasanten Wandel, wenn nicht aufzuhalten, so doch zumindest abzufedern und die Entwicklung in ökologisch verantwortbare Bahnen zu lenken oder ist dies eine unlösbare Aufgabe? Die positive Nachricht lautet: Umweltschutz ist nichts Abstraktes. Jede/r von uns kann konkrete Beiträge leisten. Jeder noch so kleine Schritt bringt uns dem Ziel der Bewahrung der Schöpfung näher.
Das Umweltmanagement der Barmherzigen Brüder erstreckt sich heute auf fast alle Bereiche des Krankenhauses. Vom Einkauf regionaler Zutaten für die Küchen über das Abfalltrennkonzept auf den Stationen bis hin zur Photovoltaik- oder Solaranlage auf dem Dach. Die Werte des Ordens der Barmherzigen Brüder, wie etwa Verantwortung, Qualität oder Respekt erstrecken sich auch auf die Bewahrung der Schöpfung. Daraus ergibt sich ein mehrdimensionales, umfassendes Verständnis von Umweltschutz.
EMAS-Zertifikatsübergabe an Gesamtleiter Dir. Ivan Jukić, MAS
EMAS[1] (Eco-Management and Audit Scheme) ist ein Instrument der EU, das Unternehmen und Organisationen jeglicher Betriebsgröße und Branche unterstützt, die eigene Umweltbilanz kontinuierlich zu verbessern. Die Unternehmen können sich hinsichtlich ihrer Bestrebungen und Erfolge zur Einsparung und Schonung von Ressourcen im Rahmen von Audits durch externe Gutachter prüfen, zertifizieren und nach jeweils drei Jahren rezertifizieren lassen. Im Verlauf des Zertifizierungsprozesses werden ökologische Schwachstellen gefunden, beseitigt und so Material, Energie und letztendlich auch Kosten eingespart.
EMAS-zertifizierte Unternehmen und Einrichtungen kennzeichnet:[2]
Im Jahr 2020 wurden wir im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien erstmalig nach EMAS zertifiziert. Auf Basis der EMAS-Verordnung wurde deshalb ein Konzept zur Einführung eines Umweltmanagementsystems entwickelt. Die Organisation und Koordination dieses Systems erfolgt zentral durch den Umweltbeauftragten der Ordensprovinz. Dieser wird den durch unser lokales Umweltteam und auf Österreichebene vom Leiter „Bau und Facility Management“ unterstützt.
Ziel war und ist es, den Themen Schöpfungsverantwortung und Nachhaltigkeit noch besser gerecht zu werden und gehandelt wird stets nach den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: „Ökologie – Ökonomie – Soziales“. Damit soll sowohl den internen Führungsgrundsätzen nachgekommen werden, wo unter anderem festgelegt ist: „Wir verwenden die verfügbaren Ressourcen verantwortungsbewusst, nachhaltig und wirtschaftlich.“ als auch kirchlichen Empfehlungen, denen sich der Orden der Barmherzigen Brüder verpflichtet fühlt.
Die Aktivitäten basieren auf der Grundlage der im März 2019 veröffentlichten Zielsetzungen in der Erklärung der Provinzleitung zur unternehmensweiten Energie- und Umweltpolitik. Sie erstrecken sich auf alle, insbesondere im Krankenhausbetrieb notwendigen Prozesse, Ressourcen und Materialien. Durch EMAS wird jährlich ein Umweltprogramm erstellt, in dem alle umweltrelevanten Themen wie ökologische Beschaffung, Steigerung der Energieeffizienz, Photovoltaik-Anlagen, Abfallkonzepte, Reduzierung der Speiseresteabfälle, Reduzierung der CO2-Emissionen, Legal Compliance, Mitarbeitermobilität, Nutzerverhalten und Wasserverbrauch bearbeitet werden.
Papst Franziskus leitete mit seiner Enzyklika „Laudato Si“[3] im Jahr 2015 einen innerkirchlichen ökologischen Paradigmenwechsel ein. In diesem Lehrschreiben vereint er Ökologie und Soziales und fordert eine ökologische Umkehr: „Nach einer Zeit irrationalen Vertrauens auf den Fortschritt und das menschliche Können tritt jetzt ein Teil der Gesellschaft in eine Phase stärkerer Bewusstheit ein. Es ist eine steigende Sensibilität für die Umwelt und die Pflege der Natur zu beobachten, und es wächst eine ehrliche, schmerzliche Besorgnis um das, was mit unserem Planeten geschieht.“[4] Aus seiner Sicht sind wir alle gefordert, Umweltschutz nicht dem Zufall zu überlassen und Schöpfungsverantwortung wahrzunehmen. Diesen Leitgedanken haben die Barmherzigen Brüder als in 52 Staaten der Erde tätige Ordensgemeinschaft auf globaler und regionaler Ebene aufgegriffen.
Umweltschutz wird bei uns ganzheitlich gesehen. Schöpfungsverantwortung erstreckt sich auf alle Prozesse, Ressourcen und Materialien. Unter diesem Gesichtspunkt birgt Umweltschutz auch ein enormes Sparpotenzial. Der effiziente Einsatz der Ressourcen reduziert deren Verbrauch und vermindert in sehr vielen Bereichen die Kosten. Besonderes Augenmerk legen wir auf den sorgfältigen und sparsamen Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen und der Einsatz von Energie.
In einer speziellen Umwelt-Rechtsdatenbank gutwin[5] werden alle relevanten Umweltgesetze und Bescheide abgebildet und abgearbeitet. Alle Umweltaktivitäten werden zudem im jährlichen Umweltbericht dokumentiert. Für alle Bereiche wurden im Zuge der EMAS-Zertifizierungen Umwelt-Kennzahlen festgelegt. Wasser, Energie (Strom/Wärme), Abfall und der CO2-Ausstoß stehen unter ständiger Beobachtung, um eine möglichst sparsame Verwendung dieser Ressourcen zu gewährleisten.
Umweltmanagementpreis 2023 für die beste Maßnahme Klima- und Umweltschutz
Photovoltaikanlage auf dem Dach unseres Krankenhauses
Das Umweltteam eines jeden Standortes ist sowohl für die kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung als auch die operative Umsetzung des Umweltprogrammes zuständig. Das Team trifft sich in regelmäßigen Abständen. Bei den Besprechungen werden alle Umweltanliegen und umweltrelevante Projekte behandelt. Bei der Zusammenstellung des Teams wird beachtet, dass möglichst viele Bereiche der jeweiligen Einrichtung (Krankenhaus, Betreuungseinrichtung, Kurhaus, etc.) abgedeckt sind.
Auswirkungen auf die Umwelt sollten mit Hilfe des Umweltmanagementsystems minimiert bzw. deren Entstehung möglichst vermieden werden. Die Ermittlung und Bewertung der Umweltaspekte erfolgt vom Umweltbeauftragten mit Unterstützung des Umweltteams. Ermittelt wird in allen Bereichen, in denen eine Belastung für die Umwelt wahrscheinlich ist. Bei jeder einzelnen Tätigkeit werden die direkten und indirekten Emissionen in der Luft, Lärm, Wasserverbrauch, Einleitung von hausspezifischen Abwässern, Materialeffizienz und indirekten Umweltauswirkungen wie Verkehr, Einkauf und Bau beurteilt. Zur Bewertung der Umweltaspekte wird das System der Nutzwertanalyse angewendet, welches die verschiedenen Faktoren der Umweltauswirkungen erfasst. Als bedeutendster Umweltaspekt hat sich der Energieeinsatz, gefolgt vom Abfallaufkommen und der Wasserverbrauch herausgestellt.
Stets wird eine Analyse der externen und internen Themen hinsichtlich der Wesentlichkeit für das Umweltmanagementsystem durchgeführt. Dabei wird eine Vielzahl an Themen hinsichtlich Chancen und Risiken bewertet und gegebenenfalls mit Maßnahmen adressiert. Neben einer umfassenden Bewertung des Umfeldes (Stakeholder) wird für die Erstellung der Kontextanalyse das PESTEL-Verfahren gewählt. Wesentliche Themen sind unter anderem regionale Planungskonzepte gemäß regionaler Strukturpläne, Kranken- oder Kuranstaltengesetze, Energiekosten oder Naturkatastrophen (Hochwasser). PESTEL steht für die politischen (political), wirtschaftlichen (economic), sozio-kulturellen (social), technologischen (technological), ökologisch-geografische (environmental) sowie rechtlichen (legal) Einflussfaktoren, die auf das Unternehmen einwirken.
Das umweltbewusste Verhalten der Mitarbeitenden trägt wesentlich zur Verbesserung der Umweltleistung bei. Um den Umweltschutz in den Arbeitsalltag zu integrieren, sind alle wichtigen Leitlinien für die Steuerung im unternehmensinternen Dokumentenmanagement „roXtra“[7] verfügbar. Neben Information in der Mitarbeiterzeitung werden die Mitarbeitenden mit Infoveranstaltungen und Schulungen, regelmäßigen Beiträgen in der Mitarbeiter-App, Aushängen oder Plakaten über die Umweltauswirkungen und die Umweltleistung informiert.
„Aus den Augen, aus dem Sinn” heißt es im Sprichwort, aber Abfälle sind die sichtbarsten Umweltaspekte eines Krankenhauses und sie durchwandern einen langen Weg, bis sie schließlich getrennt gesammelt, verwertet oder fachgerecht entsorgt werden.
Die Barmherzigen Brüder versuchen über die Zusammensetzung der unterschiedlichen Abfallfraktionen die Stoffströme nach ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten zu lenken. Dabei werden mögliche Schwachstellen über eine einmal jährlich stattfindende Abfallanalyse in allen unterschiedlichen Abteilungen festgestellt und Gegenmaßnahmen können eingeleitet werden (z. B. in medizinischen Bereichen, Küchen, Labors, Apotheken, usw.). Denn nicht alles ist Restmüll. Kunststoffe, Metallverpackungen, Papier, Chemikalien usw. müssen unbedingt getrennt gesammelt werden. Was einfach klingt, wird in der Praxis oft nicht umgesetzt. Mit den jeweiligen Abteilungen werden regelmäßig Schulungen durchgeführt, um das „Wegwerfverhalten“ zu verbessern.
Abfallvermeidung beginnt aber bereits beim umweltfreundlichen Einkauf. So wurde zur nachhaltigen Beschaffung medizinischen und pflegerischen Verbrauchsmaterials im Februar 2021 mit dem zentralen Einkauf der Barmherzigen Brüder ein Beschaffungskatalog entwickelt und an allen Standorten eingeführt. Speziell in der Medizin werden jedoch vermehrt Einmalartikel eingesetzt, wodurch die Abfallmengen ständig steigen. Ein weiterer Grund für ein höheres Abfallaufkommen liegt auch daran, dass sich der „Lebenszyklus“ vieler Produkte verkürzt. So werden z. B. 80 % aller Produkte nach einmaliger Verwendung weggeworfen und 99 % der Materialien werden nach sechs Wochen zu Abfall. Damit wir unsere heutigen Bedürfnisse nicht auf Kosten nachkommender Generationen befriedigen, arbeiten die Provinzverwaltung und unsere Umweltteams laufend an innovativen und nachhaltigen Umweltprojekten.
Mit der EMAS-Zertifizierung wird auch sichergestellt, dass alle umweltrechtlichen Vorgaben auf Einhaltung überprüft werden. Dadurch wird für alle Einrichtungen im Bereich des Umweltschutzes Rechtssicherheit hergestellt.
Die Umweltkennzahlen werden laufend überwacht. Um rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können, wurde ein Umweltcockpit eingerichtet. Dadurch kann bei Abweichungen in den Bereichen Abfallaufkommen, Energie, Treibstoff und Wasserverbrauch rasch reagiert werden. Die Umweltdaten werden von Umweltgutachtern im Zuge der Umweltaudits validiert.
In Folge einer Zertifizierung ergeben sich für einen Betrieb zahlreiche weitere Vorteile. Laut derzeitiger Rechtslage ist dann die Konsolidierung von behördlichen Bescheiden möglich, durch die Benennung eines zentralen Umweltbeauftragten entfällt die Bestellung eines Abfall- und Abwasserbeauftragten pro Standort. Neben weiteren Vereinfachungen entfällt beispielsweise auch die Pflicht zu externen Energie-Audits zur Erfüllung des Bundes-Energieeffizienzgesetz (EEffG).
Nachhaltigkeit, Schöpfungsverantwortung und gelebter Umweltschutz können kein Enddatum haben. Die Entwicklungen entlang der Produktlebenszyklen in den Bereichen Innovation, Produktion, Anwendung und Recycling schreiten unablässig voran. Um für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein, arbeiten die Barmherzigen Brüder schon an der Implementierung der Position eines/r zentralen Umwelt-, Gefahrgut und Energiebeauftragten. Immer wichtiger wird der Themenbereich „nachhaltiges Sanieren und Bauen“ und letztlich gilt es auch, das erworbene Know-how zu festigen und im Unternehmen zu halten.
Kleidertauschaktion "Tausch dich glücklick" für Mitarbeitende